ÜBERRAGENDE RESONANZ AUS GANZ BRANDENBURG AUF SPENDENAUFRUF ZUGUNSTEN DES KUNOWER KIRCHENGESTüHLS

Rettung der Herzensbilder

Oliver Schwers

Kunow (MOZ) Ganz Brandenburg sammelt für die Kunower Dorfkirche. In nur zwei Wochen hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg 16 000 Euro für die Sanierung des äußerst seltenen Chorgestühls erhalten. Solch eine Resonanz gab es noch nie auf eine derartige Spendenaktion.

Bilderzyklus am Kirchengestühl in Kunow: 61 solcher Werke gehören zur Innenausstattung. Sie stammen von 1729 und illustrieren Bibelzitate. Die Darstellungen sind in ihrer Ausführung wie auch in ihrem Umfang einzigartig in Norddeutschland. Ganz Brandenburg
© Foto: MOZ/Oliver Voigt
 
Das originale Vorbild: Nach solchen Vorlagen wurden in mehreren Kirchen Kopien gefertigt.
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Bernd Janowski ist überglücklich: "Es übersteigt alle Erwartungen", so der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Nach einer brandenburgweiten Veröffentlichung in zahlreichen Medien hagelte es aus dem gesamten Land und aus Berlin Privatspenden. Manche gaben ein paar Euro, viele aber auch 300 bis 500 Euro. Zu den Unterstützern zählten viele neue Interessenten, die noch gar nicht in der Spenderdatei des Förderkreises enthalten waren.

Die große Resonanz liegt offenbar im Ungewöhnlichen: Es handelt sich um ein "vergessenes Kunstwerk". Denn die Kunower Kirche birgt einen Bilderschatz in ihrem Inneren. Erhalten geblieben ist dort ein aus 61 Darstellungen bestehender Zyklus emblematischer Malerei aus dem Jahre 1729. Es soll der umfangreichste Bestand solcher Sinnbilder mit Bibelzitaten in einer norddeutschen Kirche sein. "Es ist etwas sehr Emotionales", erklärt Bernd Janowski die unerwartete Aufmerksamkeit. Denkmalpfleger, Kirchenleute und Kunsthistoriker wissen seit langer Zeit um die besondere Ausstattung des Kunower Kirchengestühls. Jetzt rückt es in den Blick vieler Menschen, die noch nie in der Uckermark waren. Das ging schon dem Fredersdorfer Mittelalteraltar so, der sich plötzlich im Mittelpunkt einer Ausstellung sakraler Kunst im Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte in Potsdam wiederfand. Auch hier flossen sofort Spenden für die Wiederherstellung der übermalten Bilder.

Ursprünglich hatte sich der Förderkreis vorgenommen, ein komplettes Kastengestühl mit neun Bildern restaurieren zu lassen. Fast 17 000 Euro sind dafür veranschlagt. Es sollte ein Anfang sein, um weitere Förderer auf den Bilderschatz mit der besonderen Herzsymbolik aufmerksam zu machen. Sie geht zurück auf den Stettiner Theologen Daniel Cramer, der im 17. Jahrhundert 100 solcher Bilder publizierte. Das Geld ist zusammen. Im Frühjahr verlässt der erste Teil des Gestühls die Kirche und wandert in eine Restaurierungswerkstatt nach Falkensee.

Der Förderkreis will weitermachen. Denn insgesamt werden 90000 Euro für alle 61 Sinnbilder benötigt. Die zeigen nicht nur eine besondere Volksfrömmigkeit, sondern auch einen nicht zu vermutenden hintersinnigen Humor. "Mein Lieblingsspruch lautet: Mein Unglücksursach' bin ich selbst", sagt Bernd Janowski. Die Darstellungen sind sogar als Versandkarten gedruckt worden.

Doch die Originale sind in ihrem Bestand gefährdet. Ebenso das tragende Kirchengestühl. Daher wirbt der Förderkreis um weitere Spenden und Einzel-Patenschaften für ein Bild. Fünf davon gibt es schon. "Im Frühjahr machen wir Kassensturz und sehen, wie weit wir mit der Restaurierung kommen."

Eine ähnlich hohe Resonanz hat einst der Aufruf zur Rettung brandenburgischer Taufengel gefunden. Auch sie gehören zu den "vergessenen Kunstwerken".

Vergessene Kunstwerke:

Die diesjährige Spendenaktion des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg widmet sich 61 Sinnbildern in der Kunower Dorfkirche. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert. Kulturministerin Martina Münch, Bischof Markus Dröge von der evangelischen Landeskirche und Landeskonservator Thomas Drachenberg unterstützen den Aufruf.
Es ist die neunte Aktion dieser Art. Im vergangenen Jahr kamen dabei rund 9000 Euro für die Sicherung des Epitaphgemäldes in der Dorfkirche Blankensee (Teltow-Fläming) zusammen. Insgesamt flossen in den vergangenen Jahren rund 150 000 Euro für vergessene Kunstwerke, darunter auch für die berühmten Taufengel.
Passend zur aktuellen Spendensammlung läuft noch bis 28. Januar im Schwedter Stadtmuseum die Ausstellung: Reformation mit Herz.
Vergessene Kunstwerke: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Konto 3911390, IBAN DE94 5206 0410 0003 9113 90, Stichwort Kunow

MOZ.de vom 21. Dezember 2017

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