Kein Vergleich mit einer Scheune

Mit Freitreppe, Attika und doppeltem Turm empfängt die Schinkelkirche den Besucher an ihrer repräsentativen Vorderfront 
Mit Freitreppe, Attika und doppeltem Turm empfängt die Schinkelkirche den Besucher an ihrer repräsentativen VorderfrontGroßbildansicht
Nicht einer Scheune, sondern einem Festsaal ähnlich - die Straupitzer Dorfkirche ist eine architektonisches Kleinod im Spreewald
Nicht einer Scheune, sondern einem Festsaal ähnlich - die Straupitzer Dorfkirche ist eine architektonisches Kleinod im SpreewaldGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Wenn das Sonnenlicht auf den Türmen der Straupitzer Dorf-Kirche steht, dann leuchten sie schon von weitem im strahlenden Weiß über die Dächer und das flache Land hinweg dem Ankömmling entgegen. Man hat ja schon von ihr gehört, man hat ja auch nun im Begleitheft der "Offenen Kirchen" gelesen: "Schinkel-Bau, bedeutendste klassizistische Dorfkirche der Mark". Und so fährt man denn auch mit einigen Erwartungen zum kleinen Spreewald-Ort nahe Lübben. Aber dann staunt man doch nicht schlecht vor dem gewaltigen, streng gegliederten, symmetrischen Kirchenbau und fragt sich unweigerlich, wie er sich in dieses Dörfchen "verirren" konnte.

Zur Herrschaft Straupitz gehörten Ende des 18. Jahrunderts acht Dörfer. Da die vorhandene Kirche ohnehin baufällig geworden war und die Kirchgemeinde längst nicht mehr fassen konnte, beschloss der Patron der Herrschaft , Carl Heinrich Ferdinand Freiherr von Houwald, einen "neuen Tempel ... in einem einfachen aber der würde seiner Bestimmung angemessenem Stil" zu errichten. Da Mitglieder seiner Familie in engem freundschaftlichen Kontakt zu Karl Friedrich Schinkel standen und den Baumeister zu Entwürfen eines Neubaus für rund 1300 Menschen gewinnen konnten, entstand zwischen 1828 und 1832 eben jenes monumentale klassizistische Gotteshaus aus dessen Feder, ohne dass der Meister jemals selbst vor Ort gewesen ist. Zwar gab es mehrfach Bestrebungen der preußischen Administration, an den Kosten zu sparen, doch Schinkel selbst blieb unnachgiebig. Er schrieb ans zuständige Ministerium: "Kirchenbauten, welche für 1000 Plätze massiv gebaut werden sind nicht unter 20000 bis 24000 Talern auszuführen, wenn sie nicht das Anständige ganz verlieren und Schuppen oder Scheunen ähnlich werden sollen."

Entstanden ist ein großartiger Bau, der sich dank mehrfacher Instandsetzungen und am Original festhaltenden Restaurierungen in einem sehr guten Zustand befindet. Die letzte Generalsanierun fand nach der Wende Anfang der 90iger Jahre statt. Damals drohten die Türme auseinanderzubrechen und dieses architektonische Fundstück der märkischen Provinz zu zerstören.

Auch beim Blick ins Innere besticht das Gotteshaus durch seine klare einheitliche symmetrisch Struktur. Das helle große Kirchenschiff mit jeweils drei Rundbogenarkaden und den eingefügten Emporen an den Seiten sowie der halbrunden raumhohen Apsis am Gebäudeabschluß wird von einer tiefroten flachen Decke überspannt. Mit den (elektrischen ) goldfarbigen Kerzenleuchtern an den Wänden und den großen Messingeuchtern in der Mitte wirkt der Raum wie ein Festsaal. Für den Altarraum hatte Schinkel ein Fresko geplant, das er aber aus Kostengründen nicht durchsetzen konnte. Etwas später nach der Kircheneinweihung im Jahre 1832 kamen dann die fünf Gemälde aus der Schule des Dresdner Historienmalers Johann Friedrich Matthäi an die Apsiswand. Ebenfalls sehenswert sind die kunstvollen Grabsteine und das Wappen der Houwald-Familie, die sich an den Wänden unter den Emporen befinden.

Die Kirche zu Straupitz ist von Dienstag bis Freitag jeweils ab 11 und ab 15 Uhr für eine Stunde und Sonntag nach dem Gottesdienst zur Besichtigung geöffnet. Diese neuen (!) Öffnungszeiten, für die sich Mitgleider des Gemeindekirchenrats ehrenamtlich zur Verfügung stellen, weichen von denen ab, die noch in der Broschüre "Offene Kirchen 2004" veröffentlicht sind. Weitere Informationen und Anmeldungen unter den Rufnummern 035475/496 oder 035475/15351.

 

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