Erfolgsgeschichte Kirchenrettung

Förderkreis sammelte mehr als 1,3 Millionen Euro für Erhalt von Gotteshäusern / Feier zum 25-jährigen Bestehen

POTSDAM/BERLIN Als die Wiedervereinigung kam, waren viele Brandenburger Kirchen vom Verfall bedroht. Dass das heute nicht mehr so ist, ist auch ein Verdienst des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Mit einem Festakt in Potsdam feiert er am heutigen Samstag sein 25-jähriges Bestehen.

Das sanierte Gotteshaus von Hermsdorf.
Foto: Manfred Feller

Im Mauerwerk breitete sich der Schwamm aus, in den Dächern waren Löcher. Vor 25 Jahren, im Jahr der Wiedervereinigung, boten zahllose Brandenburger Dorfkirchen ein klägliches Bild. Immer wieder machten erschreckende Zahlen die Runde. "1000 Kirchen vom Einsturz bedroht" titelte eine große Boulevardzeitung. Und sogar das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz warnte davor, dass die meisten Gotteshäuser nicht mehr zu erhalten seien. Denn 40 Jahre DDR, aber auch der Nationalsozialismus und die beiden Weltkriege hatten vielerorts fast ein ganzes Jahrhundert lang Sanierungsarbeiten verhindert.

"Wenn man heute zurückblickt, kann man nur staunen", sagt Bernd Janowski. Der Berliner Architekturfotograf gehörte zu einer Gruppe von gut 40 Kunst- und Kulturinteressierten, die im Sommer 1990 den "Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" gründeten. Mit einem Festakt in Potsdam feiert der Verein heute seinen 25. Geburtag. "Wir sind damals mit Optimismus und großer Naivität ans Werk gegangen", sagte Janowski. Doch die Ehrenamtlichen, die seit der Fusion der Landeskirchen 2004 auch in der zu Sachsen gehörenden schlesischen Oberlausitz aktiv sind, haben viel erreicht: Mehr als 1,3 Millionen Euro konnten sie seit ihrer Gründung für die Gotteshäuser sammeln. Und eine 2008 gegründete Stiftung verfügt heute über ein Kapital von mehr als 400 000 Euro und wirft jährlich mehr als 10 000 Euro Zinsen ab.

Heute seien "die ganz großen Bauschäden beseitigt", so Janowski. Hier und da müssten noch Dächer gemacht oder Fundamente saniert werden. "Aber aus der akuten Notsituation sind wir raus." Nachholbedarf gebe es vor allem beim Inventar. Altäre und Schnitzfiguren etwa seien vielerorts restaurierungsbedürftig.

Darum kümmert sich der Förderkreis in enger Zusammenarbeit mit den mehr als 300 lokalen Kirchbauvereinen. Man vernetzt sich, tauscht Erfahrungen aus und einmal im Monat macht der Förderkreis mit der Wahl einer "Dorfkirche des Monats" auf ein Gotteshaus besonders aufmerksam. Zum Beispiel auf die Fachwerkkirche von Löhsten (Elbe-Elster) oder die Dorfkirche von Hermsdorf bei Ruhland, deren Glockenturm 1987 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.

Als sich 2007 im Dorf ein Förderverein gründete, erhielt er ein Startkapital vom "Förderkreis Alte Kirchen". Mittlerweile haben die Ehrenamtlichen dort mehr als 30 000 Euro gesammelt und seit 2012 läuten wieder die Glocken vom Hermsdorfer Turm.

Auch in der Politik hat die Arbeit des Förderkreises Anerkennung gefunden. "Die landesweit rund 1400 Dorfkirchen sind Teil unserer Kulturgeschichte und stiften für viele Menschen auch unabhängig vom eigenen konfessionellen Bekenntnis lokale Identität", sagt Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (SPD). Der Förderkreis trage "mit seinem Engagement maßgeblich und vorbildlich dazu bei, die Dorfkirchen in unserem Land zu sanieren, kulturell zu beleben, für den Tourismus zu erschließen und für nachfolgende Generationen zu erhalten."

Doch mittlerweile drohen den Dorfkirchen neue Probleme: Genauso gefährlich wie die jahrzehntelange Vernachlässigung sei heute der demografische Wandel, sagt Janowski. "Heute drohen uns Kirchen verlorenzugehen, weil gerade in den kleinen Orten die Gemeinden so geschrumpft sind, dass die Gebäude langfristig nicht mehr gehalten werden könnten."

"Wir müssen auch neue Nutzungsformen für die Kirchen finden", sagt Janowski. Zusammen mit dem Landesmusikschulverband hat der Förderkreis deswegen eine Konzertreihe gestartet: Unter dem Motto "Musikschulen öffnen Kirchen" konzertieren Musikschüler in den Kirchen vor Ort.

Benjamin Lassiwe

Lausitzer Rundschau vom 09. Mai 2015

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