Hosenaer Romantik-Orgel erklingt wieder

Instrument wird seit Herbst gesäubert und neu gestimmt / Wiedereinweihung am Sonnabend in der Christuskirche

HOSENA Nach zehnjähriger Zwangspause erklingt die Hosenaer Orgel in alter Schönheit. Die Königin der Instrumente ist in den vergangenen Monaten von Fachleuten grundlegend restauriert worden. Jetzt präsentieren die weit mehr als 1000 Pfeifen ihren romantisch wirkenden Klang aufs Neue.

Pfarrer Gerd Simmank (l.) und das Orgel-Expertenteam mit Ekkehard Groß, Albert Haasemann und Felix Tibussek (v. r.) stimmen vor der "Schlag-und-Söhne"-Orgel die nächsten Arbeitsschritte ab.
Foto: Torsten Richter-Zippack/trt1

Streng genommen mussten die Hosenaer Kirchgänger im vergangenen Jahrzehnt nicht wirklich auf ihre Orgel verzichten. Während der Gottesdienste gab es immer eine entsprechende musikalische Begleitung. Zwar wurde die Orgel dann bespielt, doch eigene Töne vermochte das Instrument nicht zu erzeugen. "Wir haben uns in dieser Zeit mit einem Computer beholfen", erklärt Pfarrer Gerd Simmank. Damit sei ab diesem Sonnabend Schluss. Denn genau am 330. Geburtstag des berühmten Orgelmusikers Johann Sebastian Bach werde die Königin der Instrumente wieder in Betrieb genommen. Die ganze Bandbreite ihrer musikalischen Vielfalt dank der 20 Register (Klangbilder) wolle der Görlitzer Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger präsentieren, kündigt Gerd Simmank an. Und da habe das Instrument eine ganze Menge zu bieten. "Unsere Orgel klingt romantisch. Mehr Streicher sorgen für ein dunkleres Klangbild", erklärt der Experte. Im Gegensatz dazu erinnere die Orgel in der Senftenberger Peter-und-Paul-Kirche eher an die Barockzeit.

Orgelexperte aus der Lausitz

In den vergangenen Jahren ist in der Hosenaer Christuskirche eine Menge passiert. Wurde anlässlich ihres 100. Geburtstages anno 2013 zunächst eine umfassende Innenrekonstruktion vorgenommen, musste die Orgel etwas länger warten. Im Herbst 2014 war es dann soweit. Der Zahn der Zeit hatte auch an der Königin der Instrumente seine Spuren hinterlassen. Neben einer Komplettsäuberung erfuhr sie eine Neustimmung. Mit geschickten Händen und exzellenten Ohren hat Orgelbaumeister Ekkehard Groß, der aus der Nähe von Bautzen kommt, diese anspruchsvolle Aufgabe mit seinem Team übernommen. Ein Ton erklingt, und sofort wisse der Experte, ob dieser stimmig ist. Wenn nicht, reichten wenige Handgriffe, um den gewünschten Klang zu erzeugen.

Die Hosenaer Orgel verfüge über 959 Pfeifen aus Metall und weitere 225 aus Holz. Das eindrucksvolle Prospekt, also quasi die "Schauseite" des Instruments, nenne 61 Pfeifen ihr Eigen, davon aber knapp die Hälfte als Attrappe. "So sieht es symmetrischer, harmonischer aus", begründet Pfarrer Simmank. Auf die Hosenaer Orgel sei der 55-Jährige übrigens besonders stolz. "Sie befindet sich noch immer im Originalzustand. Davon gibt es heute nur noch wenige", lautet die Begründung. Kurioserweise galten die Instrumente der schlesischen Firma "Schlag und Söhne" ursprünglich als Massenware. Über 1000 dieser Orgeln wurden vor rund einem Jahrhundert gebaut. Diese funktionierten nach den Gesetzen der Pneumatik, die Funktionen wurden also per Luft weitergegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die Kirchenmusiker dagegen auf mechanische Technik. Doch in Hosena versieht die Orgelpneumatik bis heute ihren Dienst.

Gerd Simmank weiß aus historischen Unterlagen, dass das Instrument per Zug von Breslau nach Hosena transportiert wurde. Den relativ kurzen Weg vom Bahnhof zur Kirche übernahm ein Pferdewagen. Orgel und Kirche besitzen übrigens das gleiche Alter. Beide rufen die Einwohner seit 102 Jahren zum Gebet. Pfarrer Gerd Simmank ist mit der Königin der Instrumente auch familiär eng verbunden. "Ich vermute stark, dass mein Urgroßvater Paul Hoffmann der Einweihung anno 1913 beiwohnte. Er war zu jener Zeit auf dem Hosenaer Stellwerk als Meister tätig."

Stolz auf die Gemeinde

Stolz zeigt sich der Pfarrer auch auf seine Kirchgemeinde. Denn die habe es in recht kurzer Zeit geschafft, rund 11 000 Euro für die Orgelreinigung zu sammeln. Weitere 6500 Euro seien vom Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz gekommen, 1000 Euro aus der PS-Lotterie der Sparkasse Niederlausitz. Insgesamt habe die Restaurierung mit 28 000 Euro zu Buche geschlagen. Die Hosenaer Kirchgemeinde umfasse aktuell um die 300 Gemeindeglieder. Zum Vergleich: Der Ort habe rund 2000 Einwohner.

Die jetzige Wiedereinweihung mit Konzert findet am Sonnabend ab 16.30 Uhr statt. Tags darauf ist um 9 Uhr der Sonntagsgottesdienst anberaumt. Und spätestens zum Ende des Jahres solle es ein besonderes Orgelkonzert geben, kündigt Gerd Simmank an.

Torsten Richter-Zippack / trt1

Lausitzer Rundschau vom 20. März 2015

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