Ein Rauener Wahrzeichen bröckelt

Cornelia Link

Rauen (MOZ) Die Rauener Wehrkirche ist die älteste in Brandenburg - und an ihr nagt der Zahn der Zeit. Das 1287 errichtete Gotteshaus gehört wie die Markgrafensteinen zu den Wahrzeichen des Ortes. Für die Sanierung des maroden Turms aus Feld- und Ziegelsteinen werden Spenden gesammelt.

Lose Steine, bröckelnder Putz: Der Rauener Kirchturm soll saniert werden.
© Cornelia Link

"Hier muss dringend etwas gemacht werden, sonst kommt es zu noch größeren Schäden und Kosten", sagt Norbert Grade. Schon seit Jahrzehnten liegt dem Rauener das Wohl der Kirche am Herzen. Das Schiff wurde schon in den 1990er-Jahren mitsamt Dach saniert. "Beim Turm ist das länger her, war es zuletzt Anfang der 80er der Fall", ergänzt Grade.

Regelmäßig steigt er die Treppen hinauf und schippt im Winter Schnee vom Wehrgang. Der befindet sich in zwölf Metern Höhe. Einst standen Soldaten dort oben. Noch heute lässt sich bei schönem Wetter bis nach Rüdersdorf schauen. Zu DDR-Zeiten wurde der Beton am Gang erneuert. Jetzt bröselt er. Steine fallen hinaus. Pflanzen siedeln sich in luftiger Höhe an. Regen, Frost und Tauwetter dringen in den Turm ein, setzen dem Mauerwerk mehr und mehr zu.

Der Putz der steinernen Zinnen, die das Bauwerk wie eine Burg erscheinen lassen, ist schadhaft und muss ebenfalls erneuert werden, berichtet Norbert Grade. Auch im Innern, wo die beiden Glocken hängen, verweist er auf große schadhafte Stellen, an denen der Putz fehlt. Ebenso außen, am Mauerwerk des Turms, wo bereits Farn wächst, Ziegel lose sind. "Zum Glück sind die noch keinem bei Sturm auf den Kopf gefallen."

Die Rauener Kirchengemeinde, die mit zu Fürstenwalde-Süd gehört, hat das Problem erkannt. Sie wandte sich an das Team der Kirchenbau-Fachleute um Petra Kobalz, ebenso an den Denkmalschutz. Fachleute waren vor Ort und stellen nun eine Sanierung für 2016 in Aussicht. Das Mauerwerk soll dann erneuert werden und auch der Blitzschutz - bis hinauf zur Wetterfahne in 22 Metern Höhe. Sie trägt die Inschrift "Rauen 1278".

"Laut Kostenvoranschlag werden 22 000 Euro benötigt, damit das alles wieder 100 Jahre hält", sagt Gemeindekirchenratsmitglied Annemarie Lehmann. Ein Großteil (11 000 Euro) werde der Kirchenkreis aufbringen, weitere 5000 Euro kommen wohl von der Landeskirche. Für den Rest, den sogenannten Eigenanteil, hat die Kirchengemeinde eine Spenden-Aktion gestartet.

700 Handzettel hat Annemarie Lehmann mit Helfern bereits in Rauen verteilt. Gut angelaufen sei die Aktion. "Wir haben schon rund 2500 Euro zusammen", freut sie sich. Als größte Spende habe jemand 300 Euro gegeben, aber auch viele kleinere Beträge seien eingegangen. "Jeder Euro zählt", sagt die rührige Frau, die auch im Kirchen-Finanzausschuss sitzt und die Chronik des Gotteshauses führt.

Alle sind zuversichtlich, dass die Turm-Sanierung 2016 stattfinden wird. Bis dato kann jeden Sonntag beim Gottesdienst dafür gespendet werden, aber auch bei Annemarie Lehmann in der Chausseestraße 12 - Telefon 03361 301692. "Man kann auch einen Zettel in meinem Briefkasten hinterlassen, ich komme dann rum", sagt die Seniorin. Für Spender aus nah und fern wurde zudem ein Konto eingerichtet - beim Hinterlassen von Name und Adresse werde eine Spendenquittung ausgestellt, sagt Annemarie Lehmann.

Spendenkonto: Martin-Luther-Kirchengemeinde, Evangelische Bank e.G., IBAN: DE57520604100503900690, BIC: GENODEF1EK1, Verwendungszweck: Kirchturm Rauen

Märkische Onlinezeitung vom 16. Juli 2015

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