Von der Ruine zum Aushängeschild

Sonja Jenning

Fürstenwalde (MOZ) Vor 70 Jahren wurde der Fürstenwalder Dom zerstört, vor 20 Jahren der Wiederaufbau abgeschlossen und vor zehn Jahren die neue Orgel geweiht. Die St. Marien Domgemeinde feiert diese Ereignisse mit zahlreichen Veranstaltungen, Höhepunkte sind ein Konzert mit Empfang am Reformationstag sowie ein Festgottesdienst am 1. November.

Betreuen die Besucher: Pfarrer Martin Haupt mit den Ehrenamtlichen Ruth Hadank (rechts) und Eleonore Eisele.
© MOZ

Mehr als 500000 Besucher konnten im Fürstenwalder Dom seit seiner Wiedereinweihung am 31. Oktober 1995 begrüßt werden. Nicht eingerechnet sind Gäste von Gottesdiensten und Konzerten. Für Pfarrer Martin Haupt belegen diese Zahlen die Bedeutung der Kirche für die Stadt, die auch wirtschaftlich von den Besuchern profitiere. Dass Fürstenwalde sich 2013 den offiziellen Namenszusatz "Domstadt" gab, sei daher nicht nur konsequent, um Tourismus und Image zu fördern, sondern auch wichtig für das Selbstverständnis der Stadt, so Haupt.

2015 steht für den Dom und die St. Marien Domgemeinde im Zeichen mehrerer runder Jahrestage: Vor 70 Jahren ging das Gebäude, nur wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in Flammen auf. Trotz widriger Bedingungen - der Staat hatte kein Interesse an Kirchen und die in Fürstenwalde gestrandeten Flüchtlinge und Vertriebenen hatten genug mit sich selbst zu tun - begann schon Ende der 1940-er Jahre der Wiederaufbau. Die äußere Hülle war Mitte der 60-er Jahre fertig. "Die drei Glocken läuteten, doch Fenster und Türen waren mit Brettern vernagelt und drinnen gab es nur Sand und tote Tauben", erinnert sich Martin Haupt an den Zustand des Doms zu Beginn der 80-er Jahre. Zwischen 1988 und 1995 erfolgte dann der Innenausbau. "Die Verbindung von Alt und Neu sorgte damals für Diskussion, doch heute sind viele Besucher gerade davon tief beeindruckt", sagt Pfarrer Haupt.

Rund um den 20. Jahrestag der Wiedereinweihung am 31. Oktober hat die St. Marien Domgemeinde zahlreiche Veranstaltungen geplant. "Es wird Gesprächsrunden zum Thema Christen- und Bürgergemeinde geben, Vorträge zur Geschichte und zum Wiederaufbau des Doms, ein Kindertheater, eine Ausstellung und ein Konzert in Zusammenarbeit mit dem Jazzclub", zählt Pfarrer Haupt auf. Am Reformationstag findet ein Konzert mit anschließendem Empfang statt und am 1. November, der auf einen Sonntag fällt, ein Festgottesdienst mit dem Generalsuperintendenten aus Görlitz, Martin Herche. "Der Gottesdienst steht unter dem Motto Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber Gott und den Menschen, die den Dom als ihre Heimat betrachtet haben - auch in Zeiten, als er eine Ruine war", sagt Haupt.

Sein Dank geht aber auch an die mehr als 50 ehrenamtlichen Helfer, die dafür sorgen, dass das Gebäude täglich von 10 bis 15 Uhr, in den Sommermonaten bis 16 Uhr und im August sogar bis 18 Uhr, geöffnet ist. "Wir sind froh, dass sich immer wieder Menschen in der Kirchengemeinde finden, die ihren Dom offen halten und Besuchern präsentieren wollen", sagt Martin Haupt, der die Gemeinde seit 1996 gemeinsam mit Pfarrer Jörg Hemmerling betreut.

Neben den üblichen Erhaltungs- und Wartungsarbeiten steht in diesem Jahr die Verbesserung der Akustik im Gebäude an. "Wir haben bereits im vergangenen Jahr mit dem Einbau von schallschluckenden Akustikdecken begonnen, in diesem Jahr folgt nun die technische Aufrüstung mithilfe von Lautsprechern und Mikrophonen", sagt Pfarrer Haupt.

Märkische Onlinezeitung vom 22. Januar 2015

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