Ferchesar (Havelland)

Kirchenorgel wird aufwendig saniert

Der Orgelbauer Michael Reinecke kommt aus Ferchesar (Havelland). Jetzt hat er in Pinneberg (Schleswig-Holstein) seinen Betrieb. Durch seine Vermittlung ist es gelungen, für die Kirche Ferchesar eine Orgel aus Münster zu besorgen. Diese repariert Reinecke nun.

Orgelbauer Michael Reinecke (r) erklärt dem Vorsitzenden des Fördervereins Kirche Ferchesar, Matthes Mustroph, Einzelheiten zur Restaurierung der Chorraumorgel.
Quelle: Norbert Stein
 
So sieht die neue Orgel aus.
Quelle: Norbert Stein
 
Die Dorfkirche in Ferchesar.
Quelle: Stork, Fröhlich

Ferchesar. Michael Reinecke überprüft das Register der kleinen Chorraumorgel in der Dorfkirche Ferchesar. Die Restaurierung der Orgel ist für den 33-Jährigen ein Heimspiel. Seine Mutter wohnt in einem der ältesten und schönsten Fachwerkhäuser von Ferchesar. Er ist in dem Dorf aufgewachsen und hat seinem Opa Werner Zachen oft bei der Arbeit zugeschaut. Werner Zachen war Schmied.

2002 endete die Tradition

Im Jahr 2002 endete die 1615 gegründete Handwerks-Schmiedetradition in Ferchesar. Michael Reinecke hatte keine Ambitionen Schmied zu werden. Schon als Kind fühlte er sich mehr zur Musik hingezogen und sah auf diesem Gebiet dann auch seine handwerkliche Zukunft. 2003 ging er nach Nordrhein-Westfalen, um Orgelbauer zu lernen.

Bundesweit unterwegs

Heute ist er in Pinneberg, Schleswig-Holstein, selbstständig und restauriert bundesweit Orgeln. Den Kontakt nach Ferchesar hat er schon der Mutter wegen niemals verloren. Michael Reinecke besucht sein Heimatdorf am Ferchesarer See regelmäßig. Nun ist er schon zwei Wochen hier und restauriert in der Dorfkirche die Chorraumorgel.

„Die kleine Orgel ist für unsere Gemeinde ein Glücksfall“, sagt Matthes Mustroph, Vorsitzender des Fördervereins Kirche Ferchesar und berichtet im Chorraum von einer Zufallsbegegnung mit der eine Erfolgsgeschichte begann.

Die Zufallsbegegnung

Im Jahr 2015 zur Bundesgartenschau im Havelland machten Besucher aus Westfalen Urlaub im Campingpark am Ferchesarer See. Sie besichtigten auch die Dorfkirche und ihnen fiel auf, dass die Kirche keine Orgel hat. Matthes Mustroph erklärte, dass die alte Orgel aufgrund ihres desolaten Zustandes schon vor etlichen Jahren abgebaut werden musste und dass sich die Gemeinde eine neue Orgel finanziell nicht leisten kann.

Ihre evangelische Jakobus-Kirche in Münster bekomme eine neue Orgel, berichteten die Besucher und die Gemeinde werde ihre bisher genutzte, im Jahr 1960 erbaute Chorraumorgel, abgeben. Der Ferchesarer Förderverein wurde hellhörig, nahm mit der Kirchengemeinde in Münster Kontakt auf und erfuhr zunächst, dass die Chorraumorgel verkauft werden soll.

Den Erlös wollte die Jakobus-Gemeinde spenden für die Sanierung einer Orgel in Ostdeutschland. Als die Havelländer jedoch erklärten, sie würden das Instrument gerne in ihrer Dorfkirche aufstellen und erklingen lassen, bekamen sie die Chorraumorgel geschenkt. Geholfen hat dem Ansinnen sicher der Umstand, dass der Bruder von Mattes Mustroph Pfarrer in Münster ist. So kam die Orgel nach Ferchesar und wird nun von Michael Reinecke restauriert.

Abschluss kommende Woche

Mitte nächster Woche wird der Orgelbauer seine Arbeit abschließen. Dann wird er so ziemlich jedes Einzelteil in den Händen gehabt und alle notwendigen Reparaturen erledigt haben. Die Orgelpfeifen – insgesamt 382 Stück – hat er dann überholt und gestimmt, die Ventile neu befestigt, den Motor für die Windversorgung aufgearbeitet und vieles mehr erledigt.

Festgottesdienst mit Superintendent

Beim Festgottesdienst am 21. Oktober um 14 Uhr zum feierlichen Abschluss eines großen Bauabschnitts wird die Orgel das erste mal erklingen. Der Orgelbauer selbst wird das Instrument spielen. Thomas Tutzschke, Superintendent des Kirchenkreises Nauen-Rathenow, hält die Festpredigt. Der Heimatchor Ferchesar singt und nach dem Gottesdienst sind die Besucher zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen.

Rund 400 000 Euro haben Kirchengemeinde und Förderverein in den letzten Monaten mit Hilfe von Fördermittlern in die Kirchensanierung investiert.

Von Norbert Stein

Märkische Allgemeine vom 14. Oktober 2017

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