Opulenter Bildband bildet 70 Gotteshäuser ab

Vom Zauber märkischer Dorfkirchen

Fast in jedem märkischen Dorf gibt es eine Kirche. Nicht selten handelt es sich bei diesen um die ältesten Bauwerke der Umgebung. Manchen sieht man an, dass der Zahn der Zeit an ihnen nagt. Andere konnten mit viel Energie vor dem Verfall gerettet werden. Allen ist gemein, dass sie im Orts- und Landschaftsbild prägenden Eindruck hinterlassen.

Die Dorfkirche in Krahnepuhl stammt aus dem 13. Jahrhundert, im 16. Jahrhundert kam der Dachturm hinzu.
Quelle: Repro

Der Berliner Schriftsteller und Zeichner Franz Ehmke ist seit fast drei Jahrzehnten fasziniert von den Dorfkirchen der Mark. Im Jahr 2002 erschien der opulente Band „Märkische Dorfkirchen“ mit über 200 farbigen Pastellen von Kirchen aus dem Land Brandenburg. Der Band war im Nu vergriffen. Ehmke hatte derweil seine Arbeit erweitert und zwei Bände über Kirchen der Alt- und der Neumark verfasst.

Dann entschloss er sich zu einer Nachauflage des Ursprungsbandes. Weil er das Repertoire der märkischen Kirchen um neue Zeichnungen erweiterte, untergliederte er die Mark in drei Regionen und widmete jeder einen eigenen Band mit Zeichnungen. Die Bücher, die den Norden und Nordosten des Landes behandeln, sind bereits erschienen. Nun liegt der letzte Band vor, der Dorfkirchen aus der Niederlausitz sowie aus den Kreisen Teltow-Fläming, Potsdam-Mittelmark und Havelland gewidmet ist.

Info

Der Band „Märkische Dorfkirchen“ erscheint im Verlag Bock & Kübler.

Das Besondere an dem Buch sind die Pastellzeichnungen. Insgesamt 71 Kirchen hat der Künstler auf die Leinwand gebannt. Beim Blättern wird einem die architektonische Vielfalt bewusst. Dorfkirche ist eben nicht gleich Dorfkirche: Es gibt die eleganten mit schmalem Turm, es gibt die geduckten, die so tun, als wollten sie sich verstecken.

Gotik, Romanik, Barock – Stilelemente aus allen Epochen werden zitiert und bisweilen munter kombiniert. Und wer immer dachte, man müsse gen Süden fahren, um Kirchen mit Zwiebeltürmen zu sehen, der wird eines Besseren belehrt: In Tremmen sind die Turmhauben so barock wie im schönsten Bayernland. Jeder Kirche ist ein ganz kurzer, stichwortartiger Infotext beigefügt, mit Angaben zum Baujahr und zu An- und Umbauten. Außerdem gibt es einen Sinnspruch, eine Gedichtsstrophe oder ein erbauliches Zitat. Die einzelnen Regionen werden zu Beginn eines jeden Kapitels in einem kurzen kulturhistorischen Abriss vorgestellt.

Der Autor weist im Vorwort darauf hin, dass längst nicht alle Dorfkirchen der Region Berücksichtigung gefunden haben. Beim Zeichnen habe er sich von persönlichen Vorlieben und bisweilen auch vom Zufall leiten lassen. Angemerkt sei Folgendes: Da die Zeichnungen im Verlauf von 15 Jahren entstanden, können sie nicht den aktuellen Bauzustand wiedergeben. Aber das Charakteristische jeder Dorfkirche ist erfasst.

Von Markus Kniebeler

Märkische Allgemeine vom 24. Februar 2015

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