Arbeitsplatz auf dem Barockaltar

Ein Unikat in hiesigen Gefielden - die gotische Vorhalle, die als Träger des kleinen Glockenturmes fungiert 
Ein Unikat in hiesigen Gefielden - die gotische Vorhalle, die als Träger des kleinen Glockenturmes fungiertGroßbildansicht
Ein ungewöhnlicher (Arbeits)Platz - Restauratoren haben den Barockaltar der Walddrehnaer Dorfkirche unter ihre Obhut genommen
Ein ungewöhnlicher (Arbeits)Platz - Restauratoren haben den Barockaltar der Walddrehnaer Dorfkirche unter ihre Obhut genommenGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Ganz ungewöhnliche Anblicke bietet gegenwärtig die Dorfkirche in Walddrehna in der Luckauer Niederlausitz. Die Bilder des Altars lehnen an einer Wand des Kirchenschiffs. Die gedrehten Altarsäulen liegen zwischen allerhand Werkzeug und Utensilien auf einem kleinen Arbeitstisch. Auf dem Sockel des Altars steht ein Stuhl.

Dies ist momentan der Arbeitsplatz der Berliner Restauratoren Katrin Ziems und Dirk Jacob, die gerade im Auftrag des Gemeindekirchenrats Walddrehna/Riedebeck/Bornsdorf Altar und Kanzel aus dem späten 17. Jahrhundert von grundauf erneuern.

Wer also das Angebot der offenen Kirche in Walddrehna in den nächsten Tagen und Wochen annimmt, der hat womöglich das Glück, den beiden Restauratoren bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen zu können. Rund drei Monate, sagen sie, werden sie zu tun haben, um die beiden Kunstwerke des Barock zu reinigen, an schadhaften Stellen zu retuschieren und die Farben zu erneuern. Eine Überraschung und Enttäuschung zugleich bot sich ihnen, als sie die ovalen, von Einschüssen beschädigten Altarbilder abgenommen hatten: "Es kamen darunter zwei originale, direkt aufs Holz aufgetragene Bilder zum Vorschein", berichtet Dirk Jacob und deutet auf die Reste der Malerei innerhalb der ovaler Ränder, die die später aufgeschraubten und nun abgenommenen Christus-Bildnisse hinterlassen haben. "Wir hatten darauf gehofft, dass da noch etwas drunter ist", ergänzt Katrin Ziems, "aber gleichzeitig auch damit geliebäugelt, es in einem besseren Zustand vorzufinden." Die beiden Fachleute erarbeiteten anhand der vorgefundenen Substanz eine Restaurierungskonzeption, in der sie notgedrungen auf die Wiederherstellung der originalen Motive verzichten mussten. "Es ist einfach zu wenig erhalten", bedauert Dirk Jacob, "es wird natürlich alles genauestens dokumentiert, aber dann der Altar von uns so wieder hergestellt, wie ihn die Kirchgemeinde seit Jahrzehnten kennt."

Die beiden Restauratoren werden die barocke grau-grün-blaue Farbigkeit beibehalten und auffrischen und die vermutlich im 19. Jahrhundert dazugekommenen Bilder "runderneuern". Im Gegensatz zum Altar ist die Malerei an der höchstwahrscheinlich aus der gleichen Werkstatt stammenden Kanzel - ein Bilderzyklus unter anderem mit Motiven zur Auferstehung und zum Jüngsten Gericht - sehr gut erhalten, so dass der Originalzustand wieder hergestellt werden kann. Die Weihnachtszeit, so versprechen die beiden Restauratoren, kann die Gemeinde im Angesicht der frisch aufpolierten Kunstwerke verleben. Ein weiteres besonderes Stück der Innenausstattung ist der schwebende Taufengel, der über einen Seilzug bewegt werden kann.

Auch in seiner Außenansicht stellt der Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert einen absolute Blickfang in hiesigen Gefielden dar. Denn an der Westseite des Gottehauses steht kein gewöhnlicher Glockenturm, sondern eine nach drei Seiten offene Vorhalle mit von gemauerten Rundpfeilern getragenen hohen gotischen Spitzbogenarkaden. Auf die Halle ist ein massiv gemauerter Kugelhelm gesetzt, in dem sich die Kirchenglocken befinden. Das Walddrehnaer Unikat gehört zu jenen zahlreichen denkmalgeschützten Gotteshäusern in der Region, deren Instandhaltung und schrittweise Restaurierung sich der Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz vorgenommen hat. Wer der Kirche oder den Restauratoren vor Ort einen Besuch abstatten möchte, kann sich unter der Rufnummer 035454/393 über das zuständige Pfarramt in Langengrassau, wo sich auch die Geschäftsstelle des Fördervereins befindet, anmelden. Weitere Informationen gibt es unter www. kirchen-luckauer-niederlausitz.de.

 

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