Erste Hilfe für Denkmale in Not

Mathias Hausding

Potsdam (MOZ) Denkmalschutz in Brandenburg spielt sich auf vielen Ebenen ab. Am Montag gaben die Ministerinnen für Kultur und für Infrastruktur einen Einblick in die Aktivitäten im abgelaufenen Jahr. Es geht um viele Millionen Euro, aber auch um ein neues und eher kleines Programm: die Denkmalhilfe.

Der Leiter des Südwestkirchhofs, Olaf Ihlefeldt
© dpa

Olaf Ihlefeldt versteht es, in eigener Sache die Werbetrommel zu rühren. Ein Denkmal von Weltrang sei der von ihm geleitete Südwestkirchhof in Stahnsdorf, in Europa gebe es nur in Venedig, Wien und Paris Friedhöfe mit einem ähnlichen Stellenwert. Nicht nur als Begräbnisstätte herausragender Persönlichkeiten, sondern vor allem als Zeugnis bedeutender Bestattungskunst sei der mehr als 200 Hektar große Waldfriedhof erhaltenswert.

Der evangelischen Kirche als Eigentümerin gelinge es, Gebäude, Wegenetze, Wasserleitungen und das Personal zu finanzieren. "Aber mehr nicht", unterstreicht Ihlefeldt. "Beim Denkmalerhalt braucht sie Hilfe." Und die habe es nun gegeben, wie der Friedhofs-Chef am Montag in Potsdam erfreut berichtete. So sei es mit Unterstützung des Landes und bürgerschaftlichem Engagement innerhalb kurzer Zeit gelungen, sieben Mausoleen wieder herzurichten, die unter anderem von Kupferdieben geplündert worden waren.

Der Friedhof profitierte dabei vom frisch aufgelegten Denkmalhilfe-Programm des Landes. 20 000 Euro daraus flossen nach Stahnsdorf. Er hoffe, dass es dieses Programm dauerhaft gibt, sagte Ihlefeldt. Denn es sei noch viel zu tun, um den Friedhof vor Vandalismus zu schützen, etwa die Errichtung eines vier Kilometer langen Zauns. In diesem Jahr waren insgesamt 250 000 Euro in dem Topf für bedrohte Denkmale, 2016 sind es 500 000 Euro.

Eine kleine Summe verglichen mit jener, die in diesem Jahr insgesamt in den Denkmalschutz floss, nämlich mehr als 33 Millionen Euro. Rund 12,3 Millionen Euro stellte das Kulturministerium zur Sanierung von Denkmalen zur Verfügung, weitere 21 Millionen Euro bewilligte das Infrastrukturministerium für den Erhalt von historischen Stadtkernen. Unterstützt wurden dabei Maßnahmen in 30 Kommunen, etwa die Sanierung der Schlosskirche in Altlandsberg (Märkisch-Oderland) oder eines als Begegnungsstätte genutzten Gebäudes in Lenzen (Prignitz).

"Der Verfall der Innenstädte wurde gestoppt. In den Kernen gibt es sogar wieder Wachstum", sagte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Für 2016 bis 2019 seien bereits weitere 51 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel für den städtebaulichen Denkmalschutz bewilligt worden. Die Städte hätten damit Planungssicherheit für anstehende Projekte.

Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) verwies auf die zahlreichen Gutshäuser, Kirchen, Industriebauten und Wohnhäuser im Land als Zeugnisse kultureller Vielfalt, Traditionen und Geschichte. Der Sanierungsbedarf sei hier nach wie vor groß, jedes dritte Gutshaus in einem beklagenswerten Zustand, sagte der Landeskonservator Thomas Drachenberg. Er freue sich deshalb, dass 2015 erstmals jene zusätzlichen Landesmittel zur Sicherung von bedrohten Denkmalen bereitgestellt werden konnten. "Manchmal gibt es nicht sofort eine Nutzung für diese Häuser, dann müssen sie für eine Zwischenzeit zumindest gesichert werden", betonte Drachenberg. Dies gelinge mit dem Denkmalhilfe-Programm. "Wir wollen damit Gebäude aus dem Zeitdruck herausnehmen, Einsturzgefahr abwenden."

Mithilfe eines von Brandenburg kofinanzierten Bundesprogramms wurde darüber hinaus in diesem Jahr die Borsighalle in Eberswalde saniert, die Galopprennbahn Hoppegarten, das einstige königliche Eisenhütten- und Hammerwerk in Peitz, die Klosterkirche Kloster Zinna und die Förderbrücke F 60 in Lichterfeld.

Außerdem erhielt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 7,7 Millionen Euro für den Erhalt ihrer 300 historischen Bauten und 800 Hektar Gartenanlagen. 450 000 Euro flossen an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für die Sanierung des Baubestandes. Rund 2,88 Millionen Euro schließlich gingen an Religionsgemeinschaften für die Sanierung von sakralen Gebäuden.

Märkische Onlinezeitung vom 28. Dezember 2015

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