Kienäppel lassen Dach einstürzen

Kirchen der Region: Drewitzer Gotteshaus soll noch in diesem Jahr saniert werden

DREWITZ Kirchen üben auf Menschen einen besonderen Reiz aus egal ob sie evangelischem oder katholischem Glaubens sind, oder ob sie konfessionslos sind. Jedes Gotteshaus birgt Geheimnisse und erzählt Geschichten. Die RUNDSCHAU stellt in einer Serie die Kirchen der Region Guben und darüber hinaus vor und erklärt die Besonderheiten der Kirchen. Heute: die Dorfkirche Drewitz.

Der Kirchenälteste Reinhard Schultke zeigt stolz das Taufbecken aus Zinn aus dem Jahr 1722.
Foto: zar1

Das kleine Kirchlein im wendischen Dorf Drewitz ist nicht nur Gotteshaus, hier spielt sich auch das kulturelle Leben im Ort ab. "Auch die Menschen, die sonst nicht in die Kirche gehen, besuchen uns gern zu Veranstaltungen", sagt der Kirchenälteste Reinhard Schultke.

Erstmals wurde in Drewitz im Jahr 1652 eine Kirche erwähnt. Sie war seit jeher eine Filialkirche von Jänschwalde. Die alte Kirche brannte 1717 ab. Sie wurde aber schon bald wieder als Holzkirche mit Turm aufgebaut. Viele Gläubige besuchten schon damals das Gotteshaus, das im Jahr 1795 viel zu klein wurde. "Viele mussten von draußen dem Gottesdienst beiwohnen", weiß Schultke. Deshalb wurde im Jahr 1827 eine neue, größere Kirche gebaut. Der verputzte Backsteinbau mit Westturm und abgewalmten Satteldach im Osten steht noch heute mitten im Dorf. Zu ihrer Originalausstattung gehören ein Kelch mit der Inschrift "jhesus" "maria", der darauf hinweist, dass Drewitz schon zu katholischen Zeiten eine Kirche besessen hat, und ein achteckiges Taufbecken aus Zinn. Letzteres stammt aus dem Jahr 1722. Zwei Leuchter und ein weiter Kelch stammen ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert.

In der Kirche finden etwa 120 Leute Platz. "Doch schon, wenn nur 20 Menschen drin sind, scheint sie gefüllt zu sein. Das macht unsere Kirche aus", erzählt der Kirchenälteste.

Die Chronik des Dorfes überliefert eine Geschichte aus dem Jahr 1650. Ein Drewitzer Bündner sammelte damals für den Förster Kienäppel und trocknete sie auf dem Kirchenboden. Unter der Last der Kienäppfel brach die morsche Holzdecke der Kirchenhalle zusammen. In der Turmkugel sind zudem neben alten Zeitungen auch eine leere Flasche Schnaps von den Zimmerleuten gefunden worden.

In der Drewitzer Kirche erklingt bei Gottesdiensten statt einer Orgel ein Harmonium. Eine Glocke läutet zu besonderen Anlässen. Sie überstand wie ein Wunder beide Weltkriege. "Wie die Drewitzer das geschafft haben, weiß niemand. Allerdings wurde die Jänschwalder Glocke im dortigen Dorfteich zum Schutz versenkt. Vielleicht wurde dasselbe mit unserer Glocke gemacht", erzählt Reinhard Schultke. Stolz zeigt er ein weiteres Überbleibsel aus alter Zeit: ein Klingelbeutel mit Glöckchen, der mithilfe eines langen Stabes für die Kollekte in die Reihen gereicht wurde. Das Glöckchen allerdings wurde irgendwann gestohlen.

Alte Bilder zeigen, dass die Emporen, die auf achtkantigen Holzpfeilern ruhen, einst bis an die flachbogigen Fenster reichte. Trotzdem wollte der Denkmalschutz, dass sie verkürzt wird. Heute ist die Kirche im Innern noch immer schlicht gehalten. Der Kanzelaltar mit seinen zwei seitlichen Säulen ist gemauert, der Kanzelkorb und seine Bekrönung sind aus Holz.

Die Drewitzer Kirche ist in der Vergangenheit nie richtig saniert worden. Jetzt wird dort aber kräftig Hand angelegt. "Noch in diesem Jahr sollen die Außenfassade und die Fenster erneuert werden. Wir hoffen, dass bis zum Jahr 2017 auch der Innenraum saniert werden kann", sagt Reinhard Schultke. Das Gotteshaus soll unter anderem eine neue Heizung und einen neuen Anstrich bekommen. Die Drewitzer Dorfkirche gehört zum Pfarrsprengel Jänschwalde.

Jana Pozar / zar1

Lausitzer Rundschau vom 19. März 2015

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