Spendenaktion rettet Kunst in Kirchen

Ulrich Thiessen

Potsdam (MOZ) Brandenburgs Dorfkirchen konnten in den vergangenen Jahren vor dem Verfall gerettet werden. In ihrem Inneren, auf Dachböden und in Depots, befinden sich wertvolle, aber zum Teil gefährdete Schätze. Eine Spendenaktion hat in den vergangenen sieben Jahren dazu Erstaunliches geleistet.

Soll restauriert werden: der ehemalige Altaraufsatz der Stadtpfarrkirche von Ruhland.
© Brandenburgisches Landesamt für Denkmalschutz

Rund 329 Stadtkirchen, 1500 Dorfkirchen, 17 Klösteranlagen und 260 Pfarrhäuser sind seit der Wende in Brandenburg gesichert und zum Teil auch saniert worden. Das erklärte am Mittwoch Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) in Potsdam. Aus den unterschiedlichsten Fördertöpfen fließen Gelder in den Erhalt der Gotteshäuser.

Für die Kunst im Inneren aber reicht das Geld oft nicht. Mitunter fehlt auch das Wissen um die Bedeutung dessen, was da an Wänden und Decken hängt oder in Kammern verstaubt. Seit sieben Jahren gibt es zur Adventszeit die Aktion "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe", getragen von der evangelischen Landeskirche, dem Landesdenkmalamt und dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Rund 100 000 Euro kamen dabei zur Rettung verschiedener Objekte zusammen.

In diesem Jahr soll Geld für den ehemaligen Altaraufsatz in der Stadtpfarrkirche von Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) gesammelt werden. Er stammt aus dem Jahr 1510, wie Landeskonservator Thomas Drachenberg erläuterte. Nach der Reformation wurde er umgearbeitet, ergänzt und neu zusammengestellt. Die noch vorhandenen Teile weisen Fraßschäden von Insekten auf und die Farbfassungen sind gefährdet. Laut Drachenberg sind zunächst wissenschaftliche Untersuchungen notwendig, bevor ein Restaurierungskonzept erstellt werden kann. Er rechnet mit Kosten in Höhe von rund 20 000 Euro.

Im vergangenen Jahr kamen bei der Spendenaktion 13 500 Euro zusammen. Sie werden laut Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen für die Sicherung wertvoller Schnitzfiguren in der Bernauer Marienkirche genutzt. Dort waren seltene musizierende Engelgruppen erhalten geblieben, die zu einem Orgelprospekt aus dem Jahre 1573 gehörten. Drachenberg erklärte, dass deren Restaurierung zurzeit im vollen Gange ist. Ende 2016 sollen die Arbeiten beendet sein, so dass die Figuren im Reformationsjahr 2017 in der Bernauer Kirche wieder zu sehen sein werden.

Spenden an: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Konto 3911390, BLZ: 52060410, Stichwort: Altar Ruhland

Märkische Onlinezeitung vom 03. Dezember 2015

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