Happy Birthday, Dom!

Julia Lehmann

Fürstenwalde (MOZ) Nach dem Zweiten Weltkrieg war er nur noch eine Ruine. Über fünf Jahrzehnte wurde er in zwei Bauphasen wiedererrichtet. Heute ist der Fürstenwalder Dom ein Konglomerat aus Historie und Moderne. Am Sonnabend feiert der ehemalige Bistumssitz sein 20. Jubiläum nach dem Wiederaufbau.

 
In Trümmern: Dieses historische Foto zeigt den Blick in den zerstörten Dom nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu sehen ist ein Fenster mit Teilen der Mauer. Die Wände daneben fehlen.
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Eingerüsteter Dom Mitte der 1950er-Jahre: Der Wiederaufbau beginnt.
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Am 31. Oktober 1995 war es geschafft, in der Geschichte des Fürstenwalder Domes St. Marien konnte ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Auf den Fundamenten einer im 13. Jahrhundert gebauten Kirche errichtet, hat er schon viele Um- und Neubauarbeiten hinter sich. Doch erst durch die Arbeiten von der Enttrümmerung im Oktober 1945 bis zur Fertigstellung am Reformationstag 50 Jahre später wurde das Gebäude peu à peu zu dem Dom, den die Fürstenwalder heute kennen. Ein steiniger Weg, der mit der Bestandsaufnahme der Schäden, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, begann.

"Es standen noch 15 Prozent des Domes", sagt Pfarrer Martin Haupt. Während er spricht, werfen die Backsteinmauern des Kirchenschiffs ein Echo zurück. So als würde noch jemand anderes vom langwierigen Wiederaufbaus berichten. Tatsächlich ist es eine häufig erzählte Geschichte, die sich einreiht in die vielen vergleichbaren Schicksale von Kirchenhäusern. Mauern, Dachstuhl, Gewölbe, eine Brandbombe der Roten Armee und anschließend eine Granate der deutschen Einheiten zerstörten den Dom. In einer Zeit, in der die Menschen mit den persönlichen Kriegsschäden zu tun hatten, fingen einige nur wenige Monate später an, aufzuräumen.

Nach 50-jähriger Bauzeit: Am 31. Oktober 1995 wurde der wiedererrichtete Dom eingeweiht. Pfarrer Martin Haupt kann heute vom Ausblick der ersten Empore nicht genug bekommen.
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Majestätisch: Gerahmt durch Herbstblätter und blauem Himmel ist der Fürstenwalder Dom am schönsten. Hier ist er von der Ostseite, mit Kirchenschiff im Vordergrund, zu sehen.
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Bis 1966, in einer ersten Bauphase, konnten die Umfassungsmauern, die aus dem ursprünglichen Querschiff aus dem 13. Jahrhundert entwickelten Anbauten und der Turm wieder instand gesetzt werden. Während der Jahre 1908 bis 1910 hat es schon einmal eine Neugestaltung der Kirche gegeben. Bei dieser Regotisierung wurden die einst angelegten barocken Elemente entfernt. Entsprechend dieser Konzeption wurde der Dom auch nach 1945 wieder hergerichtet. Allerdings erhielt das Gebäude eine Flachdecke. "Dieser Stahldachstuhl war eine Spende der badischen Landeskirche", sagt Martin Haupt. Auch der Turm wurde wieder aufgebaut. Sein Stil entspricht heute eher "nüchternem Barock", wie der Pfarrer sagt.

Seit dem Jahr 1956 erklingt im 68 Meter hohen Turm auch wieder ein Glockengeläut. Zwei Glocken gingen während des Kriegsgeschehens verloren. Sie wurden 1956 durch zwei Stahlgussglocken ersetzt. Die dritte, aus dem Jahr 1774 stammende, fand man auf dem Glockenfriedhof in Hamburg wieder. Ein Schrottplatz, von dem aus unzählige Glocken im Krieg weiter in die Rheinischen Stahlwerke gebracht wurden, um daraus Munitionsteile zu fertigen. 1987 konnte der Dom für erste Konzerte und Ausstellungen genutzt werden.

Doch erst in der zweiten Bauphase, die im Sommer 1988 begann, wurde das 1985 beschlossene Baukonzept verwirklicht. In der Westhälfte entstand ein Gemeindezentrum. An der Nordseite wurden wieder Gewölbe eingezogen. Der eingesetzte Altar ist eine Dauerleihgabe der Mönchenkirche aus Jüterbog. Im Jahr 2003 bekam der Dom auch endlich eine seiner Größe entsprechende Orgel aus der Thomaskirche zu Leipzig. "Es ist unglaublich, mit wie viel Gottesvertrauen die Menschen diese Kirche wieder aufgebaut haben", beendet Martin Haupt seine Erzählung.

Am Sonnabend wird diese Jahrzehnte lange Arbeit ab 17 Uhr mit einem Konzert und Empfang sowie am Sonntag mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr gewürdigt.

Märkische Onlinezeitung vom 30. Oktober 2015

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