Ein Markenzeichen der Region
Ein Markenzeichen, das weit über Stadt und Felder hinaus in die Region grüßt - die St.-Moritz-Kirche von Mittenwalde  
Ein Markenzeichen, das weit über Stadt und Felder hinaus in die Region grüßt - die St.-Moritz-Kirche von MittenwaldeGroßbildansicht
Überraschung beim Blick auf das Hintere der Altarflügel, wo Gemälde aus der Werkstatt Lucas Cranach des Älteren zum Vorschein kommen
Überraschung beim Blick auf das Hintere der Altarflügel, wo Gemälde aus der Werkstatt Lucas Cranach des Älteren zum Vorschein kommenGroßbildansicht
  In Mittenwalde bekommt man ihn endlich einmal zu Gesicht - unseren Schweinehund
In Mittenwalde bekommt man ihn endlich einmal zu Gesicht - unseren SchweinehundGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Zu groß und zu protzig sei die St.-Moritz-Kirche für dieses doch ansonsten eher bescheidene Ackerbürgerstädtchen Mittenwalde, wunderte sich einst der Dichterpapst der Mark Theodor Fontane. Dabei hatte er sie 1859 mit dem "nur" 38 Meter hohen alten Turm in Augenschein genommen, wuchs doch die neugotische Fassung erst knapp 20 Jahre später um noch einmal stolze 29 Meter.

Heute ist das Bauwerk, die Dächer und Felder weit überragend, längst zum Markenzeichen der Region geworden. Egal aus welcher Himmelsrichtung man sich dem Städtchen nähert - die Arbeit des Baumeisters Jacobsthal aus dem Jahre 1877/78, der einen gotischen Kirchturm aus der alten belgischen Stadt Brügge kopierte, grüßt schon von weitem und schickt den Einheimischen nach langer Abwesenheit vorab die beruhigende Botschaft entgegen: Es ist noch alles an seinem Platz. "Die Kirche steht noch, dann wird ja auch mit meinem Haus alles in Ordnung sein!" Mit diesem guten Gefühl kehrte jedenfalls Wilfried Fischer, der direkt am Platz wohnt und mit großer Detailkenntnis sowie brandenburgischen Humor durchs stattliche Gotteshaus führt, jedes Mal beim Anblick der gewohnten Silhouette heim.

Wenn Fischer seine Gäste auf eine Reise in die Geschichte des Hauses mitnimmt, dann erklärt er natürlich, wie sich ein solcher Bau hier her "verirren" konnte. Ursprünglich war die Kirche eine romanische Basilika, die als Flachbau im 13. Jahrhundert mit der systematischen Anlage der Drei-Straßen-Stadt entstand. Als Mittenwalde insbesondere durch den Salzhandel - der Salzmarkt im Schatten der Kirche erinnert heute noch daran - zu Reichtum kam, leistete es sich um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert die wesentlich erweiterte, imposante und reich ausgestattete neue Backstein-Hallenkirche mit dem beeindruckenden Sternrippengewölbe. Stadt und Kirche erlebten eine kurze Blüte. So kam als Geschenk der Kurfürstin der 1514 in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren gefertigte Wandaltar ins Gotteshaus, dessen Vorderseite aufwendige Schnitzereien zieren und der auf den Rückseiten der Flügel überraschend vier Gemälde - unter anderem der wohltätigen Elisabeth und des Erzengel Gabriels - zum Vorschein bringt.

Nicht minder stolz präsentiert und kommentiert Wilfried Fischer das Ratsherren- und Innungsgestühl im Umgangschor, das gegenwärtig aufwendig restauriert wird. Es handele sich dabei vermutlich um eine Arbeit eines Handwerksmeisters aus der Mitte des 16. Jahrhundert. "Ein großer Künstler war hier nicht am Werk", räumt Fischer ein, "es gibt einige fehlerhafte Darstellungen. Aber das macht ja gerade den Wert der Arbeit aus, dass wir es hier in jeder Hinsicht mit einem originalen Stück seiner Zeit zu tun haben." Mit witzigen Allegorien - Fischer verweist besonders gern auf den Schweinehund - erzählt es vom "Weltbild" in der damaligen Provinz. "Vor Altar und Gestühl hat auch Paul Gerhard rund 100 Jahre später gestanden", so Fischer weiter, "bei uns hat er seine Glanz- und Blütezeit erlebt. 68 Lieder sind in seiner Mittenwalder Zeit zwischen 1651 und 1657 entstanden." Eine Ausstellung informiert in der Kirche über die Stationen des Lieddichters, der als Gemälde und Denkmal - beides Kopien der Lübbener Originale - natürlich allgegenwärtig ist.

Die Kirche erlebte mehrere Sanierungsphasen, aber auch Zeiten des Stillstands und des Niedergangs. "Hier hat es zu DDR-Zeiten 50 Jahre durchgeregnet. Wir sind froh, dass in den neunziger Jahren der Dachstuhl völlig neu gemacht wurde und das Dach jetzt dicht ist", berichtet Fischer. Mit Blick auf den 400. Geburtstag von Paul Gerhardt im Jahr 2007 hoffe man, auch noch ein ganzes Stück bei der Innensanierung voranzukommen.

   Zur Übersicht