Neues Leben in der Johanniskirche

Simon Rayß

Eberswalde (MOZ) Es kommt Leben in die Johanniskirche: Dem Neuen Blumenplatz dient sie momentan als Probenraum. Das Kollektiv will aus dem von der Gemeinde nicht mehr genutzten Gotteshaus ein interreligiöses Zentrum machen. Doch auch das könnte wohl nur eine vorübergehende Lösung sein.

Relativ junges Gotteshaus: Erbaut wurde die Johanniskirche von 1892 bis 1902 für Schweizer Einwanderer.
© MOZ/Thomas Burckhardt

Still und verlassen liegt die Johanniskirche am unteren Ende des Karl-Marx-Platzes. Seit rund zwei Jahren wird sie nicht mehr von der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Eberswalde genutzt. Zu teuer ist ihr Unterhalt geworden angesichts der mittlerweile überschaubaren Zahl der Gemeindemitglieder. Waren es einmal 40000, sind heute noch 2500 übrig. Doch was ist das? Brennt da nicht Licht im Gotteshaus? Sind das nicht Trompetentöne, die aus dem Inneren dringen?

Es steckt wieder Leben in der Johanniskirche. Die Kultur- und Garteninitiative Neuer Blumenplatz nutzt sie als Probenraum und übernimmt im Gegenzug grundlegende Handgriffe. Lüften, den Dreck im Garten absammeln, die Hecke schneiden. "So eine niedergehende Kirche ist für mich eine Bankrott-Erklärung unserer abendländischen Gesellschaft", sagt Steffen "Schortie" Scheumann.

Der Eberswalder Schauspieler und Trompeter, der auch Gründungsmitglied des Neuen Blumenplatzes ist, bezeichnet sich selbst als Heide. Trotzdem hat ihn das Schicksal der Johanniskirche nicht mehr losgelassen. "Wir haben uns vor einem Jahr mit der Gemeinde hingesetzt und die Vereinbarung geschlossen", erinnert er sich. In der vergangenen Woche sind nun Scheumann, der Pfarrer der Gemeinde Hanns-Peter Giering und der Vorsitzende des städtischen Sanierungsbeirats Jürgen Peters zusammengekommen, um die weitere Zukunft der Johanniskirche zu besprechen.

Die Idee des Neuen Blumenplatzes: Das denkmalgeschützte, von 1892 bis 1902 im Stile der Neogotik erbaute Haus soll ein interkulturelles und vor allem interreligiöses Zentrum werden. "Ein Ort der Begegnung, des Austausches der Kulturen" schwebt Scheumann vor. Auch Veranstaltungen sollen dann wieder dort stattfinden, legt er Giering dar.

Der zeigt sich alles andere als abgeneigt: "Ich denke, dass von uns zu erwarten ist, dass wir einer solchen Konzeption zustimmen würden", sagt der Pfarrer. Allerdings unter den Bedingungen, dass das Konzept "gut gestrickt" ist und "entsprechende Gelder einwirbt". "Religionen und Kulturen müssen ins Gespräch miteinander kommen", erklärt Giering. "Wenn das mit der Johanniskirche erreicht wird, wäre es das Schönste, was mit ihr passieren könnte."

Allerdings nur vorübergehend."Das Konzept des Neuen Blumenplatzes reicht vielleicht, um laufende Kosten aufzubringen", erklärt Jürgen Peters vom Sanierungsbeirat. "Es reicht aber nicht, um die Grundsanierung zu finanzieren." Letzten Endes könnte der Bau also doch verkauft werden. "Wir sind gezwungen, über diese Dinge nachzudenken", sagt Hanns-Peter Giering. Schon der Erhalt, ohne dass das Haus genutzt wird, schlage jedes Jahr mit 3000 Euro zu Buche.

Hinzu kommen Altlasten: Die Sanierung der Kirchenhülle, die in den 90er-Jahren für einen knapp sechsstelligen Betrag vorgenommen worden ist, muss praktisch wiederholt werden. "Die Arbeiten damals wurden teilweise mit nicht genügend Sachverstand ausgeführt", sagt der Pfarrer. Sowohl die falschen Klinkersteine als auch der falsche Mörtel seien verwendet worden.

Für die Mitglieder des Neuen Blumenplatzes mag das Gebäude jetzt schon zugänglich sein - auf eigene Gefahr. Bis es für öffentliche Veranstaltungen nutzbar ist, muss allerdings noch viel passieren. In der Kirche befinden sich keine Toiletten, keine Heizung, das Wasser ist nach einer Havarie auf dem Vorplatz abgestellt und am Dach treten immer wieder undichte Stellen auf. Auch versicherungstechnische Fragen gilt es noch zu klären.

Bis die Gemeinde einen Käufer findet, können laut Hanns-Peter Giering Jahre vergehen. Doch auch bis dahin soll Leben in den imposanten Bau am Karl-Marx-Platz einziehen: "Wir brauchen einen Freundeskreis der Johanniskirche", regt "Schortie" Scheumann an. Einen Kreis Gleichgesinnter, der hilft, aus dem Gotteshaus vorübergehend einen Ort der Begegnung zu machen.

Im Februar wird er im städtischen Bauausschuss über die Johanniskirche sprechen.

Märkische Onlinezeitung vom 22. November 2015

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