Quelle: Märkische Allgemeine vom 11. Juli 2003

KRITIK AN ABBAU DER FÖRDERUNG

Nichts mehr unter Dach und Fach

FRANK STARKE

Der Name war ein Mutmacher. Denn wenn man etwas unter "Dach und Fach" hatte, war das doch ein gutes Zeichen. Und es gibt ja noch viel zu tun auf dem weiten Feld der Denkmalpflege und der Kirchensanierung im Land Brandenburg. Auch wenn in den zurückliegenden Jahren einiges erreicht wurde - viele der 1500 Gotteshäuser vor allem in ländlichen Gebieten sind noch immer in beklagenswertem Zustand. Gerade wurde mit der Restaurierung der Kirchen in Podelzig, Lossow und Altwustrow begonnen. Wie diese Arbeiten zuende geführt werden? Rätselraten! Mit dem gestern von Kulturstaatsministerin Christina Weiss verkündeten Aus für das Programm, das mit vollem Titel die "Sicherung und Erhaltung von Kulturdenkmalen in den neuen Ländern" bewirken sollte, ist die Zukunft ungewiss.

Hinzu kommt ein Stopp für das Förderprogramm "Kultur in den neuen Ländern". Mit dessen Mitteln sollten unter anderem die weitere Sanierung des Staatstheaters Cottbus und des Senftenberger Theaters vorangebracht werden. Zu den weiteren Häusern, die nun vor einem Fragezeichen stehen, gehört das zukünftige Optikmuseum in Rathenow. Aber auch die neue Dauerausstellung im Dom zu Brandenburg sollte mit Bundesmitteln finanziert werden.

Kulturministerin Johanna Wanka ist die Empörung über die Ankündung von Frau Weiss förmlich anzuhören. Ihre Stimme bebt, als sie im MAZ-Gespräch sagt: "Für mich ist das richtig verheerend, was da wegbricht." Das sei ja kein Subventionsabbau wie in der Steinkohle, "es geht hier ja vorwärtsorientierte Investitionen, die wichtig sind für die Zukunft - dass junge Leute herkommen. Und wenn die Denkmale alle verfallen, was hat dann Brandenburg noch zu bieten?"

Außerdem dürfe man nicht übersehen, dass es in den neuen Bundesländern immer noch einen riesigen Nachholebedarf gebe in Sachen kulturelle Infrastruktur gebe, "auch wenn man sich schrittweise an die alten Bundesländer angenähert hat". Neben den großen Vorhaben, die nun auf der Kippe stehen und zu denen die Innenausstattung des Potsdamer Theaterneubaus gehört, gehe es auch um die Kultur auf dem Lande. Die Fördermittel, so Wanka, wurden zum Beispiel dazu verwendet, die kreislichen Bibliotheken mit neuer Kommunikationstechnik auszustatten.

Auch Cornelia Stabrodt, Direktorin der Fouque-Bibliothek Brandenburg und zugleich stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes, ist empört. Für sie besonders niederschmetternd: Wenn die Bundesförderung aus Bibliotheken herausgezogen wird, dann trifft das zugleich auch die Bildung. Ist doch ein Großteil ihrer Leser im Kinder- und Jugendalter. Ihr eigenes Haus hat 2001 Fördergelder in Höhe 150 000 Mark erhalten.

Eine "totale Katastrophe" ist die Weiss-Entscheidung auch für Bernd Janowski, den Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen. Derzeit liegt ihm besonders Groß Fredenwalde in der Uckermark am Herzen. Auch wenn das kleine Gotteshaus in keinem Denkmalführer ausgewiesen wird, so gehört es doch zu den wenigen Zeugnissen mittelalterlichen Bauens hierzulande. Aus Janowskis Sicht hat die Entscheidung auch Auswirkungen auf andere Bereiche, so den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt in den ländlichen Regionen. Bislang konnte sich so manche Kleinfirma mit Aufträgen aus der Denkmalpflege über Wasser halten.

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