Restaurierung in greifbarer Nähe

Heike Stachowiak

Neulietzegöricke (MOZ) Das Gotteshaus in Neulietzegöricke ist saniert. Jetzt sammelt der Gemeindekirchenrat Spenden für die Restaurierung der Dinse-Orgel. Zirka 37 000 Euro sind dafür veranschlagt. Wenn alles gut läuft, dann kann im nächsten Jahr mit den Arbeiten begonnen werden.

Sie engagieren sich für die Restaurierung der Dinse-Orgel: Neulietzegörickes Kirchenälteste Gisela Sommer (l.) und Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger vor dem Kircheninstrument.
© Heike Stachowiak

Am Wochenende werden sich die Türen zur Neulietzegöricker Kirche wieder öffnen, so wie an jedem Sonnabend und Sonntag zwischen dem Mai-Konzert zum Muttertag und dem Konzert anlässlich des Tages des offenen Denkmals im September. Dann stehen die Mitglieder des Gemeindekirchenrates und Freunde der Kirche für Fragen der Besucher bereit. Gern erzählen sie die Geschichte ihres Gotteshauses, vor allem auch die der Orgel. Die ist 1845, fünf Jahre nach der Fertigstellung der Kirche, von Ferdinand Dinse erbaut worden. Der Orgelbauer hat in vielen Kirchen Berlins und Brandenburgs seine Handschrift hinterlassen. Insgesamt 48 Neubauten sind unter seinen Händen entstanden.

Die Neulietzegöricker Orgel ist allerdings in die Jahre gekommen. Zwar wird sie noch gespielt. Aber die Pfeifen seien nicht mehr alle im Original vorhanden. Drei Register würden nicht mehr funktionieren und an der Mechanik müsse dringend einiges gemacht werden, sagt Nanna-Maria Luttenberger (54), Pfarrerin im Pfarrsprengel Neulietzegöricke. Und dadurch sei der original Dinsesche Klang nicht mehr vorhanden. Es sei ja eine romantische Orgel. Darauf könne man nicht alle Stücke spielen, aber eben besondere, extra für solche Orgeln komponierte Stücke, so die Pfarrerin. Deshalb hat der Gemeindekirchenrat von Neulietzegöricke beschlossen, die Orgel restaurieren zu lassen.

"Wir haben schon fleißig Spenden gesammelt, so dass wir hoffen, im nächsten Jahr beginnen zu können", informiert Gisela Sommer (65), die Kirchenälteste. Unterstützung finden die Neulietzegöricker in der kirchlichen Fachaufsicht und beim Denkmalschutz. Mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist bereits der Fördervertrag über 9000 Euro unterschrieben. Die Stiftung hatte im Vorfeld auch die umfangreiche Sanierung der Kolonistenkirche von 2009 bis 2011 finanziell unterstützt. Weitere 1000 Euro hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin/Brandenburg zugesagt. Die Sparkasse Märkisch-Oderland fördert das Vorhaben ebenfalls mit 1000 Euro. Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger und Bürgermeister Horst Wilke konnten erst jüngst den symbolischen Scheck aus den Händen von Sparkassenvorstand Reinhard Kampmann entgegennehmen. Zudem sei die Lübbering-Stiftung vom Konzertleben in der Kirche sehr angetan und will die Restaurierung der Dinse-Orgel auch unterstützen. Das Neulietzegöricker Gotteshaus ist das einzige in der Großgemeinde Neulewin. Ein weiterer Antrag auf Förderung liegt noch bei der Stiftung Orgelklang. Die will zum Jahresende darüber entscheiden. Eine insgesamt positive Entwicklung, wie die zwei Frauen meinen.

Zirka 37 000 Euro sind für die Restaurierung der Orgel veranschlagt. Ziel ist die Wiederherstellung des Originalzustandes. Dafür muss die Orgel gereinigt, umfänglich repariert, vom Holzwurm und Schimmel befreit werden. Repariert werden Disposition und Pfeifenwerk, Windladen, Ton- und Registertraktur und Spieltisch.

Gisela Sommer und Nanna-Maria Luttenberger hoffen auf weitere Spenden. Jeder Euro hilft, um das 170 Jahre alte Instrument wieder zu neuem Klang erwecken zu können. Die "Radposaunen", die am 16. August um 10 Uhr zum Bläsergottesdienst in Neulietzegöricke Halt machen werden, spielen an diesem Tag zwar für einen anderen wohltätigen Zweck. Doch mit ihrem Auftritt rückt die Kirche und die engagierte Gemeindearbeit in Neulietzegöricke wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Und vielleicht klingelt es dann auch wieder in der Orgel-Spenden-Kasse.

Spenden können auf das Konto der Kirchengemeinde Neulietzegöricke eingezahlt werden: Kirchengemeinde Neulietzegöricke, BIC: GENODEF1EK1, IBAN: DE79 5206 0410 5403 9006 90, Verwendungszweck: "Orgel Neulietzegöricke"

Märkische Onlinezeitung vom 09. Juli 2015

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