Schönwalder Orgel klingt wieder brillant

Neuer Klang für eine alte Orgel

Die Wagner-Orgel in der Kirche von Schönwalde-Dorf ist wieder bespielbar - und wie. Während der rund einjährigen Restaurierung wurden unter anderem der Blasebalg aufgearbeitet, diverse Pfeifen nachgebaut und Register ausgetauscht. Dafür war das Instrument komplett ausgebaut und nach Berlin transportiert worden.

Orgelbauer Rainer Nass und Organistin Heike Thiemann vor der restaurierten Orgel.
Quelle: Melanie Höhn

Schönwalde-Dorf. Barocke Klänge hallten am Sonntag durch die gut gefüllte Dorfkirche von Schönwalde: In einem Festgottesdienst wurde die Wagner-Orgel von 1739 nach rund einjähriger Restaurierung wieder eingeweiht. "Wir haben uns ein Stückchen Geschichte in unsere Kirche zurückgeholt", sagte Pfarrer Martin Burmeister. Die Orgel wurde sowohl akustisch als auch optisch verändert. Vor allem seien aufwendige Arbeiten an den Pfeifen durchgeführt worden. "Es war ein gutes Zusammenspiel der Gewerke", fügte er hinzu.

Die Restaurierungsarbeiten führte die Berliner Orgelbauwerkstatt Schuke durch. "Das Schwierigste war die Rekonstruktion der Register, die nicht mehr vorhanden waren", erklärte Orgelbauer Rainer Nass. Dafür maß er Orgeln in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) und Angermünde (Uckermark) aus, um Vergleichswerte zu bekommen. Um die farbliche Restaurierung kümmerte sich dann Dagmar Rothen-Nitsche: "Es war sehr kompliziert die vielen Schichten abzutragen", sagte sie. Inzwischen sind wieder die originalen Farben zu sehen, etwa ein Wolkengebilde bestehend aus einem dunkelblauen Himmel und weißen Wolken. Zudem wich der frühere grau-rote Anstrich einem vornehmen Elfenbein mit goldenen und preußisch-blauen Elementen.

Auch die Organistin Heike Thiemann war an den Restaurierungsarbeiten maßgeblich beteiligt. Sie begleitete den Ab- und Aufbau sowie die Intonation und besuchte auch die Meisterei in Berlin."Die Klangfarbe ist viel besser als vorher", sagte sie nach dem gestrigen Festgottesdienst. Ihr musikalisches Talent hat sie auch an Tochter Friederike weitervererbt, die bei der Orgelbauwerkstatt Schuke arbeitet und das Instrument wieder in Form brachte.

Die Orgel ist für die Kirche in Schönwalde-Dorf ein immenser Gewinn: "Es gibt nur noch wenige Orgeln, auf welchen man solche Tonschöpfungen hört", sagte Bürgermeister Bodo Oehme (CDU). Noch immer ist es möglich, Patenschaften für die Pfeifen zu übernehmen.

Von Melanie Höhn

Märkische Allgemeine vom 27. April 2015

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