GELD FüR KUNOWER KIRCHE

Sammeln für vergessene Kunst

Breites Bündnis von Ministerien, Behörden und Kirche organisiert Hilfe für vom Verfall bedrohte Sinnbilder der Kunower Dorfkirche

von Benjamin Lassiwe

An den Kunstschätzen der Kunower Kirche hat der Zahn der Zeit genagt.
Foto: BLDAM 2017
 
Der Lack ist ab: Die Illustrationen von Bibelsprüchen am Kunower Kirchengestühl stammen aus dem 18. Jahrhundert und müssen dringend restauriert werden.
Foto: BLDAM 2017

Aus der Wolke am Himmel heraus ist eine Hand zu sehen, die Hand Gottes. Sie hält eine Gießkanne. Aus der Gießkanne tropft Wasser auf ein rotes Herz mit Augen. Die Augen gucken etwas bedröppelt. So illustrierte ein Maler des 18. Jahrhunderts den Bibelspruch „Ich werde gereinigt werden“ aus dem Evangelium nach Matthäus. Zu sehen ist diese Malerei am Kirchengestühl der Dorfkirche von Kunow in der Uckermark, ganz in der Nähe von Schwedt.

Kalte Dusche für ein bedröppeltes Herz: Den Spruch „Ich werde gereinigt werden“ illustrierte der Maler augenzwinkernd.
Foto: BLDAM 2017

Zusammen mit 60 weiteren Malereien aus derselben Kirche steht sie im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“, bei der das Brandenburger Kultusmunisterium, das Landesamt für Denkmalpflege, der Förderkreis „Alte Kirchen“ und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zum mittlerweile neunten Mal für den Erhalt bedrohter Kunst aus märkischen Dorfkirchen sammeln.

Die Malereien dienten nach Angaben von Landesbischof Markus Dröge dazu, „mit Bildern das Wort Gottes deutlich zu machen“. Heute sind sie stark beschädigt und müssen dringend restauriert werden – was nach Angaben von Landeskonservator Thomas Drachenberg 17 000 Euro pro Gestühl kosten würde. 90 000 Euro wären für alle Bänke in der Kirche erforderlich. Im vergangenen Jahr hatte die Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ rund 9000 Euro für die Sanierung eines Epitaphgemäldes erbracht. Die in diesem Jahr im Zentrum stehenden Malereien sind laut Drachenberg eines der aussagefähigsten Beispiele ihrer Art in Norddeutschland. Vergleichbare Kunst finde man in Brandenburg vor allem in der Uckermark. „Ähnliche Beispiele gibt es im früheren Schwedisch-Pommern, in Schweden und in Dänemark“, sagt Drachenberg. Hier zeigt sich offenbar ein eher nordischer Einfluss in der Mark.

Brandenburgs Kultusministerin Martina Münch (SPD) betonte, dass die Kirchen, Kapellen, Klöster und Pfarrhäuser des Landes dazu beitrügen, Identität zu stiften. Seit 1990 habe man mit Hilfe der EU, des Bundes, des Landes, der Kirchen, des Förderkreises Alte Kirchen und vieler Ehrenamtlicher unter anderem rund 320 Stadtkirchen, 1500 Dorfkirchen, 17 Klosteranlagen und 260 Pfarrhäuser in Brandenburg sichern können. Im kommenden Jahr werde für die Rettung bedrohter Denkmale und Klöster gezielt eine Million Euro im Rahmen der so genannten Denkmalhilfe bereitgestellt.„Der Erhalt der Dorfkirchen in Brandenburg ist für uns als Evangelische Kirche von ganz besonderer Bedeutung“, sagt auch der Bischof der EKBO, Markus Dröge. Niemand denke an seine Heimat, ohne nicht auch die Kirche vor Augen zu haben. „Und wer an seine Dorfkirche denkt, der spürt vielleicht das knarrende Holz des Bodens unter seinen Füßen, der hat den besonderen Lichteinfall vor Augen, die ehrwürdige Patina auf Gemälden und Skulpturen, den Klang von Orgel und Glocken – jede Dorfkirche ist eben einmalig und erhaltenswert.“

Der Prignitzer vom 29. November 2017

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