Anne Golling

Zwischen Tradition und Zukunft

Groß-Ziethen (MOZ) Anpacken, mitgestalten - das hat Tradition in Groß-Ziethen. So hat der Verein "Lebendiges Hugenottenerbe" maßgeblich beigetragen zum Gelingen des Jubiläumsfestes zum 300. Jahrestag des Wiederaufbaus der Kirche durch die Hugenotten.

Jauchzet dem Herrn alle Welt: Unter diesem Motto singt der Kammerchor der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule "Friedrich Wilhelm von Redern" Angermünde unter der Leitung von Dorothea Janowski geistliche Werke
© Anne Golling

"Mehr als 30 Jahre hat es gebraucht von der Einwanderung 1686 bis zur Fertigstellung", erinnerte Pfarrerin Cornelia Müller im gut besuchten Gottesdienst am Sonnabend an die Trümmer des Dreißigjährigen Krieges. 1717 wurde die Kirche als französisch-reformierte neu in Betrieb genommen. Zunächst fanden die einstigen Fremdlinge hier weniger Heimat als Exil. "Doch sie waren gewohnt anzupacken. Heute ist ihre Geschichte die einer gelungenen Integration", so Cornelia Müller.

Gäste vor der Kirche: Gut besucht ist der Eröffnungsgottesdienst anlässlich des Jubiläums.
© Anne Golling

Sie erinnerte auch an die verstorbene Pastorin Heike Schulze, die die Sanierung der Kirche angeschoben hatte. "Stellvertretend" hielt Claus Dieter Schulze die Dialogpredigt. Anschließend wurde das Kunstwerk enthüllt, das den Spendern gewidmet ist, die die Instandsetzungsarbeiten 2011/2012 ermöglichten.

Grußworte zum Jubiläum kamen unter anderem von den calvinistischen Gästen aus der dänischen Partnergemeinde, bevor es musikalisch weiterging mit einem Konzert mit dem Ensemble Uccellini und dem Kammerchor der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde. Am Abend verwöhnte Jens Köhler aus Schwedt die Gäste mit einem Hugenottenmenü.

Der Sonntag stand im Zeichen der Historie: Während es im Pfarrgarten beim Geocaching, einer Art digitalen Schatzsuche, spielerisch auf Spurensuche gehen sollte, standen in der Dorfkirche Vorträge von dem Potsdamer Professor Matthias Asche sowie Groß-Ziethens Gemeindeältesten Robin Villain auf dem Programm.

Im Pfarrhaus gab es neben dem pünktlich zum Jubiläum fertiggestellten Film eine Ausstellung zu sehen. Und Kunsthandwerker Joachim Brückner öffnete Interessierten die Galerie in der Alten Schmiede: Hier sind derzeit Werke Wolfgang Arnolds ausgestellt: "Von Vierraden bis Altlandsberg - Kirchen in Brandenburg".

Ein Anliegen, das Cornelia Müller außerdem verkündete, war die Bewerbung des Vereins für den PSD-Zukunftspreis mit dem Ziel des Umbaus des Pfarrhauses zum Dorfgemeinschaftshaus. Abgestimmt werden kann online unter www.psd-zukunftspreis.de. Denn, so wünschte es sich die Pfarrerin: Das Fest möge Zeichen des Aufbruchs gewesen sein. Anpacken, mitgestalten - das soll hier nicht nur Tradition, sondern auch Zukunft sein.

Märkische Onlinezeitung vom 19. September 2017

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