Festgottesdienst für die Bütow-Orgel in Groß Lindow

Ralf Loock

Groß Lindow (MOZ) Mit einem großen Festgottesdienst wurde jetzt in der Groß Lindower Kirche die Wiedereinweihung der alten Bütow-Orgel gefeiert. Pfarrer Matthias Wohlfahrt konnte dazu drei ehemalige Pastoren begrüßen, die viele Jahre im Schlaubetal gepredigt hatten - nämlich Franz-Wilhelm Ritter, Rita Perlwitz-Böhm und Hans Lehmann.

Schmuckstück in Groß Lindow: Die historische Bütow-Orgel in der Kirche des Ortes ist einmalig. Mit großem Aufwand wurde das Instrument jetzt saniert.
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Gleich zwei Organisten hatten sich bereit erklärt, in dem Gottesdienst mitzuwirken - Martin Schulze und Hans Frohnsdorf ließen das sanierte Instrument erklingen. Mit mehr als 160 Besuchern war das Gotteshaus gut gefüllt - darunter waren die stellvertretende Bürgermeisterin Waltraud Werner, der Landtagsabgeordnete Andreas Gliese und Ralf Lindemann, Präses der evangelischen Kirchensynode, der die Predigt hielt. Matthias Schuke aus Werder (Havel), seine Firma hatte die Arbeiten ausgeführt, berichtete von der Bedeutung der Orgel. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Kirchenchor Cantates.

Die Sanierungsarbeiten, die sich in zwei Phasen unterteilten, hatten sich über einen Zeitraum von rund 18 Monaten erstreckt. Nimmt man aber die Vorbereitungszeit hinzu, in der unter anderem die Finanzierung und der technische Ablauf geklärt werden mussten, so kommt man auf eine Zeit von insgesamt vier Jahren. 61 000 Euro wurden in die Orgel investiert "Wir haben viele Spenden erhalten, insgesamt 24 000 Euro. Jedem Spender sind wir herzlich dankbar", sagte Gudrun Grunow von der evangelischen Kirchengemeinde. Weiterhin zahlten in den Topf Orgelsanierung die Kommune Groß Lindow 5000 Euro, der Kirchenkreis 14 500 Euro, die Behörde für Denkmalschutz 7500 Euro und die Kirchengemeinde Groß Lindow 10 000 Euro ein.

Der erste Sanierungsabschnitt war 2013 von dem Fachbetrieb Schuke ausgeführt worden. Dieses Unternehmen war auch 2014 im Schlaubetal tätig. Die Einmaligkeit des Groß Lindower Instruments hatte bereits 2014 Oliver Horlitz, Orgelsachverständiger der evangelischen Landeskirche, hervorgehoben. Denn von dem Orgelbaumeister Paul Bütow (1854-1926), der seine Werkstatt in Königsberg/Neumark hatte, haben sich in Deutschland nur zwei Exemplare erhalten, eines steht in Neuenhagen und eines im Schlaubetal. Da die Orgel in Neuenhagen durch einen Brand beschädigt wurde, ist das Schlaubetaler Exemplar die derzeit einzige spielbereite Bütow-Orgel. Das Instrument in Groß Lindow ist die erste Orgel, die Paul Bütow gebaut hatte. Es ist ein zweimanualiges Instrument mit Pedal und zehn Registern.

Die Bauart mit mechanischen Kegelladen mit einschlagenden Kegeln ist sehr solide. Das Instrument befindet sich nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, die erste Veränderung gab es bereits 1917, als landesweit Prospektpfeifen mit einer hohen Zinnlegierung für die Kriegswaffenproduktion abgegeben werden mussten. Die Musik-Experten, die jetzt mit der Sanierung des Instruments beauftragt waren, "waren hellauf begeistert", berichtete Gudrun Grunow. "Unsere Orgel wurde als ein ,Kleinod' gelobt. Die Techniker waren überrascht, dass eine so schöne und so seltene Orgel bei uns steht."

Nach dem Gottesdienst konnte man sich bei einem Empfang mit Kaffee und Kuchen stärken; dabei musste man auch schon über das nächste Vorhaben sprechen, nämlich die Sanierung des Glockenturms. Ein Bau-Sachverständiger der Landeskirche hat das Mauerwerk untersucht und verfügt, dass die Glocke nicht mehr geläutet werden dürfe. Nun muss die Gemeinde Geld sammeln für dieses Sanierungsprojekt.

Märkische Onlinezeitung vom 22. Mai 2015

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