SOWOHL AN DER GRANSEER MARIENKIRCHE ALS AUCH AM GEMEINDEHAUS SIND UMFANGREICHE REPARATURARBEITEN NOTWENDIG

Investitionen von mehr als einer Million

Sandra Jütte

Gransee (GZ) Die Granseer Sankt Marienkirche braucht dringend eine Verjüngungskur: Sowohl der Glockenstuhl als auch die beiden Türme und einige Sockel unter den Säulen sind baufällig und müssen in den kommenden Jahren saniert werden. Dafür wurden bereits Spenden gesammelt.

Eines der Sorgenkinder von Pfarrer Christian Guth: Derzeit läutet die größte der vier Glocken der Marienkirche nur an Feiertagen, da der Klöppel sich zusehends abgenutzt hat.
© Foto: GZ/Sandra Jütte

Rund 675000 Euro fallen insgesamt in den kommenden zehn Jahren für Reparatur- und Sanierungsarbeiten an der Kirche sowie am Gemeindehaus in der Klosterstraße an, schätzt Pfarrer Christian Guth. "Deshalb sind wir auch auf Fördermittel und Spenden angewiesen", sagt der Geistliche. Ohne könne so eine kleine Kirchengemeinde das gar nicht stemmen. Seit 2015 seien durch Spenden immerhin 28500 Euro zusammengekommen - bei der hohen Investitionssumme jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Zumindest die Finanzierung für den ersten Bauabschnitt an der Marienkirche, deren Grundsteine bereits im 13. Jahrhundert verlegt wurden, ist nun aber gesichert: Spätestens im Sommer soll die Sanierung des Steinturmes, dem rechten der beiden Ecktürme - der auch besichtigt werden kann -, beginnen. Zwar wurde der Mörtel zwischen den historischen Steinen erst in den 90er-Jahren neu verputzt, allerdings sind die Steine selbst "sehr atmungsaktiv und sie reagieren stark auf Wettereinflüsse", erklärt Guth. Die aufgeplatzen Elemente müssen Stück für Stück ausgetauscht und der Turm so fast vollständig nach und nach saniert werden. "Die Handarbeit macht es langwierig und teuer", erklärt der Pfarrer. Die Kosten von mehr als 176000 Euro trägt zum größten Teil die Kirche, knapp über 82000 Euro steuern die Stadt Gransee sowie das Land Brandenburg und der Bund bei. Nachdem das Vorhaben aufgrund fehlender Fördermittel zunächst aufgeschoben werden musste, sollen die Bauleistungen nun "in den kommenden Wochen ausgeschrieben werden", gibt Christian Guth an.

Der eigentlich baugleiche und somit ähnlich marode Schieferturm, der nach einem Stadtbrand im Jahr 1711 statt mit Steinen mit Schieferplatten gedeckt wurde, muss dagegen noch warten. "Wir haben einfach nicht die Mittel, beide zu sanieren", betont Pfarrer Guth. Für den Steinturm habe die Kirchengemeinde leichter Fördermittel bekommen, da er ein Touristenmagnet sei. Mit den Arbeiten am Schieferturm rechnet Guth dagegen frühestens 2020.

Noch in diesem Jahr müssen hingegen einige der äußeren Sockel der Kirche, die ebenfalls witterungsbedingte Schäden aufweisen, für voraussichtlich 35000 Euro saniert werden. "Da sie das Fundament für die Säulen sind, hängen diese sonst irgendwann in der Luft", verdeutlicht der Geistliche. Fördermittel sind dafür nicht in Sicht, nur Zuschüsse der Landeskirche und des Kirchenkreises.

Sorgen bereitet dem Pfarrer zudem der Glockenstuhl. Schon im Herbst hatte ein Gutachten aufgedeckt, dass nicht nur zwei der tonerzeugenden Klöppel wegen Abnutzung ausgetauscht werden müssen. Ein Teil der Anlage ist vom Rost befallen und durch das Holz, an dem die Glocken aufgehängt sind, frisst sich zunehmend die Fäulnis. Derzeit dürfen nur zwei der vier Glocken, die zwischen einer halben und 3,5 Tonnen wiegen, überhaupt läuten. Hinzu kam in der vergangenen Woche Feuchtigkeit, die aus bisher ungeklärten Gründen vom Dach des Steinturmes tropft und das Holz weiter angreift. Mit einer Plane hatte der Pfarrer den Glockenstuhl notdürftig geschützt. Dabei fiel auf, dass auch ein Stahlseil gerissen ist, das normalerweise den Stundenschlag erzeugt. Die Kosten für alle Reparaturen im Glockenstuhl schätzt Christian Guth auf einen kleinen, fünfstelligen Bereich. "Wir sind derzeit dabei, Angebote einzuholen. Ziel ist, dass die Glocken so schnell wie möglich wieder läuten", sagt der 32-Jährige.

Doch damit nicht genug: Auch das fast 100 Jahre alte Gemeindehaus soll noch 2018 renoviert werden, zumindest im Erdgeschoss. Neben neuen Elektro- und Wasserleitungen sind ein Anstrich und eine Fußbodenheizung im Saal sowie ein Umbau der Küche und behindertengerechte Toiletten geplant. Kostenpunkt: noch einmal 170000 Euro. Später soll dann das Obergeschoss folgen. Hier hofft Guth auf Fördermittel vom Kirchenkreis und von einer Stiftung, denn "unser Jahresbudget beträgt gerade mal 100000 Euro für alle Aufgaben".

MOZ.de vom 31. Januar 2018

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