Prachtvoller "Dom der Niederlausitz"

Die Luckauer Nikolaikirche reckt sich stolz über die Dächer der Altstadt und trägt zurecht den Beinamen "Dom der Niederlausitz" 
Die Luckauer Nikolaikirche reckt sich stolz über die Dächer der Altstadt und trägt zurecht den Beinamen "Dom der Niederlausitz"Großbildansicht
Die doppelläufige Wendeltreppe und die Privatlogen des wohlhabenden Bürgertums gehören zu den Glanzstücken der reichen Innenaustattung
Die doppelläufige Wendeltreppe und die Privatlogen des wohlhabenden Bürgertums gehören zu den Glanzstücken der reichen InnenaustattungGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Selbst da Baugerüste den Innenraum zum Teil verstellen, da der gewaltige Hochaltar hinter Planen verschwunden ist, so ist der Empfang in der Nikolaikirche zu Luckau trotz des gegenwärtigen Rekonstruktionsgeschehens dennoch überwältigend. Der mächtige Bau mit dem großen Satteldach und den zwei gedrungenen Türmen wird zurecht hin und wieder mit dem Beinamen "Dom der Niederlausitz" geadelt, gilt er doch als einer der größten und schönsten Stadtkirchen der Mark Brandenburg.

Ihre heutige Außenansicht verdankt die gotische Backstein-Hallenkirche mehreren Bauphasen zwischen der Mitte des 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts. Zunächst entstand der heute noch sehr gut zu erkennende, schon sehr mächtige Feldsteinunterbau unter den beiden Türmen. Rund 100 Jahre später folgte - schon mit Backsteinen - die Erweiterung zur dreischiffigen Kirche mit den Türmen. Und schließlich gelangte das Markgraftum Niederlausitz und die Stadt Luckau - seit 1370 zum Besitz der böhmischen Krone gehörend - unter Kaiser Karl IV. zu solch wirtschaftlicher Blüte, so dass der Ort zahlreiche Privilegien genoss und die Kirche nachdrücklich auf Geheiß des Kaisers weiter vervollkommnet und sogar zu einer Wallfahrtsstätte mit einem der frühesten Hallenumgänge der Lausitz ausgebaut wurde. Mit einer Gesamtaußenlänge von 71,4 Metern erhielt der Bau fast die gleichen Maße wie die Oberkirche in Cottbus oder die Nikolaikirche in Berlin. Am Südostportal sind die zu jener Zeit entstandenen Konsolköpfe des Kaisers und seiner Gemahlin, Elisabeth von Pommern, erhalten.

Solch Daten und Details kann der Besucher im reichlich ausliegenden Informationsmaterial nachlesen und beim Rundgang aufspüren. Oder aber er begibt sich in die Obhut der rund 15 Kirchenführer, die jedes Wochenende von 13 bis 16 Uhr die Pforten öffnen und bereitwillig Auskunft geben. Dabei kann es sogar passieren, dass eine Katholikin wie Margret Leonhard für die Schätze des evangelischen Gotteshauses begeistert. "Das hat sich so ergeben, als zur Landesgartenschau in Luckau Stadt- und Kirchenführer gesucht wurden. So ist ein Stück Ökumene entstanden, die hier mittlerweile zum Alltag gehört", berichtet die Lehrerin, die sich inzwischen mit großer Lust an Lehrgängen für ehrenamtliche Kirchenführer beteiligt.

Und hier kann sie wahrlich aus dem vollen schöpfen. Zwar brachte ein verheerender Stadtbrand von 1644 die prächtige Kirche zum Einsturz und vernichtete die gesamte reiche Innenausstattung. Aber der mittelalterliche Kirchenraum wurde über 20 Jahre lang wieder aufgebaut und in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit einem neuen üppigen Innenleben versehen, so dass man heute von einer besonders gelungenen und sensiblen Verschmelzung von Gotik und Barock spricht. Margret Leonhard verweist mit spürbarem Stolz auf die Prachtstücke - die fein ziselierte und reich geschmückte Sandsteinkanzel des Torgauer Bildhauers Andreas Schultze aus dem Jahre 1666; die hölzerne Taufe mit biblischer Malerei von 1671, die bereits restauriert werden konnte; den arg in Mitleidenschaft gezogen Altar aus dem Jahre 1670 mit vier großformatigen Gemälden zum Abendmahl, zur Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt, die nun wieder restauriert werden können; die feingliedrige raffinierte doppelläufige Wendeltreppe von 1673 aus der Werkstatt des Luckauer Tischlermeisters Joachim Bandigk, die den Zugang zu den Emporen ermöglichte; die grandiose Donat-Orgel mit beweglichen Figuren und Spielregistern von 1672/73, die den ersten krönenden Abschluss der neuen Innenausstattung bildete. Etwas später - ab Anfang des 18. Jahrhunderts - kamen noch die verspielt wirkenden Patrizier- oder Bürgerlogen dazu, die sich wohlhabende Honoratioren der Stadt als zusätzliche private Emporen einsetzen ließen. "Die wurden vorgefertigt und komplett hier eingebaut. Deswegen sieht auch jede anders aus", erklärt die Kirchenführerin.

Seit 1999 wird das großartige Luckauer Gotteshaus saniert. Gelder kommen vom Bund, Land, Landkreis, von der Stadt, der Stiftung Denkmalpflege und natürlich der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Sponsoren machen weitere Teilschritte wie die Altarsanierung möglich. "Es geht voran, zwar langsam aber immerhin", freut sich Margret Leonhard, "und auch das Besucherinteresse ist seit der Landesgartenschau vor vier Jahren deutlich gewachsen. Das macht Mut und zeigt, dass sich die Mühe lohnt."

Die Kirche kann auch in der Woche nach Anmeldung im benachbarten Gemeindebüro besichtigt werden. Weitere Informationen unter der Rufnummer 03544/2339 oder unter www.kirche-luckau.de

 

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