Die Orgelpfeifen sind zurück

Uwe Spranger

Strausberg (MOZ) Die sanierten Orgelpfeifen sind wieder da: Am Donnerstag hat die Sieversdorfer Orgelbaufirma Scheffler zwei Ladungen nach Strausberg geliefert. In den nächsten Tagen erfolgt die Montage. Am 21. Juni soll das Instrument wieder komplett sein.

Rückkehr: Die Orgelpfeifen der Strausberger Marienkirche ziehen wieder ein. Franz Zölke trägt eine der großen Holzpfeifen in den Vorraum. Die Teile wurden in der Orgelwerkstatt Scheffler in Sieversdorf (Oder-Spree) restauriert.
© MOZ Gerd Markert

"Hier haben wir noch ein 16-Fuß-Prinzipal", sagt Konrad Scheffler zu seinem Kollegen, der das hölzerne Teil aus dem Lieferwagen in den Kirchenvorraum trägt. "Bisweilen hat man Schwierigkeiten, weil einige Pfeifen gleich aussehen, aber zu verschiedenen Registern gehören. Hier hat Sauer aber gut beschriftet", erklärt er.

1929 hatte die Orgelbaufirma Sauer in Frankfurt (Oder) das Instrument für die Strausberger Marienkirche geschaffen. Das hat zwölf Register - verteilt auf zwei Manualen und ein Pedal -, alles in allem mehr als 2000 Pfeifen. Rund die Hälfte davon ist aus Holz. Nicht alle bringen wirklich Töne hervor: Manche seien nur für die Optik. Zu DDR-Zeiten war die Orgel schon einmal repariert worden - mehr schlecht als recht. 2013 hatte die Werkstatt von Christian Scheffler aus Sieversdorf bei Frankfurt (Oder) die Teile ausgebaut und restauriert. Neben den Pfeifen wurden Windführungen, Laden sowie Kanäle auf Undichtigkeiten überprüft und neu verklebt sowie der Balg neu "beledert".

Die erneuerten Teile hatten dann einige Zeit länger als gedacht in der Sieversdorfer Werkstatt gelagert, weil im Kirchenschiff von St. Marien noch Restaurierungsarbeiten liefen. "Es war inzwischen schon Staub drauf", verdeutlichten Scheffler-Mitarbeiter den Zeitrahmen.

Bereits seit einiger Zeit waren die Orgelbauer nun in Strausberg am Wirken, allerdings auch später als erhofft. Das lag wiederum an der Witterung. "Die kalte Kirche ist problematisch. Wir arbeiten viel mit Warmleim, da muss man bestimmte Temperaturen haben", erklärt Konrad Scheffler.

Mit der Lieferung am Donnerstag beginnt nun der letzte Abschnitt für die Orgelbauer. Etwa 20 Prozent der Teile hatten sie in den zurückliegenden Tagen bereits installiert. Nun folgen die großen und kleinen hölzernen sowie die Metallpfeifen aus dem Prospekt, die man von unten sieht. Während die Holzteile zunächst zwischengelagert werden, wollten die Orgelbauer die anderen gleich einbauen. Damit gar nicht erst die Gefahr besteht, dass eine umfällt, gegen andere stößt und so eine Beule bekommt.

Scheffler verwies in dem Zusammenhang darauf, dass die Strausberger Metallpfeifen aus verschiedenen Materialien sind. "1929 war nicht gerade die goldenste Zeit, auch im Orgelbau", sagt der 26-Jährige. Deshalb wurde für das hiesige Instrument statt den üblichen Legierungen aus Zinn und Blei auch viel Zink verwendet. Nun auf den Urzustand von 1929 zurückgeführt, könne die Strausberger Orgel zwar optisch nicht mit den schönsten Instrumenten mithalten, habe aber "klanglich viel zu bieten", bescheinigte Konrad Scheffler. Erst recht, wenn der Intonateur seine Arbeit beendet hat. Er soll bereits ab der kommenden Woche in St. Marien im Einsatz sein, kündigte der Orgelbauer an. "Da ist dann nicht viel zu sehen, es passiert aber ganz viel", sagte er.

Bis zum Stadtjubiläum im Juni soll die Orgel fertig werden, so die Vorgabe. Am 21. Juni will Kantor Focko Hinken das Eröffnungskonzert des 1. Strausberger Orgelsommers spielen, an den folgenden Tagen der Festwoche ist St. Marien jeweils von 12 bis 18 Uhr geöffnet, mit einer kleinen Orgelmusik gegen 15 Uhr. Am 28. Juni ist dann ein Dankkonzert für alle Spender und Paten vorgesehen, die sich an der Finanzierung der Sanierung beteiligt hatten. Für die waren insgesamt rund 150 000 Euro aufzubringen.

Und auch nach dem Wiedereinbau wird weiter gesammelt: Für den Prospekt, die Schauseite, die noch nicht erneuert ist.

Märkische Onlinezeitung vom 21. Mai 2015

   Zur Artikelübersicht