Künstler musizieren für Laubster Kirchturm

Marode Landmarke soll abgerissen und neu aufgebaut werden

LAUBST Was ist 20 Meter hoch und den Laubstern ein Dorn im Auge? Der Kirchturm. Dieser könnte nämlich noch etwas höher sein, bräuchte aber dringend eine Sanierung. Der Baubeginn ist nach einer Veranstaltung am Wochenende wieder ein Stück näher gerückt.

Im Rahmen der Veranstaltungsreiche "Musikschulen öffnen Kirchen", gastierte das Spree-Neiße-Ensemble in der Laubster Kirche. Dabei gab es eine kleine Premiere: Erstmals sangen die Ausnahmetalente Michelle Bönisch aus Forst und Chris Birla aus Spremberg zusammen.
Foto: T. Richter-Zippack/trt1

Einst hat der Laubster Kirchturm bereits den Autofahrern auf der nahen B 169 vom Dorf gekündigt. Seit April 2012 existiert allerdings nur noch ein kläglicher Stumpf. Turmhelm und Laterne wurden abgenommen und befinden sich jetzt neben der Kirche (Dorfkirche des Monats Januar 2013). Statt 37 Metern Höhe misst das Bauwerk nur noch gut 20 Meter.

Dieser Zustand ist den stolzen Laubstern natürlich ein Dorn im Auge. Daher soll der Turm mittelfristig in neuem Glanz strahlen. Nach Angaben von Birgit Skorna vom Gemeindekirchenrat sind dafür rund 530 000 Euro erforderlich. Ein Viertel der Summe müsse die Kirche selbst aufbringen, der "Rest" könne dank Förderprogrammen finanziert werden. Um dem großen Ziel ein Stückchen näher zu kommen, wurde jetzt zum Konzert ins Laubster Gotteshaus geladen. Die Spree-Neiße-Musikschule unter Leitung von Sonja Junghänel präsentierte neben Werken des Barock ebenso bekannte Klänge aus verschiedenen Musicals. Tatsächlich waren die Kirchenbänke fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Wenn alles klappt wie am Schnürchen, könnte im kommenden Jahr mit den dringend notwenigen Arbeiten begonnen werden. "Wir müssten den Turm komplett abtragen und anschließend neu aufbauen", weiß Birgit Skorna. Das Mauerwerk sei so marode, dass die Laubster keine andere Wahl hätten. Laut Pfarrer Robert Marnitz bilden Baufehler die Ursache für das Desaster. Ähnliche Probleme gebe es beim Drebkauer Rathaus, das die gleiche Firma errichtet hatte. Das war bereits im 19. Jahrhundert. Erst wenn der Turm wieder solide steht, könnten auch der charakteristische Helm sowie die Laterne wieder aufgesetzt werden. Hinzu komme der Einbau einer behindertengerechten Sanitäranlage. Schließlich solle die Kirche künftig auch als Treffpunkt für alle Laubster, beispielsweise für Einwohnerversammlungen, genutzt werden. Derzeit leben im Dorf laut Ortsvorsteherin Ute Schmidt um die 170 Menschen. Und um das altehrwürdige Gotteshaus kümmerten sich längst nicht nur die 450 Glieder der Kirchgemeinde Leuthen-Schorbus, zu der Laubst gehört, sondern viele weitere Bürger.

Pro Jahr würden fünf Gottesdienste im Dorf gefeiert. Der nächste finde am 18. Oktober statt, dann am Heiligen Abend. Übrigens gebe es im kommenden Jahr einen passenden Anlass für den Baubeginn am Turm, nämlich den 25. Juni. An jenem Sonnabend wolle das Dorf die 666. Wiederkehr seiner urkundlichen Ersterwähnung feiern.

Torsten Richter-Zippack / trt1

Lausitzer Rundschau vom 29. September 2015

   Zur Artikelübersicht