... und sing Lieder im hohen vollen Chor

Zum 300. Geburtstag des Kirchendichters enthüllte die Stadt Lübben das Gerhardt-Denkmal vor dem Gotteshaus  
Zum 300. Geburtstag des Kirchendichters enthüllte die Stadt Lübben das Gerhardt-Denkmal vor dem GotteshausGroßbildansicht
Blick übers Mittelschiff in den Chorraum, wo Altar, Taufe und Kanzel eine fast 400 Jahre alte künstlerische Einheit bilden
Blick übers Mittelschiff in den Chorraum, wo Altar, Taufe und Kanzel eine fast 400 Jahre alte künstlerische Einheit bildenGroßbildansicht
  Das Paul-Gerhardt-Fenster in der Sakristei gehört zu den Kostbarkeiten der reichen Kirchenausstattung
Das Paul-Gerhardt-Fenster in der Sakristei gehört zu den Kostbarkeiten der reichen KirchenausstattungGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Sie kommen aus dem ganzen Land, aus Dänemark, Spanien oder Überseee. Sie setzen sich in die Kirchenbänke, studieren das ausliegende reichhaltige Informationsmaterial und singen SEINE Lieder. Die Lübbener Paul-Gerhardt-Kirche ist eine Wallfahrtsstätte zu dem nach Luther bedeutendsten deutschen Kirchenlieddichter. Die Mitglieder der Kirchengemeinde öffnen das Gotteshaus die ganze Woche über. Es wird ihnen gedankt mit gutem Besuch und regem Interesse. Und die Gäste aus nah und fern werden nicht enttäuscht, begegnen sie doch dem Pfarrer, der von 1669 bis zu seinem Tode 1676 an der Kirche wirkte, auf Schritt und Tritt.

Seit den Feierlichkeiten zu seinem 300. Geburtstag im Jahre 1907 steht er überlebensgroß in Bronze gegossen, mit dem Liederbuch in der Hand und ein geborstenes Kanonenrohr hinter sich lassend, auf dem Sockel vor der Kirche. Mit einigen seiner Verse versehen ist dieses Denkmal eine Hommage an den Friedensmanns, der zum Ende des Dreißigjährigen Krieges dichtete: "Gottlob nun ist erschollen das edle Fried- und Freudenwort, dass nunmehr ruhen sollen die Spiess und Schwerter und ihr Mord, wohlauf und nimm nun wieder dein Saitenspiel hervor, O Deutschland und sing Lieder im hohen vollen Chor."

Im Chorraum der Kirche trifft man ihn wieder in lebensgroßer Gestalt auf einem nach seinem Tode angefertigten Ölgemälde, mit dem ihm seine Zeitgenossen schon damals huldigten. Das darauf enthaltene lateinische Epigramm des Wittenberger Theologieprofessors Gottlieb Wernsdorff lautet übersetzt: "Wie lebend siehst Du hier Paul Gerhardts teures Bild, der ganz von Glaube, Liebe, Hoffnung war erfüllt. .... Sing seine Lieder oft, o Christ, in heil'ger Lust, so dringet Gottes Geist durch sie in deine Brust." Und noch einmal kann man dem frommen, gütig dreinblickenden Kirchenmann ins Antlitz schauen - das sogenannte Paul-Gerhardt-Fenster in der Sakristei gehört zu den Kostbarkeiten der reichen Kirchenausstattung, zu deren Höhepunkten außerdem Altar, Taufbecken und Kanzel im Chorraum gehören. Sie wurden in den Jahren 1609/10 vom sächsischen Künstler Samuel Hanauer aus Kalkstein gefertigt.

Stolz ist die Gemeinde darüber, dass die Außensanierung der Kirche in diesem Sommer abgeschlossen werden kann. Zugleich aber steht sie vor der Aufgabe, die Restaurierung im Inneren fortzuführen, kündigt sich doch bereits der 400. Geburtstag ihres Namensgebers im Jahre 2007 schon kräftig an. Es hat sich ein Paul-Gerhardt-Verein mit den Honoratioren der Stadt gebildet, der dieses Jubiläum gebührend vorbereiten und begleiten will und dafür um Unterstützung wirbt. Bei dem Zuspruch und Interesse, den die Kirche tagtäglich aus aller Welt erfährt, dürfte dieses Vorhaben unter einem guten Stern stehen.

Geöffnet ist die Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben Montag bis Freitag von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr sowie am Sonntag nach dem Gottesdienst bis 12 Uhr. Weitere Informationen und Anmeldungen unter der Rufnummer 03546/3122

 

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