Ein ruhiger konzentrierter Ort

Beeindruckend die Hinteransicht der Kirche, die fast schon an ein Kloster erinnert 
Beeindruckend die Hinteransicht der Kirche, die fast schon an ein Kloster erinnertGroßbildansicht
Ein schlichter , ruhiger und konzentrierter Ort, der auch zu Konzerten auf der Schuke-Orgel oder mit lokalen Chören und Musikschulen einlädt
Ein schlichter , ruhiger und konzentrierter Ort, der auch zu Konzerten auf der Schuke-Orgel oder mit lokalen Chören und Musikschulen einlädtGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Schlicht und "ohne Schnick-Schnack", wie Pfarrer Jochen Michalek sagt, empfängt die alte Schönefelder Feldsteinkirche ihre Besucher. Von außen wirkt sie als ein altehrwürdiger harmonischer Bau der Romanik. Ihre Hinteransicht über die beiden Kapellen zum Turm hinauf hat schon fast etwas von einem Klostergebäude.

Im Inneren erweist sie sich trotz der "nackten" Wände des Kirchenschiffes als ein warmer, ruhiger, konzentrierter Ort, der wie eine Fluchtburg ganz und gar kontrastiert zum immerwährenden Verkehr auf der unmittelbar benachbarten vierspurigen Fernstraße. Die zerschneidet zusammen mit der Bahntrasse nicht nur Dorf und Anger, die hat auch die Kirche von ihrem über Jahrhunderte angestammten Platz in der Mitte der Siedlung "weggerückt".

Doch davon ließ sich das Gotteshaus genauso wenig unterkriegen wie von den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Neben den regelmäßigen Kirchgängern - die Gemeinde hat heute rund 500 Glieder, von denen sich knapp zwei Dutzend am Sonntag beim Gottesdienst versammeln - sind es vor allem Radwanderer, die hier vor oder nach dem "Kampf mit der Straße" die Gelegenheit nutzen, für einen Moment innezuhalten. Sobald das Wetter einigermaßen freundlich ist und somit die Chancen gut stehen, dass sich ein paar Menschen auf Streifzüge rund um Schönefeld begeben, schließt der Pfarrer die Tür zum Gebäude auf.

Seine ältesten Teile, Apsis, Kapelle und Turm, gehen auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Zisterzienser-Mönche haben bei der Christianisierung des Landes die Ansiedlung maßgebend befördert und den ersten Kirchenbau stark beeinflusst. Die Dicke der Mauern, deren behauene Feldsteine mit einem Mörtel aus Kies, Kalk, Quark und Eiern "zusammengekleistert" wurden, betrug 80 bis 120 Zentimeter. Sehenswert heute die tiefen, schmalen bemalten Rundbogenfenster im Chorraum, die seit der umfassenden Wiederherstellung und Restaurierung der Kirche Mitte des vergangenen Jahrhunderts gemeinsam mit modernem Altar, Kanzel und Taufe die Innenansicht prägen. Denn die Kirche erlebte nicht nur vor 99 Jahren eine umfassende Erweiterung durch den Baurat von Schwechten, der unter anderem auch die Berliner Gedächtniskirche entwarf. Sie wurde auch ein Opfer des Zweiten Weltkrieges, brannte im April 1945 bis auf die Grundmauern ab und wurde schließlich bis 1957 mit alter Hülle und jungen Innenleben neu aufgebaut und festlich wiedergeweiht.

Bis dahin hatte sich die Gemeinde unter anderem auch in der kleinen Kapelle direkt neben der Kirche versammelt. Unter der befindet sich eine Gruft, in der sich die Gräber des ehemaligen Gutsbesitzers von Schönefeld und Diepensee Karl Wrede und seiner Frau befinden. Beide hatten sich zu ihren Lebzeiten Anfang des letzten Jahrhundert sowohl um die kirchliche als auch um die weltliche Gemeinde große Verdienste erworben

Die Schönefelder Dorfkirche ist bei schönem Spaziergeh-Wetter täglich von 8.30 bis 16 Uhr geöffnet. Man kann sich auch ans Pfarramt wenden - Rufnummer 030/6338298 -, um sich anzumelden oder bei verschlossener Kirchentür den Schlüssel abzuholen.

 

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