Leopoldsburger Kirche in Milow ist heute ein Geldhaus

Sparbuch statt Gesangbuch

Wo die Milower einst getauft, konfirmiert und vermählt wurden, holen sie heute Bares ab oder unterschreiben Kreditverträge. Seit mehr als 15 Jahren ist die ehemalige Leopoldsburger Kirche eine Filiale der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Statt die Ruine abzureißen, wurde die nach dem Ortsteil Leopoldsburg benannte Kirche entwidmet und einer neuen Bestimmung übergeben.

Die Leopoldsburger Kirche, heute eine Bank, hat Platz für Kultur.
Quelle: B. Geske

Milow. Anders als in vielen anderen ehemaligen Kirchen, zog in das Milower Gebäude nicht die Kultur ein. Wenngleich der neue Hausherr auch kulturellem Engagement offen gegenüber steht. „Die Tatsache, dass diese Filiale eine ehemalige Kirche ist, steht einer kulturellen Nutzung nicht entgegen. Wie jede andere Filiale auch, könnte sie als Ausstellungsstätte genutzt werden“, macht MBS-Pressesprecher Robert Heiduck deutlich. Bisher habe es aber in dieser Hinsicht keine Anfragen gegeben. Einzig im vergangenen Jahr ist in dem besonderen Gebäude eine Erntekrone ausgestellt worden.

Wäre es nach den Milowern gegangen, würden sie heute aus dem sanierten, beigefarbenen Sakralbau Waren des täglichen Bedarfs tragen. Ende der 1990er Jahre hatten sich Bürger dafür ausgesprochen, die Kirchenruine in einen Supermarkt zu verwandeln. Ob darin Platz für Kultur gewesen wäre, ist fraglich.

Ganz ohne „Geschäftsstelle“ ist die Kirchengemeinde in Milow aber dennoch nicht. Nur etwa einen Kilometer von der ungewöhnlichen Bankfiliale entfernt, befindet sich ein weiteres Gotteshaus. Die Fachwerkkirche wurde im Gegensatz zur Leopoldsburger auch zu DDR-Zeiten gepflegt und war dementsprechend in einer besseren Ausgangsposition nach der politischen Wende. Milow ist also keineswegs kirchenlos und für zwei Gotteshäuser wären ohnehin nicht genug Gläubige da.

Da war die Umwidmung zur MBS-Geschäftsstelle eine willkommene Alternative zum Abriss. Prinz Moritz von Anhalt-Dessau, der im Jahre 1754 Milow als Domgut erwarb, hatte das Gotteshaus 1770 für evangelisch-reformierte Kolonisten errichten lassen. Im 20. Jahrhundert wurde die Kirche immer seltener gebraucht. Langsam setzte der Verfall ein. 1955 stand der Turm der Kolonistenkirche nur noch zur Hälfte. Das Schiff diente bis 1964 als Möbellager.

Im Jahre 1992 stellten die Behörden das Bauwerk, oder was noch von ihm übrig war, unter Denkmalschutz. Der verputzte Ziegelbau gilt als wichtiger Vertreter der barocken Kirchenbaukunst im brandenburgisch-anhaltinischen Übergangsgebiet.

Von Christin Schmidt

Märkische Allgemeine vom 16. Februar 2015

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