Jagd auf "Holzfresser"

Viola Petersson

Niederfinow (MOZ) Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen. Es fehlt allein die Messtechnik. Die soll am Freitag installiert werden. Und am Montag startet dann das eigentliche Unternehmen: die Bekämpfung des Holzwurmes in der Kirche Niederfinow.

Ort des Geschehens: In der Dorfkirche Niederfinow beginnt am Montag der Kampf gegen den Kleinen Holzwurm. Wegen des Einsatzes eines toxischen Gases ist das Gotteshaus dann für eine Woche gesperrt.
© MOZ/Thomas Burckhardt

Der Altar und die Stühle sind schon unter einer riesigen Plane verschwunden. Alle befallenen Holzteile sind verhüllt. Ab Montag werden sie begast, wie es in der Fachsprache heißt. Die Spezialfirma Römer Biotec rückt dem Schädling zu Leibe. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen aus Wilhelmshaven auf diese Weise bereits erfolgreich die Schwammsanierung in der Kirche Golzow realisiert und hatte dort Holzbock sowie Holzwurm aus dem Gotteshaus verbannt.

"So waren wir letztlich auf die Firma und das Verfahren aufmerksam geworden", erzählen Karl-Heinz und Renate Dettmer, die sich seit Jahren für die Sanierung der Niederfinower Kirche engagieren. Die klassische bzw. konventionelle Methode zur Bekämpfung des Gewöhnlichen Nagekäfers (lat. Anobium punctatum), im Volksmund eben Holzwurm genannt, sei im Fall Niederfinow nicht infrage gekommen. "Bei der chemischen Imprägnierung müssen nämlich alle Farbschichten abgetragen werden", erklärt Firmeninhaber Michael Römer. Die Bemalung des Altars ginge also verloren. "Bei der Begasung wird hingegen äußerlich nichts zerstört", weiß Renate Dettmer, Mitglied des Gemeindekirchenrates.

Genauso wie seinerzeit in Golzow kommt in Niederfinow Sulfuryldifluorid zum Einsatz, kurz SF-Gas genannt. Nur dass die Aktion im Choriner Ortsteil deutlich aufwendiger und größer war. "Damals wurde faktisch die gesamte Kirche begast, etwa 4000 Kubikmeter Sulfuryldifluorid waren nötig, jetzt sind es um die 200", so Römer. Denn im Hebewerkdorf sei "nur" das Inventar betroffen. Das Prinzip jedoch sei dasselbe. Drei Tage Begasung, dann Lüften. "Ob Garage oder Kölner Dom, das ist völlig egal. Das Verfahren, der Ablauf ist stets gleich", sagt der Experte. Einschließlich der entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.

Die Bekämpfung des Holzwurmes sei die hoffentlich letzte größere Etappe bei der Sanierung der Kirche Niederfinow, fügt Pfarrer Ulf-Winfried Radtke hinzu. Vor 15 Jahre wurde zunächst der Turm des Gotteshauses rekonstruiert. Schritt für Schritt ging es weiter. Ergänzend, so merken Karl- Heinz und Renate Dettmer an, sei noch die Sanierung der Friedhofsmauer geplant. Über ein Förderprogramm. Die Holzwurm-Jagd indes bezahlt die Kirchengemeinde Niederfinow-Liepe allein, aus eigener Kasse. Etwa 11 000 Euro kostet das Unterfangen. Michael Römer garantiert den Erfolg.

"Wir führen eine eigene, interne Kontrolle durch", erklärt der Unternehmenschef. "Mit lebenden Hausbockkäferlarven in Prüfbalken." Der Hausbock, auch Großer Holzwurm genannt, sei gewissermaßen der große Bruder des Gewöhnlichen Nagekäfers, des Kleinen Holzwurmes. Seien dessen Larven abgetötet, könne man erst recht beim Nagekäfer von einer erfolgreichen Bekämpfung ausgehen. Die Larven für den Test, so verrät Römer, kämen aus Eberswalde. Aus der Materialprüfanstalt. Dort gebe es - u. a. extra für derlei Zwecke - eine Holzinsektenzucht, weiß Römer. Daneben werde freilich die sogenannte letale Dosis für das Gas exakt berechnet.

Aufgrund des Lebenszyklus und der Entwicklungsstadien holzzerstörender Insekten ist sich Römer sicher: Der Niederfinower Holzwurmbefall ist alt, währt seit mindestens 30 Jahren. Es seien die Larven der Käfer, die sich über vier bis zehn Jahre durchs Holz "fressen" und so das Material zersetzen.

Die Kirche Niederfinow ist nicht die einzige Baustelle, die die Mannschaft von Michael Römer derzeit in Brandenburg hat. Parallel befreit die Firma eine Kirche in Südbrandenburg sowie ein privates Holzhaus in Biesenthal von unliebsamen Gästen und Getier. Weltweit gibt es laut Römer nur einen Hersteller für das toxische und hochwirksame SF-Gas. Seit Jahrzehnten werde es in den USA erfolgreich zur Termiten-Bekämpfung eingesetzt.

Kirche und Zugang zum Friedhof Niederfinow (von der Choriner Straße aus) sind vom 23. bis voraussichtlich 27. März gesperrt.

Märkische Onlinezeitung vom 19. März 2015

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