Prominente Hilfe für die Kirchensanierung

Bräutigam und Stolpe kommen nach Nudow

Die Nudower haben es wieder einmal geschafft, Prominenz ins kleine Dorf zu locken. Am 30. August kommen Hans Otto Bräutigam und der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe in die Dorfkirche. Mit ihrem Besuch tragen die beiden Weggefährten mit dazu bei, dass das Gotteshaus weiter saniert werden kann.

1987 in Ost-Berlin: Hans Otto Bräutigam (l.), Carl Friedrich von Weizsäcker, Manfred Stolpe – damals Superintendent.
Quelle: Dpa

Nudow. Er war in den 1980er Jahren der Mann der Bundesrepublik Deutschland in Ostberlin. Hans Otto Bräutigam, von dem hier die Rede ist, leitete acht Jahre die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in der DDR, bevor er 1989 als deutscher UN-Botschafter nach New York ging. Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe war er es dann, der Bräutigam aus der großen weiten Welt nach Brandenburg holte. Im Kabinett Stolpes wurde Bräutigam Minister für Justiz, Bundes- und Europaangelegenheiten. Nun kommen Beide ins kleine Dorf Nudow.

Bräutigam wird am 30. August, 15 Uhr, in der Nudower Dorfkirche aus seinem Buch „Meine Brandenburger Jahre“ lesen, das im März 2015 im Verlag Berlin Brandenburg erschienen ist. Begleitet wird er von seinem früheren Regierungschef. „Seit kurzem haben wir auch die Zusage von unserem ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe“, sagte Thomas Engelhardt, Vorsitzender des Nudower Gemeindekirchenrates.

So wird der Nachmittag am 30. August zunächst mit einem Gespräch der beiden Weggefährten starten. Danach folgt die Lesung und schließlich folgt noch eine Fragerunde der Zuhörer, die Engelhardt moderieren wird.

Er und seine Mitstreiter in Nudow haben es wieder einmal geschafft, Prominenz ins Dorf zu locken – wie immer zugunsten der weiteren Dorfkirchen-Sanierung. Engelhardt hatte zuvor mit der Berliner Galeristin Ursula Hollop zehn Jahre lang aufsehenerregende Bilderausstellungen in Nudow organisiert und große Kunst ins kleine Dorf geholt. Werke berühmter Maler wie Picasso, Dali oder Chagall waren zum Beispiel in der Kirche zu sehen und halfen mit, Geld einzusammeln für die Sanierung des Gotteshauses.

Geschafft ist das Sanierungswerk noch nicht. Nachdem die Berliner Kunstsammlerin 2013 Abschied genommen hatte, wurde im vergangenen Jahr ein neues Kapitel aufgeschlagen – mit der 1. Autorenlesung in der Dorfkirche. Nun folgt am 30.?August mit Bräutigam der zweite Akt der neuen Ära. Das Ziel hat sich nicht geändert: Menschen sollen sich in der Kirche begegnen und Spenden sollen aufs Baukonto für die Kirchensanierung fließen. Tradition bleibt in Nudow auch, Kunst und Kultur kulinarisch und musikalisch zu umrahmen. Die „Lankwitz Horns“ sorgen für die Musik zur Lesung, das Buffet übernehmen wie immer die Nudower Frauen. Sie backen jedes Jahr zum kulturellen Höhepunkt Kuchen und schmieren Wurstbrote. Die frische Schlachtewurst auf den Broten ist inzwischen genauso legendär.

Von Jens Steglich

Märkische Allgemeine vom 17. August 2015

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