Zwischen Himmel und Erde

Wo an Kirchen gebaut wird, rücken auch die Gemeinden zusammen

Sonntag für Sonntag werden Klingelbeutel durch die Reihen der Gottesdienstbesucher gereicht. Was geschieht mit dem Geld? An dieser Stelle berichtet "Die Kirche" über Einrichtungen, Initiativen und Dienste, denen die Sonntagskollekten zugutekommen. An diesem Sonntag, dem "Tag des offenen Denkmals", wird für den Erhalt von alten Kirchen (Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.) gesammelt.

Von Bernd Janowski

Noch vor wenigen Jahren drohte der von dem späteren kaiserlichen Hofbaumeister Reinhold Persius 1864 entworfenen neugotischen Feldsteinkirche des kleinen Prignitz-Dorfes Brügge der Abriss. Immerhin konnte 1997 der Turm saniert werden, doch danach fiel das Gotteshaus wieder in einen mehrjährigen Dornröschenschlaf. Zehn Jahre später jedoch entstand nach und nach eine Bürgerinitiative, die den Kirchplatz von wildem Buschwerk befreiten, alten Schutt aus der Kirche trugen und Reinigungsarbeiten durchführten. Generalsuperintendentin Heilgard Asmus feierte mit der Gemeinde und zahlreichen Gästen aus dem Dorf und der Umgebung einen "Hoffnungsgottesdienst". Hubertusmessen fanden statt, Kinder wurden getauft und nach längerer Zeit fanden sich auch Gemeindeglieder aus Brügge bereit, im Gemeindekirchenrat mitzuarbeiten. Und durch die Beharrlichkeit des 2011 gegründeten Fördervereins war es möglich, Fördermittel einzuwerben, mit deren Hilfe die Dorfkirche Brügge umfassend saniert wurde - immer unter eifriger Mitwirkung der Einwohner des Dorfes. Für diese großartige Leistung erhielt der Verein jetzt den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis, der alljährlich am Tag des offenen Denkmals verliehen wird.

Der Abschluss der Altarrestaurierung war Anlass zu einem gemeinsamen Fest der Gemeinde in Neuendorf (Kirchenreis Oderland-Spree).
Foto: Förderkreis Alte Kirchen

Kaffeetafeln und Konzerte

Auch in Wernikow (Ostprignitz-Ruppin) gibt es am diesjährigen Tag des offenen Denkmals Grund zu feiern: Nicht nur die gesamte Außenhülle konnte saniert werden, auch die in den 1970er Jahren abgetragene Turmsitze wurde originalgetreu rekonstruiert. Kirchengemeinde, Heimatverein, Ortsbeirat und Freiwillige Feuerwehr laden im Anschluss an den Gottesdienst gemeinsam zu einem Turmfest mit Kaffee und Kuchen sowie allerlei Spezialitäten vom Grill.

Am zweiten Septemberwochenende werden wie in jedem Jahr Tausende Besucher die Gelegenheit nutzen, einen Ausflug in die brandenburgischen Landschaften auch für den Besuch denkmalgeschützter Bauwerke zu nutzen - darunter wie immer zahlreiche Stadt- und Dorfkirchen. In vielen von ihnen werden Führungen angeboten, Ausstellungen gezeigt und Kaffeetafeln für die Gäste vorbereitet. Das Angebot an Konzerten in Kirchen ist so reichhaltig, dass es in manchen Regionen schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen. Allein im Rahmen der vom Förderkreis Alte Kirchen gemeinsam mit dem Landesverband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg e.V. initiierten Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen" gibt es fünf anspruchsvolle Konzerte. In der Dorfkirche Kunow (Uckermark) präsentiert das Ensemble "Uccellini" der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde geistliche Konzerte der Renaissance und des Barock, und in Pessin (Havelland) musizieren junge Musikerinnen und Musiker ein Sommerkonzert im Rahmen des BUGA-Projektes "Kirchenwege im Havelland". In beiden Fällen bietet der Besuch zudem die Möglichkeit, sich von den beeindruckenden Ergebnissen umfassender Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten zu überzeugen.

Sichtbare Zeichen

Etwa 1.400 Dorfkirchen gibt es im Bereich unserer Landeskirche. Viele von ihnen konnten - oftmals nach Jahrzehnten der Vernachlässigung und des Verfalls - in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten vorbildlich wieder saniert werden. Viele waren an den zahlreichen Erfolgsgeschichten beteiligt: Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche, Kommunen, Landkreise und der Bund, verschiedene Stiftungen und zahlreiche ehrenamtliche Helfer, die sich inzwischen in mehr als 300 lokalen Fördervereinen für ihre jeweilige Kirche im Dorf engagieren.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., der in diesem Jahr das 25-jährige Jubiläum seiner Gründung beging, konnte seit seiner Gründung mehr als 1,3 Millionen Euro an direkten Bauzuschüssen ausreichen und war auch an der Finanzierung der Finanzierung der oben genannten Projekte beteiligt.

Neben der direkten Unterstützung für Bau- und Restaurierungsarbeiten unterstützt und berät der Förderkreis Alte Kirchen mit Hilfe seiner ehrenamtlichen Regionalbetreuer Gemeinden und Vereine bei Organisations-, Bau- und Finanzierungsfragen. Seit 2000 ist der Verein Träger des Projektes "Offene Kirchen" in Brandenburg, an dem sich mittlerweile fast 1.000 Kirchen beteiligen und dessen Broschüre in zunehmendem Maße Werbung für die "Schönen im Land" macht. Jährlich erhalten fünf neu gegründete Initiativen ein "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" in Höhe von jeweils 2.500 Euro. Zudem unterstützt der Förderkreis, unter anderem durch die Organisation eigener Veranstaltungsreihen, die angemessene Nutzungserweiterung von Kirchengebäuden - auch um auf diesem Wege eine breite gesellschaftliche Verantwortung für das kulturelle und geistliche Erbe des Landes anzumahnen.

Im Rahmen eines Dankgottesdienstes für die ehrenamtlichen Kirchbauvereine in der Bernauer Marienkirche stellte Bischof Markus Dröge in seiner Predigt fest: "Unsere Kirchen sind sichtbar Zeichen in die Öffentlichkeit und in die Gesellschaft hinein, dass das Leben mehr ist als das, was vor Augen liegt. Daran erinnern uns die Kirchen, mitten im Alltag. Sie sind stumme Zeugen, die einfach, weil sie da sind, eine Botschaft haben: Es gibt eine Gewissheit, die mich trägt und die mich tröstet, wenn ich Hilfe brauche. Und sie sagen gleichzeitig: Es soll in der Gesellschaft Zusammenhalt und Gemeinschaft geben! Es soll mehr geben, als dass jeder nur an seinen eigenen Vorteil denkt."

Oftmals konnten wir in den vergangenen Jahrzehnten feststellen, dass Kirchenbau auch Gemeindebau sein kann. Gerade in den berlinferneren ländlichen Regionen ist es zunehmend schwierig, eine flächendeckende kirchliche Versorgung zu gewährleisten. Trotzdem ist es wichtig dafür zu sorgen, dass auch hier die Kirchengebäude mit ihren oft weithin sichtbaren Türmen Orientierungspunkte in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt bleiben. Auch wo Gottesdienste nur noch selten stattfinden können, sind sanierte Kirchengebäude Symbole für die Gegenwart Gottes und Zeichen der Hoffnung.

In einem seiner Gedichte schreibt der Lyriker Reiner Kunze: "Damit die Erde hafte am Himmel, schlugen die Menschen Kirchtürme in ihn." Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Verbindung zwischen Himmel und Erde nicht verloren geht!

Bernd Janowski ist Geschätsführer der Förderkreises Alte Kirchen Berli-Brandenburg e.V.

Die Kirche vom 13. September 2015

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