Bischof würdigt Zusammenhalt in Fördervereinen

Bernau (MOZ) "Kirchen stehen für den Ort, auch für diejenigen, die nicht in die Kirche gehen", sagte Bischof Markus Dröge als geistlicher Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Er war nach Bernau gekommen, um sich in einem Gottesdienst in der St. Marienkirche mit anschließenden Führungen für das ehrenamtliche Engagement für den Erhalt von Kirchen und ihrer oftmals jahrhundertealten Ausstattung und Kunstwerke zu bedanken.

Dank für ehrenamtliche Arbeit: Bischof Markus Dröge während seiner Predigt in der St. Marienkirche
© MOZ/Sergej Scheibe

Konkreter Anlass ist die Restaurierung der noch erhaltenen Prospektfiguren, die einst die 1573 errichtete, 1864 aber abgerissene Scherer-Orgel zierten. Darum verdient macht sich auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, dessen Vorsitzender Bernd Janowski das Projekt kurz vorstellte.

Der Förderverein Alte Kirchen steht für mehr als 300 Kirchbauvereine in Brandenburg, die sich um den Erhalt der Gotteshäuser kümmern, so der Bischof. In den 25 Jahren seines Bestehens hat allein der Förderkreis die Sanierungen mit 1,3 Millionen Euro unterstützt. Fenster wurden erneuert, Dächer hergestellt und der Wiederaufbau ermöglicht. Bischof Dröge sprach in diesem Zusammenhang von einer "Bewegung der Kirchenbauvereine" und zollte seine Anerkennung für die große Ausdauer, die von den Vereinen auf der Suche nach Finanzierungskonzepten aufgebracht werden. Kennzeichnend für sie sei, dass Gläubige und Menschen, die dem Glauben kritisch gegenüberstehen, zusammenarbeiten. So sei eine gerettete oder sanierte Kirche ein "Zeichen für gutes Miteinander in einer Zeit, in der der soziale Zusammenhalt brüchig wird". Unter den interessierten Besuchern waren auch Mitglieder anderer Gemeinden gekommen.

Die Restaurierung der Orgelfiguren steht im Mittelpunkt eines Projekts zum 500. Jahrestag des Beginns der Reformation - obwohl der Reformator Martin Luther natürlich nie in Bernau war, wie Kirchenhistoriker Hartmut Kühne sagte. Er arbeitet in der Projektgruppe der Kirchengemeinde St. Marien mit, die die Restaurierung der Figuren des Orgelprospekts koordiniert. Da es in Bernau jedoch keinen Bildersturm gegeben habe, seien viele Stücke aus der Vor-Reformationszeit bis heute erhalten. Das gelte auch für Beichtstühle, die für Lutherkirchen bis ins 19. Jahrhundert wichtig waren. Zudem sei die Marienkirche zu einem zentralen Kommunikationsort zwischen Stadt und Kirche geworden. Vom 6. bis 8. November wird es in Bernau eine Tagung zu dem Themenkomplex geben.

Märkische Onlinezeitung vom 29. Juni 2015

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