Seit Dienstag eine neue Spitze

Auferstehungskirche hat dritten Turm zurück

Als Dienstagmittag kurz vor 12 Uhr die Glocken der Sankt-Marien-Andreas-Kirche zu läuten begannen, hatte das einen besonderen Grund. In dem Moment hatte die Auferstehungskirche wieder eine Spitze erhalten. Die Sonne kam durch und die rund 100 Schaulustigen klatschten. „Ein Märchen ist wahr geworden!“, rief Pfarrer Andreas Buchholz aus.

Viele Schaulustige wollten von diesem Moment eine Aufnahme haben.
Quelle: B. Geske

Rathenow. Elf Jahre lang hätten die Mitglieder des Vereins Memento, der sich dem Erhalt des historischen Weinbergfriedhofs widmet, von diesem Moment geträumt und auf die Erfüllung des Traumes hingearbeitet. Andreas Buchholz erinnerte daran, dass es bis 1945 drei Türme gab, die den Himmel über Rathenow prägten: Sankt-Marien-Andreas-Kirche, Bismarckturm und Auferstehungskirche. Nun seien die drei Türme wieder komplett, stellte der Pfarrer fest und verriet: „Wenn ich die Türme meiner Heimatstadt sehe, dann weiß ich, ich bin zu Hause.“

Nicht aus allen Himmelsrichtungen sind indes nun alle drei Türme zu sehen. Aus Westen ist die Sicht am besten. Von Süden und Osten her war aber nur der lange, dünne Arm des Kranes zu erkennen, der die Auferstehungskirche weit überragte. Immer wieder richteten sich prüfende Blicke auf eben dieses Hubgerät, weil es für die große Aufgabe recht klein wirkte. In der Tat hätten die Verantwortlichen der Montage- und Kranservice GmbH aus der Stadt Brandenburg lieber ein stärkeres Exemplar geschickt, hat deren Mitarbeiter Dietmar Utecht bestätigt. Doch ein größerer Kran hätte nicht durchs Friedhofstor gepasst.

Der nun verwendete Kran, der immerhin 50 Tonnen wiegt, hat seine Sache aber auch gut gemacht. Spätestens nach dem „Probehub“ am Montagabend, als die neun Tonnen schwere Spitze problemlos auf eine bessere Ausgangsposition umgesetzt wurde, waren die Gemüter der Bauverantwortlichen beruhigt. Auf knapp 38 Meter Länge wurde der Kranarm gestern ausgefahren, und alles klappte wie am Schnürchen.

Zerstört im April 1945

Am Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Spitze der Auferstehungskirche bei den Kämpfen im April 1945 zerstört worden.
Gebaut wurde sie als Friedhofskapelle in den Jahren 1914 bis 1917.
Den ersten Bauabschnitt zur Wiedererrichtung des Turmes gab es 2013. Dabei wurde der Turmstumpf so ertüchtigt, dass er wieder eine Spitze tragen kann.
Spenden werden weiterhin gebraucht und können eingezahlt werden auf das Konto der Kirchengemeinde. IBAN: DE72 16 05 00 00 38 61 00 88 90

Auch Roland Schulze, Chef der beauftragten Potsdamer Baufirma gleichen Namens, war gekommen. Er ist geborener Rathenower, hat bis zum sechsten Lebensjahr hier gelebt und gesagt: Seine Firma habe schon öfter eine Kirchturmspitze am Boden vormontiert und dann per Kran auf einen Turm heben lassen, denn das sei technologisch am besten.

Doch sei es auch für ihn immer wieder spannend zu beobachten, wie es funktioniert. Sogar zweimal ist am Dienstag die Spitze auf den Turm gesetzt worden. Erstmals gegen 10 Uhr, um oben die Stellen für die Verbindungsschrauben zu markieren. Dann kam die Spitze noch einmal auf den Erdboden und wurde kurz vor zwölf auf die nun oben vorbereiteten Gewindestangen gesetzt.

Vertreter der Kirchengemeinde bedauerten sehr, dass sie für gestern nicht die ganze Stadt zum Zuschauen einladen durften. Aus Sicherheitsgründen hatten die Bauverantwortlichen darum gebeten, eine öffentliche Ankündigung zu unterlassen. Pfarrer Buchholz hätte gern möglichst viele Leute dabei gehabt. „Sehr viele Menschen haben gespendet“, sagte er, „nur so ist es möglich geworden, die Spitze wieder aufzubauen.“

Allerdings werde der Bau deutlich teurer als ursprünglich geplant. Er wolle deshalb Mut machen, auch weiter zu spenden: „Es wäre toll, wenn noch was gegeben wird.“

Von Bernd Geske

Märkische Allgemeine vom 24. März 2015

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