Hereingeflogen: Naturschützer kennzeichnen Gotteshäuser

Kirchen sind offen für Eulen und Turmfalken

Uwe Stahn holt die Bohrmaschine hervor. Während ihm Frank Grünert buchstäblich zur Seite steht und die kleine Tafel hält, beweist der Vorsitzende des Naturschutzbund-Regionalverbandes „Hoher Fläming/Planetal“ seine handwerklichen Fähigkeiten. An der Pforte des Kirchhofes hängt jetzt eine Plakette. Sie weist auf den „Lebensraum Kirchturm“ hin.

Einmalig im Hohen Fläming: Eulenbrutkasten mit Brut.
Quelle: Nabu

Borne/Lübnitz. Früher haben dort sogar Eulen gebrütet. Vor einigen Jahren haben dann Turmfalken den Platz eingenommen. „Wir hatten zwei schlechte Winter für Eulen“, erklärt Uwe Stahn. „Der viele Schnee hat sie seinerzeit von der Nahrung, den Mäusen, abgeschnitten“, sagt der Fachmann. Er erklärt, dass es hierzulande derzeit nur noch einen Nachweis einer in einem Kirchturm brütenden Eule gibt. Konkret wird der Standort aus nachvollziehbaren Gründen nicht genannt.

Bei der Plakette vor dem Gotteshaus zu Borne handelt es sich um den ersten Hinweis dieser Art im Landkreis Potsdam-Mittelmark. In gesamten Land Brandenburg gibt es 22 davon. 2007 starteten die Naturschützer bundesweit mit dem Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen das Projekt. Damals war der Turmfalke „Vogel des Jahres“. Wie kein anderer ist er nämlich auf Nistmöglichkeiten in (Kirch-)Türmen angewiesen. Von der Initiative profitieren aber auch Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen und andere. „So bringen wir Leben in die Kirchen“, sagt Uwe Stahn und lächelt.

In seinem Heimatort Borne scheint das Ziel tatsächlich erreicht. 2013 wurden vier, im vergangenen Jahr immerhin drei Falken vor den Toren der Kur- und Kreisstadt flügge. „Wenn die Jungvögel zu ihren ersten Flugversuchen starten, dann scheinen alle Katzen des Dorfes am Turm versammelt“, berichtet Frank Grünert. Der Schauspieler wohnt gleich gegenüber und hat so den besten Blick auf das Geschehen. „Glücklicherweise gelingt es den Vögeln rechtzeitig, in die Höhe zu starten“, fügt er hinzu.

Jährliche Kontrolle

Neben den Stellen an den 13 Kirchen hat der Naturschutzbund noch weitere 35 Standorte im Hohen Fläming mit Brutkästen für Eulen und Turmfalken bestückt.

Einmal jährlich werden alle Kästen vom Naturschutzbund überprüft, der die Jungvögel beringt.

Nachdem die Tafel in Borne angebracht war, ging es für Uwe Stahn nach Lübnitz. Auch dort nisten Turmfalken und jetzt hängt dort ebenfalls ein Schild, das darauf hinweist. Wie in Borne wurde die Auszeichnung am Tor befestigt. „Der Denkmalschutz hat sich dagegen ausgesprochen, sie direkt am Turm anzubringen“, berichtet der Naturschützer, der dem Entschluss jedoch Positives abgewinnen kann. „So sieht jeder Mensch die Tafel gleich, wenn er das Gelände betritt“, versichert der Nabu-Experte.

Vor Ort hat Bärbel Grabow das Anliegen unterstützt. Sie konnte auf dem Turm insgesamt sieben junge Falken beobachten. „Vor einem Jahr nisteten sie noch im Trockenturm und jetzt sind sie hier“, freut sie sich. Bärbel Grabow berichtet, dass die Jungvögel im ganzen Dorf zu hören sind. „Es stört keinen, man freut sich viel eher über das Gekreische“, setzt sie hinzu.

Uwe Stahn will in der nächsten Zeit zwei weitere Plaketten anbringen. „Da warten wir noch auf die Genehmigung“, berichtet der Naturschützer. In Brück-Rottstock und Hohenwerbig kann er dann noch tätig werden.

Von Andreas Koska

Märkische Allgemeine vom 07. Januar 2015

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