Altar vor dem Tagebau gerettet

Robert Iwanetz

Frankfurt (ODer) (MOZ) Nachdem die Güldendorfer Kirche 1945 ausbrannte, hatte das Gotteshaus lange nur eine notdürftige Einrichtung. In den Achtzigerjahren bekam man jedoch neues Inventar aus Lausitzer Kirchen, die dem Tagebau weichen mussten.

Barocker Schatz: Der Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert stand ursprünglich in der Wolkenberger Dorfkirche.Foto: Robert Iwanetz
© Robert Iwanetz

Die Güldendorfer Kirche hat viel überstanden in ihrer über 700-jährigen Geschichte. Die russische Besetzung im Siebenjährigen Krieg beispielsweise und selbst den Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg. Kurz darauf jedoch, im Sommer 1945, wurde das Gotteshaus von einem Blitz getroffen und brannte vollständig mit allen Kirchenschätzen bis auf die Grundmauern nieder.

Die Gottesdienste fanden vorübergehend in der Schule und den Gaststätten "Seeterrasse" und "Alter Krug" statt. Im Jahr 1953 begann man mit dem Wiederaufbau. Umliegende Bauern stellten Holz aus ihren Wäldern zur Verfügung. Doch das Inventar der Kirche blieb notdürftig. Eine einfache Kanzel und ein paar Stühle für die Kirchengemeinde.

Ende der Achtzigerjahre erreichte die Verantwortlichen jedoch ein Schreiben vom evangelischen Konsistorium, das Gegenstände aus Kirchen anbot, die dem Tagebau in der Lausitz weichen mussten. "Wir haben uns sofort darum gekümmert", erinnert sich Werner Hoffmann, ehemaliges Mitglied des Gemeindekirchenrats.

Mitglieder der Gemeinde fuhren damals in das zwei Stunden entfernte Wolkenberg, bei Spremberg, wo der Braunkohletagebau bereits weit fortgeschritten war. "Da standen nur noch ein paar Häuser, das sah schlimm aus", erzählt Werner Hoffmann. Eines der letzten Gebäude im Ort war die Kirche mit Altar und Taufe aus dem 18. Jahrhundert. "Von den Stücken waren wir begeistert", sagt Hoffmann. Bei Finsterwalde konnten die Güldendorfer zudem Gestühl aus einer Scheune retten, das aus der Dorfkirche von Bergheide stammte.

Zurück in der Heimat beauftragte die Gemeinde einen Unternehmer, um das neue Kircheninventar per LKW nach Güldendorf zu bringen, wo die Stücke restauriert werden sollten. Vor allem der ortsansässige Tischlermeister Herbert Stumpe übernahm viele Arbeiten: Stumpe sägte die neuen Bänke auf die richtige Größe, vollendete das Kanzelpult und erneuerte Teile des Altars. Dieser ist eine protestantische Sonderform aus der Zeit des Barocks - mit in der Mitte integrierter Kanzel. Getragen wird er von zwei Säulen mit korinthischen Kapitellen. Im Herbst 1991 wurde das neue Inventar zum ersten Mal für den Gottesdienst benutzt. "Wir sind immer noch sehr dankbar für die Einrichtung", sagt Werner Hoffmann.

Märkische Onlinezeitung vom 23. Juni 2015

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