Geburtstagsgabe fürs Gotteshaus

Roland Becker

Nieder Neuendorf (MZV) "Ich habe alles. Was ich nicht habe, das brauche ich auch nicht." Detlef Ziesel bat seine Gäste, zum 70. Geburtstag auch keine Blumen zu schenken. "Ich habe im Spargelhof Klaistow gefeiert. Wie soll ich denn von dort zwei Wassereimer voller Blumen nach Hause bringen?", stellt Detlef Ziesel eine eher rhetorische Frage. Seine Gäste hat er dennoch nicht ratlos zurückgelassen. Der einstige SPD-Politiker und Stadtverordnetenvorsteher bat sie, ihm Bares für einen guten Zweck zukommen zu lassen. Und von dem hatte er im Generalanzeiger gelesen: Für das Sanieren des Kircheninneren fehle es noch an Geld. "Ich höre sonntags so gern die Glocken läuten. Und manchmal war ich auch schon zum Konzert in der Dorfkirche", beschreibt Detlef Ziesel, der der Kirchengemeinde selbst nicht angehört, sein durchaus schönes Verhältnis zum ältesten Bau von ganz Hennigsdorf.

Spendabel: Detlef Ziesel überreicht Pastorin Barbara Eger (rechts neben ihm) sowie Anita Hübner und Iris Tentscher (Zweite und Erste von rechts) vom Gemeindekirchenrat die Spende.
© MZV

Pastorin Barbara Eger kommt die Spende, die Ziesel an diesem Dienstag in der Kirche überreicht, gerade recht. Weil die Arbeiten - vor allem das Lösen der alten Farbschichten - deutlich teurer werden als bislang gedacht, hat sich im Budget plötzlich wieder ein Loch ergeben. Von den rund 150 000 benötigten Euro fehlen noch rund 20 000 Euro. Da sind die 1 100 Euro, für die Ziesel extra einen Scheck gebastelt hat, deutlich mehr als der Tropfen auf den heißen Stein.

Detlef Ziesel weiß gern, wo sein Geld bleibt. Darum spendet er auch nicht mehr gern großen Organisationen, deren Projekte er vom Erfolg her nicht beurteilen kann. In Fall der Nieder Neuendorfer Kirche wird das ganz anders sein. Der Spender hat sich nämlich ein überschaubares Projekt ausgesucht. Von seinem Geburtstagsgeld soll das Taufbecken restauriert werden. Dessen Holz ist stark angegriffen, aber durchaus zu retten. Vier bis fünf Mal im Jahr nimmt Pastorin Barbara Eger den Deckel ab, um ein Baby oder Kind zu taufen.

Mit den Arbeiten in der Kirche soll nach Weihnachten begonnen werden. Eger rechnet damit, dass die Sanierung rund ein halbes Jahr dauert. Das bisherige Rosa wird einem zarten Braunton im unteren Teil und einem Beige-Ton, der sich gen Decke erstreckt, weichen. So präsentierte sich dass Kirchenschiff bereits in den 1920er-Jahren. Im Altarraum wird das einst vorhandene sogenannte Blaue Fenster wieder auf die Kirchenwand gezeichnet.

Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden: 3203 9955 50, IBAN: DE49 5206 0410 3203 9955 50, Kennwort: Kirchensanierung

Märkische Onlinezeitung vom 05. August 2015

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