Gräfendorfer Kirche hat ihre Orgel wieder

Nach "stummen Jahren" steht fertig saniertes Instrument im Mittelpunkt des musikalischen Abends

GRÄFENDORF Einige Jahre ist die Orgel in der Sankt-Jakob-Kirche in Gräfendorf stumm geblieben. Der Zahn der Zeit hatte so stark an ihr genagt, dass irgendwann auch Pfarrer Ingolf Walter dem Instrument keine angenehmen Töne mehr entlocken konnte und kapitulierte. Nach umfangreicher Sanierung erklingt die Orgel nun wieder.

Die Gräfendorfer Orgel ist wieder komplett hergestellt. Am Samstagabend stand sie im Mittelpunkt einer musikalischen Stunde.
Foto: Sylvia Kunze

Für die Kirchenverantwortlichen ist der Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Orgel im Vorjahr das schönste Geschenk gewesen. Die Fachleute von der Firma Mitteldeutscher Orgelbau Voigt aus Bad Liebenwerda haben ganze Arbeit geleistet. "Technisch ist sie fertig, berichtet Kirchenältester Klaus Gemeinhardt und fügt erklärend hinzu: "Es stehen aber noch Restarbeiten an." Die betreffen in erster Linie das Gehäuse. Das muss noch aufgearbeitet werden. Es soll gestrichen werden, und die Verzierungen sollen abgesetzt werden.

Alles in allem rechnet die Kirchengemeinde damit, dass dafür weitere 10 000 Euro zu berappen sind. Viel Geld, wenn man dabei im Hinterkopf hat, dass für die zurückliegende Sanierung schon an die 60 000 Euro zu zahlen sind. "Bei 30 000 Euro haben die ersten Kostenvoranschläge angefangen. Letztlich hat es das Doppelte gekostet", rechnet Gemeinhardt vor. Er ist froh, dass viele dazu beigetragen haben, dass die Summe zusammengekommen ist, zum Beispiel der Kirchenkreis, die Landeskirche, der Landkreis, die Kirchengemeinde selbst und viele Spender. "Allein an Spenden sind bisher um die 12 000 Euro für die Orgel eingegangen", weiß der Kirchenälteste. Und das, obwohl erst im Vorjahr die Sicherungsarbeiten im Inneren des Gotteshauses abgeschlossen wurden, für die ebenfalls nicht unbeträchtliche Spenden zusammenkamen.

Die Gräfendorfer sind zuversichtlich, auch die restlichen Mittel für den Abschluss der Orgelsanierung aufbringen zu können. Sie haben jetzt immerhin eine gute Basis: die wohlklingende Flemming-Orgel. Wie schön sie klingt, das hat Christopher Lichtenstein beim musikalischen Abend am Samstag hören lassen. Zusammengestellt hatte er eine Auswahl musikalischer Weihnachtslieder alles Orgelbearbeitungen, zum Beispiel von Johann Sebastian Bach, "die auf der Flemming-Orgel richtig gut klingen", so der Organist, aber auch von dessen Lehrmeister Georg Böhm, dessen Onkel und späteren Schwiegervater Johann Michael Bach sowie Johann Pachelbell. Zwischendurch Lieder zum Mitsingen und Rezitationen, vorgetragen von Gräfendorfer Kindern. Da kam Freude bei allen Gästen auf.

Obwohl zu diesem musikalischen Abend nun schon zum vierten Mal in Folge eingeladen worden war, war er dank des Orgelspiels doch eine Premiere. "In den Jahren zuvor kam die Musik nur vom Band", begründet Klaus Gemeinhardt. Der "Sprachlosigkeit" des verstummten Kircheninstruments geschuldet. Künftig soll es in Gräfendorf aber durchaus wieder öfter Orgelmusik zu hören geben, verspricht Pfarrer Ingolf Walter und ist sich da mit Organist Christopher Lichtenstein einig. Beide sind zugleich führende Köpfe bei den Kirchenmusiken im Uebigauer Pfarrbereich. Und da auch Gräfendorf nun schon seit etwa zehn Jahren von Pfarrer Walter betreut wird, soll es in diesen Konzertzyklus mit eingebunden werden, versprechen beide. Die Abendmusik war sozusagen der Auftakt dafür.

Der Geistliche kann bei der Gelegenheit gleich eine zweite Ankündigung loswerden. Die betrifft die feierliche Einweihung der sanierten Orgel die zwar schon versprochen, aber immer noch nicht vollzogen wurde. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde wurde dafür ein schöner Termin gefunden: Beim Sommerfest in diesem Jahr soll die sanierte Orgel im Mittelpunkt stehen.

Zum Thema:

Nach mehrjähriger Sanierung erstrahlt der Innenraum der etwa 800 Jahre alten Dorfkirche seit dem vergangenen Jahr in neuem, schlichtem, aber beindruckendem Glanz. Auch an der Außenhülle des Backsteinbaus sind Reparaturen vorgenommen worden. Offen sind jetzt noch nötige Arbeiten am Kirchenschiff und am Turm sowie am Kanzelaltar.Zutage getreten sind bei den Arbeiten mittelalterliche Wandmalereien, die von Restauratoren als in dieser Form einzigartig und sogar von überregionaler Bedeutung eingeschätzt werden. Das Wieder-Sichtbar-Machen dieser Malereien hat die Bausumme deutlich nach oben getrieben und die Spendenbereitschaft der Gräfendorfer und vieler Kirchenfreunde gefordert.

Sylvia Kunze

Lausitzer Rundschau vom 05. Januar 2015

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