Eine steinerne Zeittafel

Wie auf einer Zeittafel kann man an der Außenfassade der Heilig-Geist-Kirche in Teupitz die verschiedenen Bauetappen nachvollziehen 
Wie auf einer Zeittafel kann man an der Außenfassade der Heilig-Geist-Kirche in Teupitz die verschiedenen Bauetappen nachvollziehenGroßbildansicht
Blickfang der Innenausstattung sind die barocke Kanzel und die bunten Bleiglasfenster an der Ostwand des Kirchenschiffes
Blickfang der Innenausstattung sind die barocke Kanzel und die bunten Bleiglasfenster an der Ostwand des KirchenschiffesGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Wie an einer Zeittafel lässt sich an den Außenmauern der Teupitzer Heilig-Geist-Kirche die Baugeschichte der markanten Kirche des Schenkenlandes ablesen. Die Reste des ersten Baus, der kleinen Feldsteinkapelle aus dem 13. Jahrhundert, sind noch ausgezeichnet sichtbar an der Nordostecke. Dort ist das Ursprungsgebäude, das urkundlich zum ersten Mal 1346 für den Ort "Tewptz" erwähnt wurde, im 15. Jahrhundert im Stile der Backsteingotik, wie sie heute in Brandenburg auch noch an den Zisterzienseranlagen von Chorin, Lehnin und Zinna erhalten ist, überbaut und vergrößert worden.

Dafür zeichneten die Schenken von Landsberg verantwortlich, die seit dem 14. Jahrhundert die Teupitzer Regenten waren und die Kirche zunächst ohne Turm als 24 Meter langes, 12 Meter breites und zehn Meter hohes Gebäude errichteten. Die Inschrift des Erbauers Otto Schenk von Landsberg ist in der "neuen" Backsteinmauer über den alten Feldsteinen am Ostgiebel noch zu erkennen. Die folgenden Umbauten, die sozusagen jeweils in Jahrhundertschritten erfolgten, lassen sich ebenfalls vorzüglich an der Außenhülle in Form von zugemauerten bzw. nach oben gezogenenen vergrößerten neuen Fenstern, der sichtbar aufgestockten Wände, die die zusätzlich angesetzten Stützpfeiler an den Außenfassaden notwendig machten, und schließlich vor allem anhand des aus dem Dach herauswachsenden Westturmes ablesen. Von der Südseite aus betrachtet erscheint er im Verhältnis zum Kirchenschiff wohlproportioniert, vom Westen aus gesehen aber verleiht er dem Bau einen beinahe trutzigen Charakter.

Der Stilmix setzt sich auch in der Innenausstattung fort, wo die Kirchgemeinde wie so viele andere nach dem Dreißigjährigen Krieg bei Null anfangen musste, da nichts erhalten geblieben ist. Das gotische Gewölbe war schon während der Vergrößerung der Kirche nach der Reformation im 16. Jahrhundert, als der erste Backsteinbau wesentlich erhöht wurde und den Turm erhielt, durch eine Kastendecke ersetzt worden. So ist heute Blickfang und Prunkstück des Kircheninneren die von den Schenken im Jahre 1692 gestiftete Barockkanzel mit Evangelisten- und Apostelbildern. Aus der gleichen Zeit stammt das erhaltene Orgelprospekt, während die Orgel selbst eine Arbeit einer Bad Liebenwerdaer Firma aus dem Jahre 1986 ist. Über das Schicksal von Altar und Taufstein aus barocker Zeit ist nichts bekannt. Der heutige Taufstein - gefertigt nach einem Entwurf von Friedrich Schinkel - kam 1884 in die Kirche. Als Altar dient ein weißer 60 Zentner schwerer Sandsteintisch aus den Cottaer Steinbrüchen bei Pirna, der 1981 während einer weiteren großen Kirchenrestaurierung aufgestellt wurde.

Seit dem Jahr 2000 wird wieder viel Geld in die Kirche gesteckt, um sie Schritt für Schritt zu sanieren und der Nachwelt zu erhalten. Aufgrund schwerer Schäden hatte sich bereits der Ostgiebel vom Schiff abgetrennt. Dies konnte während eines ersten Bauabschnitts zusammen mit einer Schwammsanierung, einer Dachstuhlerneuerung und einer Neueindeckung des Daches behoben werden. "Als nächstes wäre der Turm dran", schaut Kirchenmusiker Jörg Borleis voraus, "wann wir da fortfahren können, hängt natürlich von den Finanzen ab." Die zahlreichen Chor- und Instrumentalgruppen, die Borleis betreut, bilden das Herz der heutigen Teupitzer Gemeindearbeit, die gegenwärtig ohne eigenen Pfarrer auskommen muss. Dennoch findet 14tägig der Gottesdienst statt, organisiert der Kirchenmusiker für Einheimische und Urlauber gerade für die Ferienmonate Juli und August wöchentliche Konzerte und schließt zugleich jeden Tag vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag das Gotteshaus für interessierte Besucher auf, für die auch ein kleines Faltblatt zur Geschichte und Gegenwart des Kleinodes der Region bereitliegt.

 

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