Restaurierter Kirchturm bekrönt

Münzen und MAZ für 100 Jahre verschlossen

Der Gollwitzer Kirchturm ist wieder im Lot. Mit einem Dankgottesdienst feierte das kleine Dorf bei Warchau das nahe Ende des 1. Bauabschnittes zur Hüllensanierung. Die Kirchturmkugel wurde mit Dokumenten, Münzen und einer MAZ gefüllt.

Fördervereinsvorsitzender Werner Fräßdorf füllt die Kupferhülsen für die Nachwelt mit Münzen, einer MAZ und verschiedenen Dokumenten für die Nachwelt.
Quelle: Frank Bürstenbinder
 
Matthias Weber verlötet die Kupferhülsen mit den Grüßen an die Nachwelt.
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Zahlreiche Gäste verfolgen auf dem Friedhof das Aufsetzen der Turmbekrönung in luftiger Höhe.
Quelle: Frank Bürstenbinder
 
Die Bläser Wolfgang Kollok und Roland Scholz.
Quelle: Frank Bürstenbinder
Noch versperrt das Baugerüst den Blick auf den restaurierten Kirchturm samt Bekrönung und Uhr.
Quelle: Frank Bürstenbinder

Gollwitz/Warchau. Zu den Klängen des Chorals „Großer Gott, wir danken dir“ hat die Gollwitzer Kirche am Sonnabend ihre Turmbekrönung zurückerhalten. Die von den Wusterwitzer Bläsern Roland Schulz und Wolfgang Kollok begleitete Zeremonie war der Höhepunkt eines Dankgottesdienstes. Die Gollwitzer Festgemeinde feierte im Beisein von Superintendentin Ute Mertens den nahenden Abschluss des 1. Bauabschnittes zur Hüllensanierung an dem 850 Jahre alten Gotteshaus.



Weitere Bauabschnitte geplant

Aus dem Leader-Programm für die ländliche Entwicklung hat die EU den Erhalt des architektonischen Kleinods mit 240 000 Euro gefördert. Geplant sind nun zwei weitere Bauabschnitte zur Erneuerung der Fenster und zur Restaurierung des Innenraums.
Die Dorfkirche von Gollwitz wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Sie entstand als einfacher Saalbau aus sorgfältig behauenen Feldsteinen. Der hölzerne Dachturm über dem Westgiebel entstand wohl erst 1878.
Zuletzt war die Kirchturmkugel wohl in den 1970er-Jahren geöffnet worden. 1935 gab es schon mal eine Turmerneuerung, worüber der damalige Bürgermeister Bernhard Kabelitz in einem mit Maschine geschriebenen Brief berichtet, der zum Inhalt der Bekrönung gehört.


Mertens dankte in ihrer Predigt insbesondere den Mitgliedern des Fördervereins, die vor über drei Jahren das Wagnis der Restaurierung auf sich nahmen. „Sie haben ihre Kirche aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Eines Tages werden sie es auch schaffen, dass wieder Glocken im Turm hängen werden“, so Mertens. Im Moment dient das stillgelegte Geläut ausschließlich als Glocke für die neu eingebaute und funkgesteuerte Turmuhr. „So schlägt den Gollwitzern nach vielen Jahren wieder die Stunde“, freut sich Vereinsvorsitzender Werner Fräßdorf.

Den Gollwitzern gelang ein kleines Wunder. Die komplette Turmbekrönung, zu der auch die Wetterfahne und ein Stern gehört, schmückt den wieder ins Lot gebrachten Kirchturm, der mit Lärchenholz neu beplankt wurde. Saniert wurde auch die Feldsteinfassade, deren Risse den Freunden der Kirche besondere Sorge machten. Die Arbeiten am Dach werden in den nächsten Tagen abgeschlossen sein. Schon am Montag soll das Gerüst am Turm fallen. Dann wird der Blick auf die Bekrönung und das neue Ziffernblatt frei. Möglich war der 1. Bauabschnitt unter Leitung von Architektin Heidrun Fleege vor allem dank einer Zuwendung aus dem Leader-Programm der EU für die ländliche Entwicklung in Höhe von 240 000 Euro.

Mitgewirkt haben auch viele private Unterstützer, der Kirchengemeinde, die Denkmalpflege und die Kommune. Der Wusterwitzer Pfarrer Holger Zschömitzsch sicherte den 17 Mitstreitern des Förderverein auf für die Zukunft die Unterstützung der Kirchengemeinde zu. „Ich bin sehr dankbar. Ohne den Verein hätten wir das nie auf die Reihe bekommen“, so Zschömitzsch. Der Pfarrer leitete den ersten Gottesdienst in diesem Jahr in Gollwitz. In einem Nutzungsvertrag ist vereinbart, dass im Gotteshaus auch weltliche Veranstaltungen wie Konzerte und Lesungen stattfinden können.

Als Gruß an die Nachwelt füllte Vereinsvorsitzender Fräßdorf zwei kupferne Hülsen mit Dokumenten und Münzen. Darunter eine aktuelle Ausgabe der Märkischen Allgemeinen Zeitung, einem Foto mit den Gründungsmitgliederns des Fördervereins sowie einem Euro-Starterkit und DDR-Geld. Zurück in die Turmkugel ist auch der Inhalt einer verzinkten Stahlblechhülse gekommen, die bei der Abnahme der alten Bekrönung im März 2017 geöffnet worden war. Darunter Geldscheine aus der Inflationszeit, ein zeitgenössischer Bericht und die Magdeburger Tageszeitung von 1935.

Beide Behälter wurden von Matthias Weber, aus dessen Saarmunder Blechwerkstatt die Bekrönung stammt, fachgerecht zugelötet. „Damit ist der Inhalt mindestens für eine Generation vor Feuchtigkeit geschützt“, versprach der Handwerksmeister.

Pfarrer Zschömitzsch wünschte sich dagegen, dass die Kugel in den nächsten 100 Jahren nicht mehr geöffnet werden muss. Die Pläne des Fördervereins gehen schon weiter. Ein Zuwendungsantrag für den Start der Innensanierung ist bereits gestellt. Neu ist die ebenerdige Tür am Westgiebel, die künftig älteren Menschen den Gang in die Kirche erleichtert. Der bisherige Eingang wurde restauriert und bleibt erhalten.

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine vom 09. September 2017

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