Rastplatz für die Seele

Zur etwas anderen Rast auf kilometerlanger Fahrt lädt die Autobahnkirche Duben ein. Natürlich ist sie aber auch Heimstatt der hiesigen Gemeinde 
Zur etwas anderen Rast auf kilometerlanger Fahrt lädt die Autobahnkirche Duben ein. Natürlich ist sie aber auch Heimstatt der hiesigen GemeindeGroßbildansicht
Handwerkerarbeit aus dem 17. Jahrhundert - Blick in den schlichten, von einheimischen Hölzern dominierten Inneraum der Kirche mit dem schönen Kanzelaltar
Handwerkerarbeit aus dem 17. Jahrhundert - Blick in den schlichten, von einheimischen Hölzern dominierten Inneraum der Kirche mit dem schönen KanzelaltarGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Egal wo man unterwegs ist auf den Autobahnen in Deutschland - das Hinweisschild taucht immer mal wieder vor einer der Abfahrt auf: "Autobahnkirche". 28 gibt es davon mittlerweile im gesamten Bundesgebiet. Eine davon befindet sich auch im Landkreis Dahme-Spreewald - im Dörfchen Duben direkt an der gleichnamigen Ausfahrt zwischen Lübben und Luckau lädt die hübsche, täglich ab den frühen Morgenstunden bis in den Abend hinein geöffnete Fachwerkkirche zum Zwischenstopp während der vielen Kilometern von A nach B ein.

In Autobahnkirchen, so erklärt Birgit Krause von der die Gotteshäuser koordinierenden Akademie Bruderhilfe, einer Versicherung für den kirchlichen Dienst, werde nicht wie an den herkömmlichen Raststätten hauptsächlich der Körper gestärkt, "sondern es kommen vor allem Geist und Seele zu ihrem Recht. Kraft- und Beifahrer können vom Verkehrsstress entspannen, zur Ruhe kommen und natürlich auch Andacht halten. Wir verstehen dieses Angebot durchaus auch als einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit. Wer eine Kirche besichtigt oder darin gebetet hat, der wird sich in der Regel wieder mit viel wacheren Sinnen auf die Straße begeben." Die Kirchen sind nicht mehr als einen Kilometer von der Autobahn entfernt. Entweder haben sich die Kirchgemeinden an die Akademie Bruderhilfe gewandt, um ihre Häuser ganz bewusst für "Fremde" zu öffnen. Oder aber die Autobahnkirchen bzw. -kapellen wurden speziell zu diesem Zweck von Menschen oder Firmen gestiftet. Die erste Autobahnkirche wurde 1958 eingeweiht. In den neuen Bundesländern gibt es inzwischen acht, weitere können durchaus noch hinzukommen.

Natürlich war im Dubener Fall die Kirche lange vor der Autobahn da. Der typische Niederlausitzer Fachwerkbau mit Turm stammt vermutlich aus dem Jahre 1684. Das legt zumindest eine Inschrift "31. Martis 1684" in der Kanzeltreppe nah. Sie wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg von den Handwerkern und Bauern der Region mit hiesigen Baumaterialien errichtet- Kiefer und Eiche kamen aus den umliegenden Wäldern, die Ziegel zum Ausmauern der Gefache wurden in Nachbarorten wie zum Beispiel Niewitz gebrannt. Im Kircheninneren beeindrucken noch heute die wuchtigen Holzkonstruktionen für Decke und Emporen, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach aufgefrischt wurden. Aus einem Gemeindebeschluss des Jahres 1875 geht zum Beispiel hervor, dass das Gebäude "... auswendig vollständig abgeputzt, inwendig gedielt und neu gestrichen wird". 2043 Mark wurden für Material und Arbeitsleitung veranschlagt.

Sehenswert im erhaltenen historischen Innenraum ist vor allem der Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert, der allerdings noch auf eine Restaurierung wartet. Das Gebäude selbst, so Pfarrer Hans-Joachim Walzer, befindet sich in einem guten baulichen Zustand. Es ist nach der Wende saniert worden, schließlich zum vierten Advent 1997 als Gotteshaus der Gemeinde und eine der ersten Autobahnkirchen im Osten des Landes wiedereröffnet worden. Die Gemeinde habe diese Entscheidung nicht bereut, berichtet der Pfarrer. "Die Dubener sind mittlerweile sehr stolz darauf, dass ihre Kirche so gern und oft besucht wird."

Weitere Informationen zur Kirche unter der Rufnummer 035456224 (Evangelisches Pfarramt Terpt) und generell zu den Autobahnkirchen Deutschlands unter www.autobahnkirche.info.

 

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