Für Restauratorin Martina Klingner ist die Zernikower Kirche ein ganz besonderer Ort

Holzwürmern im Gotteshaus den Garaus gemacht

Wenn Reinhard Dalchow die Zernikower Kirche (Dorfkirche des Monats November 2003) betritt, muss er unwillkürlich an Martina Klingler denken. Die Restauratorin aus Garz bei Fehrbellin (Kreis Ostprignitz-Ruppin) hat in den zurückliegenden Jahren eine immense Arbeit geleistet. Vor allem der Altar wurde von der diplomierten Fachfrau so restauriert, dass ihm die Spuren der Vergangenheit fast nicht mehr anzumerken sind.

Pfarrer Reinhard Dalchow (links) zeigt Restaurator Jochen Hochsieder stolz die Kirche.
Quelle: MAZ

Zernikow. Wie in vielen Kirchen der Region hatte der Zahn der Zeit auch in dem im 13. Jahrhundert erbauten Zernikower Gotteshaus „zugebissen“. Vor allem in dem hölzernen, barocken Kanzelaltar mit seinen Schnitzereien haben sich Heerscharen von Holzwürmern gütlich getan. Teile der Verzierungen waren abgebrochen verloren gegangen, die einstige Bemalung war hier und dort verblasst.

Doch nicht nur der Altar gehört zu den schmückenden Elementen der Feldsteinkirche. Auch die umlaufenden Emporenfelder, die auf Säulen ruhen, zieren schöne Muster auf. Zu beiden Seiten des Altars befinden sich in sogenannten Akanthuswangen Medaillons, die die Initialen der Stifterin Caroline Elisabeth Daum und ihres ersten Ehemannes Michael Gabriel Fredersdorff, der für seine treuen Dienste als Kämmerer 1740 das Anwesen Zernikow von Friedrich II. erhalten hatte, aufweisen.

Dazu kommen vier Porträts an der Orgelempore oberhalb der Patronatsloge. Neben den beiden genannten Persönlichkeiten sind der zweite Ehemann von C.E.Daum, Hans von Labes, und dessen Tochter Amalia Caroline, verheiratete von Arnim, zu sehen. Der Dichter der Romantik, Achim von Arnim, lebte in seiner Kindheit und Jugend oft bei seiner Großmutter Caroline Marie Elisabeth Daum.

„Das Besondere an der Zernikower Kirche ist, dass in den vergangenen 200 Jahren so gut wie nichts verändert wurde“, sagt Reinhard Dalchow. Daraus begründet sich der denkmalpflegerische Wert. Und dass die Restaurierung mit Feingefühl, Akribie und hohem Können erfolgte, das verdankt die Kirchengemeinde vor allem Martina Klingler.

Die Diplomrestauratorin hat in mühevoller Kleinarbeit und in hunderten von Arbeitsstunden den Altar wieder zu einem Schmuckstück gemacht, das seinesgleichen sucht. Als erstes sind Schädlingsbekämpfer und Restauratorin den Anobien, wie die Holzschädlinge bezeichnet werden, zu Leibe gerückt. Mittels Spritzen wurde dann eine Festigkeitsmasse in die unzähligen Wurmlöcher gefüllt. Aber das war nur der Anfang. Die Säulen und Teile des Altars wurden mit Terpentinöl und Spiritus gereinigt, Nägel entfernt und deren Löcher wieder verschlossen. Außerdem mussten Fehlstellen und Unebenheiten in den Reliefs mit Kreidekitt ausgespachtelt werden. Zudem galt es, Teile nachzuschnitzen. Selbst Pappmache kam zum Einsatz, um fehlende Akanthusornamente, Schleifen und Schleierteile originalgetreu nachzubilden. Dass Martina Klingler eine hervorragende Arbeit geleistet hat, bestätigt auch Jochen Hochsieder. Der Chefrestaurator der Rheinsberger Schlossanlage hat die Restauratorin fachlich beraten. „Dank des Könnens von Frau Klingler, ist der Altar noch in dem Zustand erhalten, wie er vor Jahrhunderten erschaffen wurde.“Doch nicht nur in Zernikow hat Martina Klingler ihre Spuren hinterlassen. Auch zahlreichen Taufengeln im Ruppiner Land hat die heute 60-Jährige ein neues Leben eingehaucht. Selbst im Rheinsberger Schloss sowie in der Neuruppiner Pfarr- und der Klosterkirche war sie restauratorisch tätig

Da Martina Klingler schwer erkrankt ist, wird Hochsieder mit seinem Team die noch ausstehenden Restaurierungsarbeiten in der Zernikower Kirche zu Ende führen.

Reinhard Dalchow ist froh, dass große Teile des Innenlebens seiner Kirche dank zahlreicher Fördergelder durch Martina Klingler restauriert wurden. „Aber es gibt noch einiges zu tun“, sagt der pensionierte Pfarrer. Er ist immer wieder unterwegs, um Förderanträge zu stellen und Geldgeber für die noch ausstehenden Sanierungsarbeiten in der Kirche zu gewinnen.

Von Jürgen Rammelt

Märkische Allgemeine vom 27. Februar 2015

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