Dem Himmel ganz nah

Im traditionellen Fachwerkstil errichtet und mit einem dekorativen Innenleben ausgestattet "wanderte" die Schlepziger Kirche vom möndänen Sachsen ins eher sachliche Preußen 
Im traditionellen Fachwerkstil errichtet und mit einem dekorativen Innenleben ausgestattet "wanderte" die Schlepziger Kirche vom möndänen Sachsen ins eher sachliche PreußenGroßbildansicht
Einen Augenweide - die barocke Inneaustattung und -ausmalung der Schlepziger Dorfkirche mit dem Wolkenhimmel als dekorativem Höhepunkt
Einen Augenweide - die barocke Inneaustattung und -ausmalung der Schlepziger Dorfkirche mit dem Wolkenhimmel als dekorativem HöhepunktGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Skeptisch die Klinke nach unten drückend - nach dem Motto, ist ja sowieso nicht offen -, überrascht feststellend, dass die Tür tatsächlich nachgibt, schüchtern einen ersten Blick hineinwerfend, schließlich begeistert winkend und den Rest der Truppe heranwinkend: "Kommt her, das müsst ihr euch ansehen!" So nähern sich die Radler aus Offenburg, die auf einer Tour durch den Osten bis hinauf an die See sind, dem kleinen Fachwerkkirchlein von Schlepzig an. Und so wie sie sich anschließend an ihm begeistern, so scheinen alle Besucher von dem barocken Kleinod im Unterspreewald schlichtweg überwältigt zu sein. Jedenfalls liest man im Gästebuch lauter Lobeshymnen, mit denen die Besucher oft auch ihre Überraschung zum Ausdruck bringen, dieses farbenprächtige Juwel im eher für seine Schnörkellosigkeit bekannten Brandenburg zu entdecken.

Doch die Grenze zum mondäneren Sachsen ist ja gar nicht mehr so weit. Ja mehr noch, Schlepzig gehörte - so können es die wissbegierigen Kirchgänger in einer im Gotteshaus ausliegenden kleinen Chronik nachlesen - bis 1815 zu Sachsen. So trägt denn auch die Einweihungsurkunde des Fachwerkbaus mit dem feinen barockem Innenleben aus dem Jahre 1782 noch das sächsische Siegel. Der Neubau war notwendig geworden, weil gut ein Jahrzehnt zuvor ein verheerender Brand einen Großteil des Dorfes und eben auch die Vorgängerkirche zerstört hatte. Im Jahr nach der Einweihung, also 1783, brachte ein Lübbener Malermeister die Gemeinde dem Herrgott tatsächlich ein Stück näher, indem er die Kirchendecke in eine himmelblaue Wolkenlandschaft verwandelte und über dem Altarraum eine Sonne plazierte, die mit einem Dreieck in der Mitte die heilige Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist symbolisiert.

Zweifellos ist das Gesamtbild dieses schlichten und zugleich dekorativen Innenraums mit der bemalten Decke und den verzierten Emporen der Trumpf der Schlepziger Kirche. Aber auch mit ihren Details vermag sie die Blicke zu fesseln, sei es das Altarbild - eine Abendmahldarstellung -, das einzige Stück, das vom Vorgängerbau gerettet werden konnte oder die Kanzel aus dem Jahre 1843, deren Bemalung später dem Barock angepasst wurde. Sehenswert sind schließlich auch die Sauer-Orgel aus dem Jahre 1910 und die erhabenen Messingleuchter, die im Jahre 1932 von einer Schlepziger Familie gestiftet wurden.

Die Kirche, in der neben den Gottesdiensten regelmäßig Konzerte stattfinden, befindet sich in einem erfreulich guten Zustand. Bereits zu DDR-Zeiten 1980/81 erfolgte eine komplette Innenrestaurierung, wobei Kunststudenten die Ausmalung der Decke nach vorhandenen Resten der alten von 1783 vornahmen. Nach der Wende wurden Außenfassade und Kirchturm instandgesetzt, 1996 war die Orgel dran. Das meiste Geld kam aus der Kirchgemeinde selbst und von den zahlreichen Spenden der Gäste und Besucher, die das Gotteshaus täglich von 9 bis 19 Uhr willkommen heißt. Die Pforten sind zu dieser Zeit für jedermann geöffnet. Für weitergehende Führungen und Informationen kann man sich unter den Rufnummern (035472)388 im Pfarramt oder (035472)358 bei Herrn Garbe melden.

 

 

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