Veranstaltungsreigen Stummfilm mit Orgelmusik 2015 begonnen

„Das Wachsfigurenkabinett“ in der Kirche

Die ungewöhnlichen Kultur-Kombination Stummfilm-Orgel erlebte den Auftakt für die Saison 2015 am Sonntag in der Dorfkirche Märkisch Wilmersdorf. Gezeigt wurde der Stummfilm „Das Wachsfigurenkabinett“ von 1924 mit Orgel-Begleitung. Die vollbrachte Kreiskantor und Kirchenmusikdirektor Michael Seifried. Er hatte vor Jahren die Idee zu solchen Reihen.

Kreiskantor Michael Seifried (l.) und Pfarrer Stephan Michalsky vor einer Filmszene mit Emil Jannings als Harun al-Raschid.
Quelle: Jutta Abromeit

Märkisch Wilmersdorf. Der Auftakt 2015 zu der ungewöhnlichen Kultur-Kombination Stummfilm-Orgel darf als gelungen betrachtet werden: Die Dorfkirche Märkisch Wilmersdorf erlebte am Sonntagabend den Stummfilm „Das Wachsfigurenkabinett“ von 1924 mit Orgel-Begleitung. Die vollbrachte Kreiskantor und Kirchenmusikdirektor Michael Seifried. Er hatte vor Jahren die Idee zu solchen Reihen. Nach Märkisch Wilmersdorf hatten Pfarrer Stephan Michalsky und der Kirchenförderverein eingeladen, weil Geld zur Fassaden-Renovierung gebraucht wird; Dach und Kirchturm sind bereits saniert.

Für die Begleitung der Filmbilder mit Musik stellte sich Seifried, ein weltweiter Konzertreisender in Sachen Orgel und Honorarorganist am Berliner Dom, an der Schuke-Orgel Wilmersdorf einen Spiegel ans Notenbuch. So konnte er die Stummfilm-Szenen hinter sich im Kirchenschiff sehen und sie akustisch exakt untermalen. Das tat er mit Klassik und Kinderliedern: Ging es um Liebe, waren Operntöne aus „Carmen“ zu hören, zeigte der Film einen Bäcker bei der Arbeit, erklang die Melodie vom Kinderlied „Wer will fleißige Handwerker sehn“. Als Iwan der Schreckliche auf die Leinwand kam, ertönten die „Abende an der Moskwa“, bei Bildern am Bett zog Seifried die Gäste mit Klängen aus „Guten Abend, gute Nacht“ in die Szene. „Stummfilme wurden immer mit improvisierter Klavierbegleitung aufgeführt. Und Orgeln waren die Instrumente, mit denen man in den 1920er Jahren die meisten Stimmungen darstellen konnte. Was lag also näher, als diese beiden Dinge zu kombinieren?“, so Seifried. Fast zwei Stunden lang begleitete der Kreiskantor die Stummfilm-Abschnitte, je nach Tageszeit und Stimmung waren sie blau, rot, gelb oder grün eingefärbt. Kleine Herausforderung für die Zuschauer: Film-Zwischentitel gab es nur auf Englisch.

Kein Problem war das für die Russin Diana Obinja. Die bildende Künstlerin ist selbst international unterwegs und war vor allem froh, diesen Abend erlebt zu haben. Andreas Blechschmidt aus Glau findet es „beeindruckend wie das geht, die Musik so genau auf die Handlung abzustimmen und diese Emotionen zu wecken“.

Info: Es folgen diesen Sommer weitere 14 Stummfilm-und-Orgel-Abende in der Region; der nächste: am 16. Mai in der Kirche St.Nikolai Jüterbog mit „Nosferatu“.

Von Jutta Abromeit

Märkische Allgemeine vom 11. Mai 2015

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