Rastplatz für die Seele in Duben

Die Autobahnkirche steht an 365 Tagen im Jahr Reisenden zur stillen Einkehr offen

DUBEN Sie ist ein Ort der Stille in der Hektik der Zeit die Autobahnkirche in Duben nahe der A 13. Auch an den Feiertagen finden Reisende in dem liebevoll geschmückten Gotteshaus einen Rastplatz für die Seele.

Auch wer zu Weihnachten unterwegs ist, kann im Gotteshaus ausruhen und innehalten, so Pfarrer Volker Strauch.
Foto: be

Die Fachwerkkirche aus dem 17. Jahrhundert zieht Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen an. Das zeigt ein Blick ins Gästebuch. "Es ist gut, einfach mal aus dem Alltagsstress auszubrechen und hier einige Augenblicke der Besinnung zu finden. Dafür bin ich dankbar", schreibt jemand. "Ich bete für die Genesung meiner Mutter, die gerade operiert wird", heißt es an anderer Stelle. "Ich bin auf Dienstreise und möchte meine Sache gut machen", bringt ein Potsdamer seine Hoffnung zu Papier. Ein anderer formuliert seinen größten Weihnachtswunsch: "Lieber Gott, schenke mir bald wieder eine Arbeitsstelle". Ein Besucher aus Dallas in Texas findet: "Schöne Idee, eine Kirche zu haben, die immer offen ist."

Die Autobahnkirche biete den Schutz der Anonymität. "Dort kehrt mancher ein, der nicht christlich gebunden ist. In einen Gottesdienst würde er kaum kommen, doch eine Sehnsucht tragen viele in sich", beschreibt Gemeindepfarrer Volker Strauch das Besondere. Zum Beleg sucht er eine Geschichte aus dem Gästebuch heraus.

Den Schritt gewagt

Die Verfasserin erzählt, sie sei viele Male an der Kirche vorbeigefahren, und es habe sie gereizt, hineinzuschauen. "Aber irgendwas hielt mich immer ab. Vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit hatte ich oft das Bedürfnis. Jetzt, voller Kummer und Sorgen, mache ich den Schritt. Obwohl ich nicht der Kirche angehöre, hoffe ich auf Hilfe."

Einer Studie der Akademie der kirchlichen Versicherer zufolge nutzen rund eine Million Menschen im Jahr in Deutschland eine Autobahnkirche. Zwei von fünf Besuchern gehören selbst keiner christlichen Gemeinde an. Es kommen mehr Männer als Frauen, mehr Verheiratete mit Kindern als Alleinstehende.

Das Dubener Gotteshaus ist seit 1997 sowohl Gemeinde- als auch Autobahnkirche. Die Idee, Reisenden einen Ort der Ruhe zu bieten, hatten die Dubener bald nach der Wende. Die Lage direkt an der A 13 sprach dafür. Aber die Kirche war baulich in marodem Zustand. Durch das Projekt eröffnete sich die Chance, sie in vierjähriger Bauzeit komplett auf Vordermann zu bringen. Das gesamte Fachwerk wurde neu aufgebaut, die Gefache wurden erneuert. Es folgten Restaurierungen am Kanzelaltar. Seit Kurzem wird das Gebäude in der Dunkelheit von einem Außenstrahler angeleuchtet.

Wer durch die Pforte tritt, fühlt sich willkommen. Ein Weihnachtsbaum ist mit handgefertigten weißen Papierengeln kunstvoll geschmückt. Auf einem Adventskranz stecken rote Kerzen. Die Verantwortung für die Autobahnkirche beflügle das Gemeindeleben, sagt Pfarrer Strauch. Eine Gruppe von mehr als 20 Frauen halte die Kirche sauber und schmücke sie aus. "In der schönen Jahreszeit stehen hier immer frische Blumen", erzählt der Seelsorger. Margitta Müller vom Gemeindekirchenrat übernimmt täglich den Schlüsseldienst.

Gemeinde rückt zusammen

Mehrmals im Jahr treffen sich die Mitglieder der Gemeinde zu größeren Putzaktionen. Dabei unterstützen Jüngere die Älteren, steigen fürs Fensterputzen auf die Leiter, beschreibt Volker Strauch das Miteinander. Aus den Ehrenamtlichen sei ein fester Kreis geworden, der auch außerhalb der gemeinsamen Arbeit gern zusammenkomme, ob zu Ausflügen oder unlängst zu einem gemütlichen Adventsnachmittag, sagt er.

Besucher würdigen die Mühe der Helfer im Gästebuch: "Vielen Dank, dass Sie diese Kirche für Reisende offen halten. Wie gut es tut, hier still sitzen zu dürfen in Ihrer schönen kleinen Kirche wunderbar!"

Zum Thema:

44 Autobahnkirchen gibt es in Deutschland. Die erste wurde im Jahr 1958 in Adelsried an der A 8 Stuttgart-München eingeweiht. Der Fabrikant Georg Haindl hatte nach einem tödlichen Verkehrsunfall in der Familie ein Stück Land und den Rohbau der Kirche "Maria, Schutz der Reisenden" gestiftet. Geöffnet ist in der Regel von 8 bis 20 Uhr, so auch in Duben. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.autobahnkirche.de

Carmen Berg

Lausitzer Rundschau vom 24. Dezember 2015

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