Königin der Instrumente wieder komplett

Doris Steinkraus

Döbberin (MOZ) Es ist vollbracht. Vier Jahre nach Start der Rettungsaktion für die Sauer-Orgel in der Döbberiner Kirche ist sie nun wieder komplett bespielbar. Möglich wurde dies durch das Engagement von Döbberinern und Dank vieler Spender. Am Sonnabend wurde die Orgel mit einem Gottesdienst geweiht.

Auf die Orgel: Peter Puck, Konrad Scheffler, Ralf Beier, Dirk Meyer, Ralf Tomczik, Sybille Börnert, Udo Kultke, Christian Scheffler, Eberhard Steinbrecher und Pfarrer Roland Kühne (v.l.) stoßen auf die wieder komplett klingende Orgel an.
© Johann Müller

Die ganze Familie ist nun wieder komplett. Vater Prinzipal, Sohn Oktave, Mutter Gedackt, Tante Salicional, Onkel Violon, Großmutter Bordun, Großvater Subbass und die Enkel Progressio. Gemeinsam vermögen sie ein wahres Feuerwerk an Tönen zu zaubern. Konrad Scheffler und Vater Christian demonstrieren den Besuchern des Gottesdienstes auf sehr lebendige Weise das Innenleben der alten Orgel. Jedes Familienmitglied wird angespielt. Die Töne reichen von tief über weich und leise bis hoch, jauchzend und fröhlich.

Seit Beginn der Rettungsaktion hat sich das in Sieversdorf ansässige Orgelbau-Unternehmen des 140 Jahre alten Instrumentes angenommen, ließ sich mit seiner Fachkompetenz ein auf gestreckte Bauphasen und Zwischenetappen. Mit dem Ergebnis sind auch die Experten zufrieden. "Es ist die schönste der Sauer-Orgeln in der Region", bescheinigt Firmenchef Christian Scheffler.

2011 wünschte sich Ortsvorsteher Ralf Tomczik, dass die alte Sauer-Orgel in der Dorfkirche wieder klingen möge. Im Heimatverein und im Gemeindekirchenrat fand er Gleichgesinnte. Tomczik, der 1992 ins Dorf zog, ist selbst kein Christ. "Mich interessiert aber die Geschichte. Die Kirche und die Orgel gehören für mich dazu", begründet er sein Engagement.

Mit Sybille Börnert, Ralf Beier, Peter Puck, Dirk Meyer und der inzwischen verstorbenen Dagmar Steinbrecher hat er einen langen Atem bewiesen. Die Initiativgruppe plante, führte Verhandlungen mit den Orgelbauern und suchte immer wieder nach Sponsoren. 10 000 Euro spendierte die Gemeinde, 5000 Euro die PDA Alt Zeschdorf, ebenso viel die Lutherstiftung, 4000 Euro die Orgel- und 1000 Euro die Sparkassenstiftung. "Und dann gab es ganz viele Bürger, die eine Pfeifenpatenschaft übernommen und Geld gespendet haben", blickt Tomczik zurück und dankt allen, die das Wunder ermöglichten.

Weihnachten 2013 konnten der Orgel die ersten Klänge entlockt werden. Doch die Pfeifen-Familie war damit noch nicht komplett. Es sollte noch einmal einige Monate dauern, bis so viel Geld zusammengetragen war, um auch die letzten drei Register einbauen zu können. Mehr als 500 Pfeifen seien es insgesamt, erklärt Konrad Scheffler. 1800 Arbeitsstunden seien nötig gewesen, um das alte Instrument wieder komplett erklingen zu lassen. Das erkläre letztlich auch, warum das Ganze seine Zeit dauerte und wohin das viele Spendengeld geflossen ist.

Pfarrer Roland Kühne freut sich mit den Döbberinern und allen Musikfreunden. Denn die Orgel werde künftig nicht nur zu Gottesdiensten, sondern angesichts ihres wunderbaren Klangs auch zu Konzerten locken, zeigt er sich überzeugt. Nur durch das Zusammenfügen des Einsatzes vieler könne man das Ereignis der Wiederweihe feiern. Musik gehöre in die Kirche. Sie sei die Verkünderin Gottes und die Orgel als Königin der Instrumente helfe, Gott nahe zu bringen. "Gesang kommt aus dem Herzen", sagt der Pfarrer. Musik sei Quelle der Freude, gebe Mut, tröste. Sie erklinge bei Taufen ebenso wie bei Hochzeiten und der Begleitung des letzten Ganges eines Menschen. Kirchenmusiker Martin Schulze hat die restaurierte Orgel nicht nur abgenommen. Er entlockt ihr zur Wiederweihe Töne in allen Lagen, nimmt die Besucher gefangen mit ihrer Wucht und Intensität. Die Initiativgruppe will weiter Geld sammeln - für Rücklagen bei notwendigen Reparaturen sowie für weitere Arbeiten im 1860 errichteten Gotteshaus.

Märkische Onlinezeitung vom 20. April 2015

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