Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.

Gründungsmitglied von Future for Religious Heritage (FRH),
Verbund zur Bewahrung des baulichen religiösen Erbes in Europa
Näheres: www.frh-europe.org

Erste europaweite Befragung

zur Bedeutung der sakralen Bauten für das kulturelle Selbstverständnis der Menschen in Europa im 21. Jahrhundert

Fragestellung:

Die erste europaweite Umfrage zur Bedeutung von sakralen Bauten für das kulturelle Selbstverständnis der Menschen im 21. Jahrhundert wurde im April 2014 vom Europäischen Verbund Future for Religious Heritage (FRH) zur Vorbereitung der FRH-Konferenz in Halle (Saale) vom Oktober 2014 in Auftrag gegeben *). 6.000 Personen über 18 Jahre aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Belgien, Niederlande, Polen und Schweden wurden danach befragt,

  1. welche Bedeutung sie dem baulichen religiösen Erbe für das europäischen Kulturerbe insgesamt zumessen,
  2. welchen Stellenwert sie der Bewahrung des baulichen religiösen Erbes für ihre Gemeinden und Kommunen jetzt und in Zukunft zuordnen, und
  3. welchen Stellenwert die Öffnung sakraler Gebäude für nicht-religiöse Zwecke in ihrem Kulturverständnis hat.

Ergebnisse:

Folgende sehr aufschlussreichen Ergebnisse wurden ermittelt und inzwischen veröffentlicht:

  1. 84% der Befragten stimmten überein, dass das gemeinsame religiöse bauliche Erbe von etwa 500.000 sakralen Gebäuden in Europa einschließlich ihrer kostbaren Ausstattungen einen einzigartigen und wesentlichen Teil des europäischen kulturellen Erbes darstellt. Sie sind ein Schlüsselelement der europäischen Identität.
  2. 79% der Befragten glauben, dass diese Bauten mit ihren Ausstattungen in ihrer Wirkkraft einen entscheidenden Anteil am kulturellen Fortbestand ihrer Gemeinden und Kommunen haben.
  3. 87% der Befragten zeigten sich offen dafür, die Gebäude einschließlich ihrer wertvollen Ausstattungsgegenstände für den Kulturtourismus zu öffnen.
  4. 72% der Befragten stimmten überein, dass sakrale Gebäude neben der gottesdienstlichen Nutzung auch für andere weltliche Aktivitäten geöffnet werden sollten.

Schlussfolgerungen:

Der europäische Verbund Future for Religious Heritage (FRH) zieht daraus den Schluss, dass vier von fünf Europäern glauben, dass sakrale Gebäude für das Gemeinschaftsleben von großer Bedeutung sind und auch in erweiterter Form genutzt werden sollten. Diese Einschätzung zeigt, dass das abendländische Europa trotz anhaltender säkularer Strömungen und vielfältiger neuer kultureller und religiöser Einflüsse immer noch in enger emotionaler, geistlicher und kultureller Verbindung zu seinen sakralen Bauten aus früheren Jahrhunderten steht.

Die Menschen Europas wünschen sich zudem, dass diese Häuser für beides bewahrt werden, für den Gottesdienst und darüber hinaus auch für Ereignisse, die das Gemeinschaftsleben befördern, also zur sozialen Integration der weltlichen Gemeinden beitragen. Sie wollen keine leeren Kirchenhüllen und schon gar nicht Kirchenabrisse. In einer Presseerklärung von FRH heißt es:

"Die große Mehrheit der Europäer aus den verschiedenen Länder stimmt zu, dass unser gemeinsames bauliches religiöses Erbe, bestehend aus mehr als 500.000 Gebäuden (Kirchen, Synagogen, Moscheen, Tempel), sowie deren historische Ausstattungen der letzten tausend Jahre, ein einzigartiger Bestandteil des kulturellen Erbes Europas darstellt und zu einer gemeinsamen europäischen Identität beiträgt."

*) Future for Religious Heritage (FRH), the European Network for Historic Places of Worship. Study conducted by Sociovision & Toluna, based on a poll in April 2014 with 6.000 people over 18 in France, Germany, Belgium, The Netherlands, UK, Poland, Spain and Sweden, titled "Secular Europe backs religious heritage", Brussels 2014

Dr. Uwe Otzen
Vorstandsmitglied im Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V.
Berlin, den 10. März 2015

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