Frank-Walter Steinmeier will Geschichte bundesweit bekannt machen

Außenminister wirbt für Dom in Brandenburg

Der Dom in Brandenburg an der Havel hat Geburtstag: Vor 850 Jahren wurde das heute protestantische Gotteshaus errichtet. Ein prominenter Gratulant steht schon fest: Frank-Walter Steinmeier. Für den Bundesaußenminister ist das Jubiläum "ein Höhepunkt des Jahres - und dafür will er bundesweit werben, wie er gegenüber der MAZ sagte.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.
Quelle: MAZ

Herr Bundesaußenminister, Sie haben jüngst den Kuratoriumsvorsitz für das 850. Jubiläum des Brandenburger Doms Peter und Paul übernommen, von dem die Christianisierung der gesamten Region ausging. Welche Aufgabe verbinden sie als Bundesaußenminister mit dem Kuratoriumsvorsitz?

Frank-Walter Steinmeier : Neben der Bundesgartenschau ist das 850. Jubiläum des Brandenburger Doms für mich ein Höhepunkt des kommenden Jahres. Und die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Wir sind mit Hilfe vieler in den letzten Jahren bei der Sanierung des Doms ein sehr großes Stück vorangekommen. Der Brandenburger Dom wird sich also im Jubiläumsjahr in guter Form präsentieren. Aber in Wahrheit geht es nicht um die Zuschaustellung gut erhaltener Architektur. Sondern es sind die 1000 Jahre wechselhafter Gesichte in der Mark Brandenburg. Die beginnt mit der Widmung des Bistums Brandenburg durch Otto den I. bevor im 12 Jahrhundert der Grundstein zum Dom gelegt wurde. Und die Geschichte des Doms kreuzt sich mit der Geschichte der Reformation, deren 500. Jubiläum wir 2017 feiern. Der als römisch-katholische Kirche gegründete Dom wurde damals protestantisch und blieb es bis heute. Er ist ein großartiges, wahrscheinlich das wichtigste Bauwerk in Brandenburg. Und er ist die Mutterkirche der Mark. In ihr spiegelt sich lebendig die Geschichte des ganzen Landes. Und ich betrachte es als Teil meiner Verantwortung, dieses wichtige Stück Geschichte bekannter zu machen und an die nächsten Generationen weiterzugeben.

In der Stadt Brandenburg ist der Dom zwar kein Fremdkörper, gleichwohl in der Wahrnehmung der Brandenburger selbst, weit weniger Teil der Stadt als die großen Kirchen St. Katharienen und St. Gotthardt. Dagegen betont das Land Brandenburg den Dom durchaus als die Landeskirche. Wie bewerten sie diese Spannungssituation?

Steinmeier : Bei genauerer Betrachtung ist das nichts Ungewöhnliches. Auch der Kölner Dom ist nicht der gemütliche Gemeinderaum der Kölner Vorstadtgemeinden. Insofern ist dieser scheinbare Widerspruch in Wahrheit keiner. Sondern er spiegelt nur das wider, was sich im Verhältnis von repräsentativen Großkirchen wie Domen, Basiliken und Kathedralen zu den Sonntagskirchen in den Städten immer wieder ablesen lässt. Ich finde, in Brandenburg ist das ein bisschen künstlich. Der Kölner Dom ist ein Touristenzentrum, aber sicher nicht „die“ Kirche der Kölner.

Der Dom in Brandenburg an der Havel.
Quelle: Julian Stähle

Aber es ist doch schon so, dass der Brandenburger Dom in Berlin und Potsdam als Brandenburger Landeskirche bewusster wahrgenommen wird, als dies in der Stadt Brandenburg der Fall ist. Oder?

Steinmeier : Der Dom ist immer auch ein Machtsymbol insbesondere der katholischen Kirche gewesen. Und natürlich wirkt er auch heute als ein solches Symbol.

Braucht man für ein junges Land wie Brandenburg den Dom als Identifikationsobjekt und kann mit einem dem Dom auch dem christlichen Glauben in der ostdeutschen Diaspora unterstützend unter die Arme greifen?

Steinmeier : Das ist mir zu einfach. Der Dom hat seine Bedeutung in der Tat eher als Identifikationssymbol der Brandenburger, weil er den Blick auf die 1000-jährige Geschichte der Mark Brandenburg wirft. Es sind vielmehr die kleinen Kirchen auf den Dörfern, die heute wieder Versammlungsort derjenigen werden, die im Leben mehr Sinn suchen als das Füllen der Zeit von Arbeitsbeginn bis Arbeitsende. Als wir zum Beispiel das erste Mal beim Kirchenerhaltungsverein in Butzow waren (Butzow ist ein altes, zum Brandenburger Domstift gehörendes Dorf mit einer heruntergekommenen Kirche, die derzeit auch mit Steinmeiers Hilfe saniert wird, Anm. der Red.), da habe ich gefragt: Wie viele von Euch sind denn in der Kirche? Da waren es nur zwei von den zwölf. Und da habe ich weiter gefragt: Wofür braucht ihr denn eine Kirche? Na, so ein Dorf muss doch einen Mittelpunkt haben, haben die Leute gesagt. Das ist jetzt nicht wirklich christlich. Aber das bildet auch eine Sinnsuche ab. Und jetzt kommt die kleine Kirche in Butzow in jeder Hinsicht gut voran.

Wie kann man den Brandenburger Dom und das 850. Jubiläum desselben als Außenminister und Kurator in die Welt tragen?

Steinmeier : Für mich gibt es da eine enge Verbindung zu meiner Mitgliedschaft im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages, der sich natürlich neben der Vorbereitung des anstehenden Kirchentages in Stuttgart vor allem mit dem Reformationsjubiläum beschäftigt. Und ich arbeite dafür, dass es über diese ganzen Netzwerke gelingt, Aufmerksamkeit für das Domjubiläum weit über die Stadt und das Land Brandenburg hinaus nach Deutschland zu tragen. Ich will Interesse wecken für den Dom, seine Architektur, seine Geschichte aber auch die Vielzahl von Veranstaltungen, die für das Jubiläumsjahr vorbereitet werden.

Wie schaffen Sie es, das Jubiläum des Doms im Brandenburger Buga-Jahr irgendwie in den Vordergrund zu spielen und ist die Konkurrenz zwischen den Großveranstaltungen Ihrem Anliegen nicht eher abträglich?

Steinmeier : Ganz im Gegenteil, aus meiner Sicht. Erstens hoffe ich darauf, dass die Bundesgartenschau viele Besucher aus ganz Deutschland anzieht und viele dadurch das erste Mal aufmerksam werden auf den Brandenburger Dom, seine Geschichte und das Programm. Für uns, die wir das Jubiläum vorbereiten, ist die Bundesgartenschau eine ganz große Chance.

Seit dem 1. Januar beträgt der Eintritt in den Dom, der früher kostenlos war, fünf Euro. Behindert das nicht ihr Anliegen?

Steinmeier : Das ist wirklich keine Kleinigkeit, das ist wahr. Aber für die Brandenburger, die zu Gottesdiensten in den Dom gehen, fallen ja keine Eintrittsgelder an. Dass die, die von Auswärts kommen, an der aufwendigen, kostenträchtigen Arbeiten beteiligt werden, muss unser gemeinsames Interesse sein. Wichtig ist, dass man vernünftige Gruppenpreise hinbekommt. Aber die vier Euro dafür, sind auch ganz schön viel. Dass jetzt ein Eintrittspreis für Reinigung, Bewachung und Betreuung des Brandenburger Doms genommen wird, ist aber nicht die Entscheidung jenes Kuratoriums, das sich um das 850. Domjubiläum kümmert, sondern wurde von dem Domkuratorium selbst entschieden.

Märkische Allgemeine vom 29. Januar 2015

   Zur Artikelübersicht