Eine Kirche mit Charme

Neugotischer Bau in Burghammer imponiert in Spreetal

BURGHAMMER/SPREEWITZ Die Kirche in dem Spreetaler Ortsteil Burghammer ist zwar klein und eher schlicht gehalten, aber sie ist in der Kirchengemeinde Spreewitz als Kirche mit einem gewissen Charme sehr beliebt. Zudem wird sie zunehmend als "Fahrradkirche" genutzt. Für Pfarrer Jörg Michel ist diese Kirche ein kleiner Juwel.

Pfarrer Jörg Michel sieht die Kirche Burghammer als kleines Juwel in der Kirchgemeinde Spreewitz.
Foto: Anja Guhlan

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschied sich der Ort Burghammer, der erstmals 1596 als "Hammerwerk zu Burgk" in einer Urkunde erwähnt wurde, für den Bau einer Kirche und einer angrenzenden größeren Schule, die heute als Wohnhaus dient. Im Jahr 1906 wurde die Kirche schließlich eingeweiht. "Heute passt sich die Kirche dem Ortsbild perfekt an", so Pfarrer Jörg Michel. Zwar liegt die Kirche nicht wie üblich in der Dorfmitte, aber für einen industriell gewachsenen Ort passt sich die Kirche laut Michel gut ins Ensemble des Dorfes ein.

Obwohl die Kirchengemeinde in Burghammer mit 22 Gemeindegliedern recht klein ist und auch pro Jahr nur vier bis fünf Gottesdienste in dem neugotischen Klinkerbau stattfinden, ist der Zusammenhalt nach Empfinden des Pfarrers groß. "In Burghammer bleibt man nach so manchem Gottesdienst oder Konzert auch mal beisammen und trinkt ein Schlückchen Wein", erinnert sich Jörg Michel.

Die Kirche in Burghammer ist auch eine sogenannte Offene Kirche, die meist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet hat. Ausnahme sind die Wintermonate. Wenn Besucher, darunter auch viele Fahrradtouristen, in den Ort kommen und sich die Kirche ansehen wollen, schließt der 85-jährige Kirchenbetreuer Helmut Pretzsch die Kirchentür auf. Er verzeichnet zwischen den Jahren 2011 und 2014 im Schnitt 35 eingetragene Besucher pro Jahr. Die Gäste aus Luxemburg, Tschechien und Polen hatten laut Pretzsch die weiteste Anreise.

"Die Kirche befindet sich nach zwei abgeschlossenen Sanierungen in den Jahren 1996 und 2006 in einem guten baulichen Zustand. Auch die Orgel wurde 2010 generalüberholt", erklärt Michel. Lediglich die historischen Fenster der Kirche müssten bald erneuert werden, da die Metallverstrebungen verrostet und zunehmend marode sind.

Die Spreewitzer Kirche glänzt als Fachwerkkirche.
Foto: Anja Guhlan

Für die Zukunft wünscht sich Pfarrer Michel, dass die Burghammeraner Kirche sich künftig mit der Entwicklung des Lausitzer Seenlandes weiter etablieren wird. "Ich könnte mir ein reichhaltiges Kulturprogramm vorstellen", so Michel, der gleichzeitig auch an die Bürger des Ortes appelliert: "Ich freue mich, wenn alle Dorfbewohner die Kirche als unsere gemeinsame Kirche ansehen und sie noch mehr von ihnen entdeckt wird." Momentan sind es laut Michel nämlich immer die gleichen Gesichter, die sich beim Frühjahrs- und Herbstputz für die Kirche engagieren.

Im Gegensatz zur Kirche in Burghammer ist die Fachwerkkirche in Spreewitz, die im Jahr 1688 erbaut und in den Jahren 1996 und 2000 vollständig restauriert wurde, mit dem dazugehörigen Friedhof der Dorfmittelpunkt. Die Kirchgemeinde ist hier mit rund 130 Gemeindegliedern um ein Sechsfaches größer als in Burghammer. Als Besonderheit sieht Pfarrer Jörg Michel bei dieser Kirche den lebendigen Austausch mit ausgewanderten Sorben und deren Nachfahren in Amerika. Seit 1981 besteht zwischen der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der United Church of Christ (UCC) in Amerika ein intensiver Kontakt. "Vor einigen Monaten waren wieder Texaner in Spreewitz und haben die Kirche besucht", erinnert sich Jörg Michel.

Anja Guhlan / ang1

Lausitzer Rundschau vom 23. Dezember 2014

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