Was uns bewegt — der Vorstand berichtet

Unterwegs ohne prallen Geldkoffer, doch mit manchem guten Rat im Gepäck

Der verbretterte Turmaufsatz der kleinen Feldsteinkirche von Mellnsdorf im Landkreis Teltow-Fläming musste aus statischen Gründen abgenommen werden und steht seit dem vergangenen Jahr auf dem Kirchhof. Daran, ihn wieder aufzusetzen, ist zur Zeit nicht zu denken. Erst muss die gesamte Dachkonstruktion des Kirchenschiffes instand gesetzt werden. – Als ich die Kirche im Mai im Namen des Förderkreises besichtigte, brach ich fast durch die marode Deckenkonstruktion ins Turmuntergeschoss. Etwas Mut machte an diesem Tage, dass die Vertreterin der unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises versprechen konnte, die Kosten für ein Sanierungsgutachten zu übernehmen – und dass einige Optimisten aus dem Ort erschienen waren, die einen Förderverein für ihr marodes Gotteshaus gründen und damit selbst Verantwortung übernehmen wollen. Woher allerdings Fördergelder für die dringend nötigen Reparaturarbeiten kommen sollen, ist ungewiss; die winzige Kirchengemeinde verfügt über keine eigenen Mittel.

Mellnsdorf ist kein Einzelfall: Über die Streichung der Bundesmittel für das Notsicherungsprogramm "Dach und Fach" haben wir mehrfach berichtet. Über welche Mittel für die Denkmalpflege das Land Brandenburg in den kommenden Jahren verfügen wird, ist trotz eines neuen Denkmalschutzgesetzes ungewiss. Die Mittel für Arbeitsförderprogramme werden gekürzt und auch die großen Stiftungen sind nicht in der Lage, die Finanzlücken auszugleichen.

Oft wünsche ich mir bei meinen Fahrten zu Dorfkirchen in der Prignitz, der Uckermark oder im Havelland, am Ende des Gespräches beiläufig sagen zu können: Gut, schicken Sie uns die Unterlagen zu, der Förderkreis Alte Kirchen beteiligt sich an der Finanzierung. Leider ist dies nur in sehr wenigen Fällen möglich. Die Mittel, über die der FAK verfügt, sind sehr begrenzt. Bei den Vorstandssitzungen wird oft lange diskutiert, ob wir dort mit 1.000 oder anderswo vielleicht mit 2.000 Euro wirklich entscheidend helfen können. Dank Spenden und durch die Unterstützung des mit uns kooperierenden Lions-Clubs in Seeheim ist es möglich, uns in diesem Jahr mit 3.000 Euro an den Kosten für ein Baugutachten für die ehemalige Wallfahrtskirche in Alt Krüssow zu beteiligen. Am 5. September können wir im Rahmen eines vom FAK initiierten Benefizkonzertes in Groß Fredenwalde ca. 5.000 Euro an eingegangenen Spenden für die Sicherung der dortigen Dorfkirche überreichen. Viel zu oft jedoch müssen wir Anträge auf finanzielle Unterstützung zurückweisen.

Trotzdem haben wir uns entschlossen, auch in diesem Jahr insgesamt 12.500 Euro für den Förderpreis "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" auszugeben, durch den das Engagement vor Ort gewürdigt und gestärkt werden soll.

Denn es ist erstaunlich: Gerade in Krisenzeiten scheint dieses Engagement zuzunehmen. Alle zwei oder drei Wochen erfahren wir von neuen Vereinsgründungen, werden um Mustersatzungen gebeten oder darum, dem Protokoll der Gründungsversammlung den letzten Schliff nach allen bürokratischen Vorgaben für Amtsgericht oder Finanzamt zu geben.

Ein großer Teil unserer Arbeit besteht denn auch darin, die Verbindungen zu den zahlreichen Vereinen zu pflegen. Hier werden Kontakte zu Behörden oder Ämtern geknüpft, dort können Musiker vermittelt werden, die ein kostenloses Benefizkonzert veranstalten, anderswo helfen wir bei der Erstellung eines Faltblattes, stellen den Kontakt zu einer Stiftung her oder beraten bei Baufragen. Auch für Mellnsdorf konnte jetzt ein Benefizkonzert für den Herbst vermittelt werden.

Die Notwendigkeit privaten Engagements nimmt zu und es ist erstaunlich, mit welcher Phantasie es den örtlichen Fördervereinen gelingt, trotz leerer Kassen doch noch hier und da Baumaßnahmen zu ermöglichen. Dabei in vielen Fällen einen kleinen Anteil geleistet zu haben, gibt Hoffnung und Mut, weiterzumachen – auch wenn es uns leider nur selten vergönnt ist, bei unseren Besuchen den Geldkoffer mitzubringen.

Bernd Janowski

 
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Kulturland-Kampagne 2005:

Gott in Brandenburg ― 1000 Jahre Christentum

Die Kulturland-Kampagne Brandenburgs wird 2005 thematisch bestimmt durch den Einfluss der Christianisierung und des Christentums auf die Entwicklung der Region. Dabei lassen sich die jahrhundertealten Spuren nicht nur an solch markanten Bauwerken wie dem Brandenburger Dom, dem Kloster Lehnin oder der ehemaligen Bischofsburg in Ziesar ablesen.

In jeder der über 1.200 Dorfkirchen des Landes ist das Thema der Kulturland-Kampagne präsent. Mächtige mittelalterliche Feldsteinkirchen, bescheidene Fachwerkbauten aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, barocke Gotteshäuser unter ehemals gutsherrschaftlichem Patronat und Kirchengebäude der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts – sie alle geben Zeugnis von Kultur- und Glaubensgeschichte. Zahlreiche Ausstattungsstücke – gotische Schnitzaltäre, barocke Kanzelaltäre, Taufengel, wertvolle Orgeln – blieben als Kulturerbe erhalten.

Durch die knapper werdenden finanziellen Mittel sowohl des Bundes, der Länder, Landkreise und Kommunen als auch der Kirchengemeinden wird es immer schwerer, den Erhalt und die Instandsetzung der Kirchengebäude und ihres Inventars zu gewährleisten. Um in der Öffentlichkeit für Unterstützung zur Bewahrung der gefährdeten sakralen Denkmale im ländlichen Bereich werben zu können, müssen diese für Besucher geöffnet werden.

Offene Kirchen

Im Jahr 2000 rief der Förderkreis Alte Kirchen Kirchengemeinden und ehrenamtliche Initiativen auf, sich an der Aktion "Offene Kirchen" zu beteiligen. Bereits zum fünften Mal ist die Begleitbroschüre "Brandenburgische Dorfkirchen laden ein" erschienen.

In den letzten Jahren entstanden viele interessante Projekte, die in Dorfkirchen verwirklicht werden bzw. um Kirchengebäude aufgebaut wurden:

Die Kulturland-Kampagne 2005 bietet die Chance, solche und ähnliche Projekte bekannt zu machen, zu vernetzen und für ihre Unterstützung zu werben.

Zusätzlich zu den bereits bestehenden Angeboten werden Kirchengemeinden, Kommunen und Fördervereine aufgefordert, sich mit kleinteiligen Projekten am Themenjahr zu beteiligen und so in eine Korrespondenz mit den etablierten touristischen Höhepunkten zu treten.

 

Der Förderkreis Alte Kirchen ruft Gemeinden, Vereine und Kommunen zu aktiver Teilnahme auf:

Spuren auch in Dorfkirchen erlebbar machen

JAKOBUS aus dem spätgotischen Altaraufsatz der Dorfkirche Bertikow  
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JAKOBUS aus dem spätgotischen Altaraufsatz der Dorfkirche Bertikow

Im Rahmen der Aktion "Offene Kirchen" ruft der Förderkreis Alte Kirchen die Gemeinden, Fördervereine und Kommunen auf, sich an der Kulturland-Kampagne 2005 zu beteiligen.

Möglich sind Ausstellungen zur Geschichte des Kirchengebäudes, der Gemeinde und / oder des Ortes, Diskussions- und Vortragsveranstaltungen, Konzerte, Lesungen und andere Kulturveranstaltungen, Exkursionen oder Tage der offenen Tür – der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Durch die Öffnung der Kirchen kann den Besuchern gezeigt werden, welcher Reichtum an Ausstattung und gelebter Geschichte sich hinter den auf den ersten Blick oft recht bescheidenen Mauern verbirgt. Zugleich soll aber auch darauf hingewiesen werden, dass dieser Reichtum oft noch vom Verlust bedroht ist, wenn nicht in absehbarer Zeit notwendige Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten möglich werden.

Der Förderkreis Alte Kirchen möchte 2005 seine Jahresbroschüre "Offene Kirchen. Brandenburgische Dorfkirchen laden ein" mit erweitertem Umfang erscheinen lassen. Dabei sollen im Heft die vielfältigen Aktivitäten in den Regionen vorgestellt und für Ihre Veranstaltungen Besucher geworben werden.

Bitte informieren Sie uns schon jetzt über Ihre Vorhaben. Vielleicht können wir bei der organisatorischen Vorbereitung helfen oder Ihnen Kooperationspartner in Ihrer Umgebung nennen.

 
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Anerkennung für mutigen Beginn

Die Preisträger im Wettbewerb "Startkapital" wurden ermittelt

Die Entscheidung im Wettbewerb "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" ist gefallen. Aus den diesjährigen Bewerbungen wählte die Jury nach eingehender Diskussion die fünf Preisträger, die wir hier vorstellen wollen. Die Arbeit der Jury leisteten Marianne Fiedler und Angus Fowler vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Matthias Hoffmann-Tauschwitz vom Kirchlichen Bauamt, Liebgart Schiemann vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und Franz Wede vom Verein Bunte Wiese Langnow.

Die Förderpreise werden am 24. September auf einer Festveranstaltung in der Dorfkirche Pinnow, Landkreis Oberhavel, übergeben. Heute schon herzlichen Glückwunsch den Gewinnern.


Kirche Alt Krüssow

Ein Geschichtsdenkmal dem Vergessen entrissen

Dass die fast vergessene ehemalige Wallfahrtskirche Alt Krüssow in ihrer Bedeutung als Bau– und Geschichtsdenkmal wieder ins öffentliche Bewusstsein rückte, ist dem rührigen Förderverein zu verdanken. Einst gehörte der Ort neben Wilsnack und Heiligengrabe zu den bekanntesten Wallfahrtsstätten der Prignitz.

Die Kirchengemeinde in dem winzige Dorf ist mit der Instandsetzung und Unterhaltung des viel zu großen Gebäudes überfordert. Seit Jahren wurde nur noch die Seitenkapelle genutzt; das Hauptgebäude zeigte zunehmend Schäden.

Durch Initiative des Vereins konnte jetzt ein Gesamtsanierungskonzept erarbeitet werden. Mit guter Öffentlichkeitsarbeit und ersten Veranstaltungen wird für das Projekt in der Öffentlichkeit geworben.

  Förderverein Wallfahrtskirche Alt Krüssow e.V.
 
Dorfkirche Gadow

Auch die Jugend des Dorfes macht mit

Wie einige der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Brandenburg errichteten Kirchen ist das Gadower Gotteshaus etwas überdimensioniert. Die heute viel kleinere Kirchengemeinde nutzte das Gebäude deshalb seit 40 Jahren nicht mehr für ihre Gottesdienste.

Eine erstaunlich agile Bürgerinitiative führte inzwischen in Eigenleistung erste Sicherungsmaßnahmen durch und richtete unter der Empore eine Winterkirche ein, so dass die Gemeinde wieder in ihre Kirche zurückkehren konnte. Schließlich gründete sich ein Förderverein, der im Ort bereits eine breite Basis hat. Es entstand eine dringend notwendige Lobby für ein bedrohtes Bauwerk in einer strukturschwachen Region. Auch die Dorfjugend ist mit dabei; sie gestaltete den Internetauftritt des Vereins.

  Förderverein Dirfkirche Gadow e.V.
 
Dorfkirche Hohenlychen

Lobby für eine Kapelle

Mit den zahlreichen denkmalgeschützten, zur Zeit ungenutzten Gebäuden der ehemaligen Heilstätten in Hohenlychen verfügt die Stadt Lychen über ein riesiges Areal, für das dringend Investoren gesucht werden, um den fortschreitenden Verfall aufhalten zu können. Der Förderverein wurde gegründet mit dem Ziel, sich an den notwendigen Erhaltungsarbeiten zu beteiligen. Vorrangig beschäftigt er sich zur Zeit mit der ehemaligen Anstaltskapelle, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee als Treibstofflager genutzt worden war. Der Verein schloss mit der Stadt einen Pachtvertrag, machte die Kapelle wieder öffentlich nutzbar und wirbt mit Veranstaltungen Spenden ein. So konnten bereits sechs künstlerisch gestaltete Fenster wieder hergestellt werden.

  Verein Heilstätten Hohenlychen e.V.
 
Kapelle Lauchhammer

Vom Krieg verschont — jetzt Hilfe dringend

Die ehemalige barocke Schlossanlage Mückenberg wurde 1945 zerstört. Erhalten blieben das Kavalierhaus und die Kapelle (hier eine historische Aufnahme). Sie ist heute Eigentum der Kommune, alleiniges Nutzungsrecht hat die Kirchengemeinde. Beide Partner wirken im Förderverein für die Instandsetzung der Kapelle mit. Ihm ist für die weitere Arbeit auch die Rolle des Mittlers zu wünschen.

  Förderverein Schlosskirche Lauchhammer-West e.V
 
Dorfkirche Woltersdorf

Ihre Kirche soll nicht verkauft werden

Die Woltersdorfer Kirche entstand 1827 und wurde 1886 im Rundbogenstil umgebaut. Turm und Kirchendach weisen inzwischen erhebliche Schäden auf.

Eine Warnung gab der Blick in den Nachbarort Briest, wo das Kirchengebäude inzwischen aufgegeben und als Eigentum der Kommune zum Verkauf ausgeschrieben worden ist. Dagegen gründeten die Woltersdorfer einen Förderverein, der von Beginn an auf einer soliden Basis bei den Einwohnern steht. Die Mitglieder organisierten bereits mehrere Veranstaltungen, deren Erlöse der Instandsetzung der Kirche zugute kommen.

Das "Startkapital" soll dem Verein Mut machen im Einsatz gegen weiteren Verfall und die drohende Profanierung von Kirchengebäuden in der Region.

  Förderverein Dorfkirche Woltersdorf e.V.
 
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Mehr Raum und Zeit für einen fruchtbaren Gedankenaustausch

Schlussfolgerungen aus der Jahreshauptversammlung

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat in den vergangenen Monaten eine gute Entwicklung genommen. Das zeigt sich unter anderem in der gewachsenen Aufmerksamkeit, die seine Arbeit und sein gesellschaftliches Engagement in der Öffentlichkeit findet. Das zeigt sich in der vielfältigen erfolgreichen Beratungstätigkeit für lokale Fördervereine und Kirchengemeinden ebenso wie in finanzieller Unterstützung bei der Rettung gefährdeter Kirchen. Das zeigt sich schließlich auch in der gewachsenen Mitgliederzahl, vor allem aber in der Bereitschaft der Mitglieder, tatkräftig, anregend und auch kritisch diese Arbeit zu begleiten und mitzugestalten.

Die gut besuchte Jahreshauptversammlung 2004 legte davon beredtes Zeugnis ab.

So konnte Angus Fowler im Bericht des Vorstandes viele gute Ergebnisse vermelden, die überall dort ganz augenscheinlich werden, wo sich in mancher einst fast vergessenen Dorfkirche wieder neues Leben regt. ("Alte Kirchen" berichtete in den vergangenen Monaten kontinuierlich über diese Arbeit.) Den Teilnehmern wurden aber auch die Probleme offen gelegt, die sich aus der jüngsten gesellschaftlichen Entwicklung ergeben und unter anderem die Rettung und Erhaltung von Baudenkmalen erheblich erschweren. So die Streichung des Bundesprogramms "Dach und Fach", gegen die energisch, aber vergeblich protestiert wurde. Umso dringlicher werden die Anstrengungen, solche Ausfälle durch Bürgerinitiative aufzufangen. Und das in einer Zeit, da Zuwendungen aus öffentlicher und privater Hand immer rarer werden. So musste Schatzmeister Dr. Hans Krag im Finanzbericht auch darauf verweisen, dass in diesem Haushaltsjahr mit keinerlei Zuschüssen gerechnet werden kann.

Sparsamster Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln war deshalb auch ein wichtiges Thema, das die Mitglieder in der Aussprache hinterfragten. Was kostet die so wichtige, aber auch sehr gut geführte Öffentlichkeitsarbeit? Ein Viertel der Gesamtausgaben, lautete die Antwort mit dem Zusatz, dass damit Entscheidendes für die Einwerbung von Spenden geleistet wird. - Kann Porto gespart werden beim Versand unserer Schriften? Antwort: Wo irgend möglich, werden bereits die kostengünstigsten Versandunternehmen genutzt.

Grundsätzliches warf Dr. Uwe Otzen in die Debatte: Da die Zuschüsse immer spärlicher fließen, sollte das eigentliche Anliegen des Förderkreises, die Erhaltung der Bausubstanz, weiter im Vordergrund stehen; Fördermittel für Innenausstattungen seien möglichst gering zu halten.

Cornelia Behm, Mitglied des Deutschen Bundestages, die seit kurzem dem Förderkreis Alte Kirchen angehört, sprach von ihrem persönlichen Einsatz für den Erhalt des Dach-und-Fach-Programms, dessen Streichung sie mit dem Wissen um seine große Bedeutung zutiefst bedaure. Sie schlug dem Förderkreis vor, gerade in dieser Zeit vor den Wahlen Parteikandidaten aller Richtungen zu Podiumsgesprächen einzuladen und direkte Stellungnahmen abzufordern. Ebenso riet sie, in der Diskussion um das neue brandenburgische Denkmalschutzgesetz Landtagsabgeordnete anzusprechen und die vom FAK erarbeiteten kritischen Anmerkungen vorzutragen.

Für die Mitglieder des neu gewählten Vorstandes ergibt sich aus der fruchtbaren Aussprache die Aufgabe, die hier empfangenen Anregungen und Hinweise in die weitere Arbeit einzubringen. Eine Schlussfolgerung aus der diesjährigen Jahreshauptversammlung ist vor allem die Erkenntnis, dass dem Gespräch mit den Mitgliedern künftig mehr Raum und Zeit eingeräumt werden müssen. In diesem Sinne sollte auch die nächste Versammlung noch sorgfältiger vorbereitet werden.

Zu danken ist der Elias-Gemeinde in Berlin-Prenzlauer Berg, in deren Räumen der Förderkreis zu Gast sein durfte, sowie dem Architekten Klaus Block und der Museumsmitarbeiterin Maria Vorberg, die anschließend durch die in ein Museum für Kinder umgestaltete ehemalige Elias-Kirche führten.

Eva Gonda

Der neu gewählte Vorstand:

Vorsitzender:Angus Fowler
Stellvertretender Vorsitzender:Arnulf Kraft
Mitglieder:Dr. Hans Krag
Wolf-Rainer Marx
Alexander Möbius
Günter Schöne
Dr. Joachim Tost
Juergen Vetter
Geschäftsführer:Bernd Janowski
Kassenprüfer:Edmund Köhn
Norbert Pahler

Herzlicher Dank für ihre jahrelange Vorstandsarbeit wurde Eva Gonda und Thomas Raschke ausgesprochen, die auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand ausschieden, für den Förderverein aber weiterhin aktiv tätig sein wollen.

Für die Bewältigung der umfangreichen Buchführung bedankte sich der Vorstand bei Renate Rebitzki, die diese Aufgabe bis Dezember 2003 engagiert wahrgenommen hat.

Mitgliederzahl weiter gestiegen

Am Tag der Jahreshauptversammlung hatte der Förderkreis 251 Mitglieder, davon 186 persönliche Mitglieder, 55 Vereine, 3 Kirchengemeinden und 7 Firmen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug die Mitgliederzahl 202.

Das Protokoll der Jahreshauptversammlung 2004 wird den FAK-Mitgliedern mit der Einladung zur Jahreshauptversammlung 2005 zugestellt.

 
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Das mächtige Mauerwerk lässt die große Gefahr kaum ahnen

Dorfkirche Königsberg 
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Taufengel
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IN AKUTER NOT
 
Diesmal bitten wir um
 
Ihre Spende für die Kirche von
Königsberg in der Ostprignitz
 
Die alte Dorfkirche musste gesperrt werden.

Als Pfarrer in der Ostprignitz hat Berthold Schirge inzwischen dreizehn Dörfer mit zwölf Predigtstellen zu betreuen. Neben seiner seelsorgerischen Arbeit bedeutet dies, dass er, gemeinsam mit seinen Gemeindekirchenräten, auch Bauherr für zwölf historische Kirchengebäude ist. In fünf Fällen konnten seit 1990 umfangreiche Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen werden, anderswo – in Fretzdorf, Jabel und Teetz – ist die Sanierung, unterstützt durch die Arbeit von Fördervereinen, im Gange und wird je nach Finanzlage auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Seit einigen Wochen hat Berthold Schirge jedoch wieder einen echten Problemfall in seinem Sprengel: Seit Dienstag nach Ostern ist die malerisch auf einer kleinen Anhöhe gelegene Dorfkirche in Königsberg weiträumig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, Hinweisschilder verbieten den Zugang zum Gelände. Auf Grund einer Anordnung der Bauaufsicht des Landkreises wurde das Kirchengebäude bis auf weiteres gesperrt.

 Feldsteinkirche Königsberg - Altar
Königsberger AltarGroßbildansicht
Altar aus der Dorfkirche Teetz
Teetzer AltarGroßbildansicht

Der Innenraum der vom Einsturz bedrohten Kirche birgt Überraschungen: Ein hoher Altaraufbau in den Formen der Spätrenaissance mit vier übereinander angeordneten Gemälden und die reich geschmückte Kanzel stammen aus dem Jahr 1631. Bei der Restaurierung des kleinen barocken, pausbäckigen Taufengels wurde vielleicht etwas zu viel Farbe verwendet. An den Feldern der Patronatsempore künden 16 Geschlechterwappen von der weitschweifigen Verwandtschaft der ehemaligen Patronatsfamilie. Und die noch gut spielbare Orgel von 1844 ist immerhin das Opus 1 des Wittstocker Instrumentenbauers Friedrich Hermann Lütkemüller!

Bis vor kurzem befand sich in Königsberg noch der Teetzer Altar, ein prächtiges Werk von ca. 1520 mit Schnitzfiguren sowie beeindruckenden Gemälden aus der Cranach-Schule, der vor einigen Jahren aus der dortigen Kirche ausgelagert werden musste, als diese baufällig war. Vorsorglich hat man das Kunstwerk jetzt wieder auf die Reise geschickt; der Teetzer Altar steht jetzt in der Kapelle des Nachbardorfes Ganz...

Die schweren Bauschäden sieht man der mächtigen Feldsteinkirche in Königsberg auf den ersten Blick nicht an. Gemeindegliedern war jedoch aufgefallen, dass die seit längerem bekannten Risse an der Südwand breiter wurden. Mit Rissmonitoren wurden die Bewegungen gemessen. Die Ergebnisse waren alarmierend. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die drei Stützpfeiler der Ostwand keine Verbindung mehr zum Mauerwerk haben und die Sicherheit der Dachkonstruktion nicht mehr gewährleistet ist, da tragende Hölzer gebrochen und statische Verbindungen durch Verformung der Bauteile unterbrochen sind.

Die Königsberger Gemeinde, etwa 100 Gemeindeglieder bei 270 Einwohnern, gehört nach Auskunft von Pfarrer Schirge, zu den aktivsten seines Pfarrsprengels. Bisher wurde in der Dorfkirche alle 14 Tage Gottesdienst gefeiert, was auch durch das Engagement von Lektoren sowie eines der Gemeinde verbundenen Berliner Pfarrers möglich wurde. In Zukunft wird sich die Gemeinde im ehemaligen Pfarrhaus versammeln; damit abfinden will sie sich jedoch nicht. Einig ist man sich darin, dass alles unternommen werden soll, um das Kirchengebäude sowie seine wertvolle Ausstattung zu retten.

Informationen über: Pfarrer Berthold Schirge; Tel.: (0 33 94) 72 13 22

 

Der Förderkreis Alte Kirchen bittet um Spenden für die weitere Instandsetzung der Dorfkirche von Königsberg.

Spenden-Konto: 51 99 76 70 05 bei der Berliner Volksbank; BLZ 100 900 00

Kennwort: Königsberg

Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenquittung; bitte geben Sie dafür auf dem Überweisungsträger Ihre Anschrift an.

 
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Wo sich Vergangenheit und Zukunft in alten Feldsteinmauern begegnen

Frühjahrsexkursion des Förderkreises Alte Kirchen rund um Strausberg

65 Interessierte – Mitglieder und Freunde des FAK – trafen sich erwartungsvoll in Strausberg, um fünf ganz unterschiedliche Dorfkirchen zu besuchen – alle aus dem Mittelalter und in Feldsteinbauweise errichtet.

Im überdachten Chor der Dorfkirche Hirschfelde begrüßten der Vorsitzende, Angus Fowler, und der Geschäftsführer, Bernd Janowski, die Anwesenden. Danach stimmte uns der stellvertretende Vorsitzende, Pfarrer Arnulf Kraft, mit dem 23. Psalm "Der Herr ist mein Hirte..." und mit einer Parabel von Gotthold Ephraim Lessing nachdenklich auf den Tag ein.

Lessing: Die Sperlinge. Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzählige Nester gab, ward ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glanze dastand, kamen die Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungen zu suchen. Allein sie fanden sie alle vermauert. "Zu was", schrieen sie, "taugt denn nun das große Gebäude? Kommt, verlasst den unbrauchbaren Steinhaufen!"

Hans-Jürgen Albrecht, Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Hirschfelde, und Architekt Uwe Großkopf informierten über die Geschichte des Dorfes und der Kirche und über Perspektiven zur Wiederherstellung des Bauwerks, das noch größtenteils Ruine ist.

Auch die Dorfkirche Wesendahl ist noch zu großen Teilen Ruine. Der Vorsitzende des Fördervereins, Uwe Sack, berichtete vom großen Einsatz der Dörfler und der Freiwilligen Feuerwehr bei den Räumarbeiten und der Notsicherung des imposanten Kirchturms. Die Kirchengemeinde nutzt einen Teil des Gebäudes für die Gottesdienste. Architekt Klaus Schaffrick ergänzte, dass das neue Kirchendach noch in diesem Jahr fertig werden soll. Mehrfachnutzung der Kirche ist geplant. So ist z. B. die Genehmigung der Landeskirche für nichtkirchliche Trauerfeiern erreicht worden.

Manches haben Hirschfelde und Wesendahl gemeinsam: den mittelalterlichen Ursprung, starken Verfall, Freigabe zur Materialentnahme nach 1945, jedoch bestimmen unterschiedliche Motive die Aktiven: Hans-Jürgen Albrecht ist in Hirschfelde geboren und lebt weiter dort – Uwe Sack dagegen ergriff als quasi Außenstehender die Initiative.

In der Dorfkirche Prädikow wurden wir von Pfarrer Manfred Caesar empfangen. Baugeschichtlich ist die Kirche etwas fast Einmaliges für Brandenburg: eine dreischiffige Basilika auf dem Dorf! Die Seitenschiffe sind nicht erhalten, lassen sich aber am Mauerwerk nachweisen. Den Innenraum beherrscht ein deckenhohes Abendmahlsbild in Sgraffito-Technik von Mannewitz, Rostock, (um 1955). Seine Anlehnung an sozialistische Kunst stieß bei einigen aus der Gruppe auf Kritik. Manfred Caesar erläuterte, dass die wieder nutzbare Kirche mit Ausstattung aus verschiedenen Epochen den Dorfbewohnern, die überwiegend schlesische Flüchtlinge sind, zur Heimat geworden ist. - Zu einer kleinen Extratour lud Pfarrer Caesar in sein Pfarrhaus ein, das wie ein kleines Museum reich mit Möbeln und Gegenständen vergangener Epochen eingerichtet ist. Ein Schmuckstück ist die Küche.

Die sehr große Dorfkirche Zinndorf ist in bestem Zustand. Die bemerkenswerte Innenausstattung wurde in den letzten Jahren sorgfältig restauriert. Wertvolle Kunstwerke und die reich verzierte Brettchendecke bestimmen den Raumeindruck. – Pfarrerin Anne Lauschus erzählte mitreißend von einem Wunder nach dem anderen im Zuge dieser Arbeiten. Am 14. August 2004 wird die Wiedereinweihung der Zinndorfer Kirche gefeiert.

 Dorfkirche Hennickendorf
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SYMBIOSE von Alt und Neu in Hennickendorf: ein moderner Anbau für die Kinder- und Jugendarbeit neben dem alten Kirchenschiff
Foto: AEROcamera

Zum Abschluss die Dorfkirche Hennickendorf mit dem barocken Inschriftenaltar des Holzbildhauers Bernhard Heinrich Hattenkerell (1720), hervorragend restauriert und recht selten, denn statt Gemälden befinden sich Inschriften auf den Altartafeln, hier die Einsetzungsworte zum Abendmahl. Bis vor etwa zwanzig Jahren schmückte der Altar die Dorfkirche im uckermärkischen Küstrinchen, musste jedoch auf Grund der akuten Baufälligkeit des Gebäudes ausgelagert werden und kam nach einigen Umwegen nach Hennickendorf.

Für die Kinder- und Jugendarbeit wurde direkt an die Kirche ein moderner, rundum verglaster Raum angebaut, den man durch eine kleine Tür hinter der Kanzel erreicht.

Eine bestens vorbereitete Mittagspause gab es in Prötzel. Vom Wetter war gar nicht zu reden? - Wie gut, dass es wenigstens nicht regnete. Für die sorgfältige und kenntnisreiche Vorbereitung auch dieser Exkursion gebührt allen Dank, die dazu beigetragen haben.

Marianne Fiedler

 
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Dunkle Wolken über der Prignitz

Exkursion des Vorstandes in die Prignitz

Am Donnerstag, dem 9. Juni unternahm der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen eine Exkursion in die Prignitz, um gefährdete Kirchenbauten der Region zu besichtigen.

Dabei war das Wetter der dramatischen Situation durchaus angemessen: Als wir an der ersten Station, in Alt Krüssow, eintrafen, zuckten Blitze durch den tiefschwarzen Himmel, Donner grollte und der Regen hatte die Dorfstraße fast in einen Bach verwandelt.

  Dorfkirche Alt Krüssow
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Der Innenraum der imposanten Backsteinkirche von Alt Krüssow mit seinen Stern- und Kreuzrippengewölben beeindruckt trotz zerschlagener Fenster und abblätternder Farbe. Die kleine Kirchengemeinde des Dorfes hat sich für ihre Gottesdienste schon vor Jahren in die Nordkapelle zurückgezogen. Ein geschnitzter Annen-Altar sowie eine dahinter befindliche Nische, vermutlich eine Kopie des Heiligen Grabes, erinnern hier an die Zeit, als Alt Krüssow das Ziel von Wallfahrten zur Heiligen Anna, Mutter Mariens und Großmutter Jesu, war. Bauingenieur und Statiker Axel Seemann erläutert uns, dass auf Grund von massiven Schäden im Dachstuhl des Kapellenanbaus von einer akuten Einsturzgefahr gesprochen werden kann. Auf Veranlassung des Fördervereins Wallfahrtskirche Alt Krüssow hatte Seemann ein umfassendes Sanierungskonzept für die Kirche erstellt, an dessen Finanzierung sich auch der Förderkreis Alte Kirchen (unterstützt vom Lions-Club Seeheim, dem an dieser Stelle ausdrücklich gedankt wird!) beteiligen konnte. Allein ein erster Bauabschnitt, der eine Notsicherung des Daches vom Kapellenanbau sowie der Fenster vorsieht, ist mit etwa 50.000 Euro veranschlagt. Woher das Geld dafür kommen soll, weiß auch Uwe Dummer, der Vorsitzende des Fördervereins, noch nicht zu sagen. Auf jeden Fall ist er stolz darauf, dass der bedeutende Kirchenbau nach einer langen Zeit des Dornröschenschlafes durch Veranstaltungen sowie durch den Artikel von Dirk Schumann in unserer Broschüre "Offene Kirchen 2004" wieder in die Erinnerung der Öffentlichkeit gelangte. Erste Anträge auf Fördermittel sollen demnächst auf den Weg gebracht werden. (Am Samstag, dem 7. August um 17.25 Uhr wird der RBB in seinem Magazin "Himmel und Erde" über die Alt Krüssower Kirche und die Aktivitäten des Fördervereins berichten.)

 Dorfkirche Gadow

Auch in Gadow ist es einem neu gegründeten Förderverein zu verdanken, dass ein lange Zeit vergessenes Kirchengebäude "wiederentdeckt" wurde. Ende des vergangenen Jahres bauten Gemeindeglieder in Eigeninitiative eine Winterkirche ein und räumten den Schutt aus dem Kirchenschiff. Seitdem, so der zuständige Gemeindepfarrer Norbert Merten, sei der Raum nicht wiederzuerkennen. Das alles kann jedoch nicht über die massiven Bauprobleme hinwegtäuschen. Architektin Bärbel Kannenberg berichtet, dass die hölzerne Zwischendecke des Backsteinbaus von ca. 1860 durch tierischen Befall völlig zerstört sei und "eigentlich nur noch von der Farbe zusammengehalten" werde. Zum Zustand des Dachstuhls könne sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt recht wenig sagen, da er ohne Gefahr nicht zu betreten sei. Ein Holzschutzgutachten ist dringend nötig. – Vielleicht können die 2.500 Euro, die der Gadower Verein als einer der Preisträger des vom FAK ausgeschriebenen "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine" erhält, ein erster Beitrag dafür sein.

  Dorfkirche Königsberg
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Pfarrer Berthold Schirge erlaubt uns einen Blick ins Innere der Königsberger Kirche, warnt aber eindringlich vor dem Betreten des größten Feldsteinbaus in der Prignitz. Seit April ist das Gotteshaus bauaufsichtlich gesperrt. Eine aus der Gemeinde heraus entstandene Initiative will sich für die Instandsetzung einsetzen. Beim Mittagessen beschließt der Vorstand des FAK spontan, eine Spende in Höhe von 1.500 Euro für die gefährdete Königsberger Kirche zu überweisen – wohl wissend, dass dies im Hinblick auf die Bauprobleme eigentlich nur einen Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein bedeutet. Vielleicht kann diese Geste jedoch weitere Spender oder Fördermittelgeber ihrerseits dazu motivieren, Hilfe zu leisten.

In Königsberg befand sich lange Zeit der bemerkenswerte Teetzer Altar mit seinen wunderschönen Schnitzfiguren und den Malereien, die dem Umfeld der Cranach-Schule zugeschrieben werden. Kurz vor der Sperrung des Gebäudes wurde er in die Gutskapelle von Ganz ausgelagert. Seine Besichtigung lässt uns für kurze Zeit die Probleme dieses Tages vergessen. In dem schlichten Raum hat das Kunstwerk vorerst einen würdigen Platz gefunden.

  Dorfkirche Teetz

Nicht zum ersten mal besuchen wir anschließend die aus dem 19. Jahrhundert stammende Kirche in Teetz, die in Baugestalt und Größe durchaus Ähnlichkeiten mit dem Kirchengebäude in Gadow aufweist. Der hiesige Förderverein nahm seine Arbeit bereits 1999 auf und kann inzwischen auf Erfolge verweisen. Vorsitzender Dieter Kliche berichtet, dass es nach ersten Reparaturen im Bereich der Apsis, die zum großen Teil in Eigenleistung erfolgten, im letzten Jahr möglich war, den Dachstuhl zu sanieren und das Dach des Kirchenschiffes mit Schieferplatten um- bzw. neu zu decken.

Derartige Lichtblicke stehen in Bückwitz noch aus. Im Gesimsbereich der ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammenden Kirche wurde Schwammbefall festgestellt. Das größte Problem stellt jedoch der Turmhelm dar. Zur Stabilisierung wurden im Inneren Eisenringe eingezogen, die inzwischen rosten und die gesamte Konstruktion gefährden. Pfarrerin Kathrin Nagel befürchtet, dass der Kirchturm den nächsten Winter nicht überstehen könnte. Ein Mitglied des Gemeindekirchenrates hat die Reste der Hollenbach-Orgel durch ein Holzgestell und Plastikplanen fachmännisch eingehaust, um sie vor weiteren Verlusten zu schützen. Für dringend nötige Instandsetzungsarbeiten am Kirchengebäude fehlt jedoch das Geld.

  Dorfkirche Vichel - innen
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Dorfkirche Vichel - echter Hausschwamm

Erschütternd ist zum Abschluss unserer Exkursion auch der Besuch in Vichel. Beim Betreten der Kirche fällt der Blick zuerst auf die neu gestalteten farbigen Fenster im Chor, deren Einbau die Gemeinde erst zu Ostern 2003 mit einem Gottesdienst feierte. Die Investition erwies sich jedoch als grober Fehler, denn durch das Verschließen der zuvor defekten Fenster erhielt der echte Hausschwamm, der bisher weitgehend im Verborgenen geblieben war, beste Wachstumsbedingungen. Überall im Innenraum sind frische Fruchtkörper dieses gefährlichen Holzschädlings zu erblicken. Die Dachkonstruktion, Balken und Mauerwerk im Gesimsbereich, die hölzerne Ausstattung – der Schwamm sitzt in dieser Kirche überall (s.a. Märkische Allgemeine vom 20. April 2004). Die Evangelische Landeskirche hat ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, das etwa zwei Wochen nach unserem Besuch durch den Architekten Michael Ewerien und den Baustatiker Axel Seemann einer größeren Runde von Fachleuten vorgestellt wurde: Das Ergebnis ist ernüchternd: allein für die notwendigsten Arbeiten zur Beseitigung des Hausschwamms werden über 100.000 Euro benötigt. Woher das Geld kommen soll, wusste bei dem Expertentreffen vorerst niemand zu sagen.

Das Fazit unserer Besichtigungsfahrt: noch immer sind zahlreiche Kirchengebäude im Land akut in ihrem Bestand bedroht. An vielen Orten gibt es inzwischen Menschen, die sich damit nicht abfinden wollen und sich ehrenamtlich für den Erhalt ihrer Gotteshäuser einsetzen. Ohne öffentliche Unterstützung jedoch werden sie zumeist nur wenig ausrichten können. Als vor einem Jahr das Bundesprogramm "Dach und Fach" zur Notsicherung denkmalgeschützter Bauten sowie das Förderprogramm "Kultur in den neuen Bundesländern" abrupt beendet wurden, schrieb der Förderkreis Alte Kirchen einen Protestbrief. Im damaligen Antwortschreiben der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Staatsministerin Christina Weiss, hieß es: "Mehr als 12 Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten erscheint mir eine flächendeckende Förderung der kommunalen kulturellen Infrastruktur in den neuen Ländern durch den Bund nicht mehr vorrangig zu sein." – Schade, wir hätten Frau Weiss bei unserer Fahrt durch die Prignitz gern dabei gehabt.

 
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Fachwerk - Blockbau - Schrotholzbau

Unterwegs zu alten Holzkirchen jenseits der Oder

 Dorfkirche Chlastawe - Zeichnung
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Anlass zur Exkursion des Förderkreises zu Holz– und Fachwerkkirchen südlich der Warthe in Polen waren Zeichnungen des aus Frankfurt (Oder) stammenden Künstlers Adolf Schröter. Er hatte 1937 u. a. die Holzkirche in Chlastawe/Chlastawa bei Neu-Bentschen/Zbąszynek mit dem Glockenhaus, dem sogenannten Brauttor, dargestellt (s. Zeichnung). Folglich stand am Anfang der Exkursion zum Vergleich ein Besuch der Ausstellung von Werken Schröters und seines Kollegen Rudolf Grunemann in der Frankfurter Marienkirche.

Ziel waren zunächst Kirchen in den ehemaligen Kreisen Oststernberg, Schwiebus-Züllichau und Meseritz/Woiwodschaft Lubuski, früher ein Gebiet mit fließenden Grenzen in Holzformen zwischen dem deutschen Fachwerk und dem polnisch-slawi-schen Blockbau mit anderen Mischformen wie dem verbretterten Skelett– bzw. Rahmenbau (Schrotholzbau). Nach Abbrüchen und Zerstörungen im 18., 19. und frühen 20. Jh. sowie am Ende des Zweiten Weltkriegs und danach gibt es heute nur noch Reste des einst großen Bestandes.

 Dorfkirche Chlastawe
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Höhepunkte waren zweifellos die Kirchen in Chlastawe (verbretterter Fachwerkbau 1637, Glockenhaus 1690,Turm 1911) und in Klemzig/Klępsk (Ostwand Blockbau 15./16. Jh., sonst Fachwerk um 1576, Turm Schrotholzbau 1657). Beide besitzen außerordentlich wertvolle restaurierte Innenausstattungen - allerdings war starker Wurmbefall an der Südempore in Chlastawe festzustellen. Trotz anstehender Hochzeit nahm sich der Pfarrer in Klemzig Zeit, uns seine Kirche und den reichen Gotik-/Renaissance-Altar zu zeigen. Hier weiß man offenbar um die Bedeutung des Kulturtourismus, wie ein Informationsblatt in deutscher Sprache und Postkarten kundtun.

Bemerkenswert ebenso weitere Besuchsziele: Blockbau-Kirchen in Kuschten/Kosieczyn (16. Jh.) und Burschen/Boryszyn (17./18. Jh.) mit gut erhaltener Ausstattung, Empore und Orgel 1901-02; Fachwerkkirchen in Selchow/Zelechow (1664), Möstchen/Mostki (Mitte 18. Jh.), Spiegelberg/Pozrzadlo (1760-66, Fenster und Dachreiter 1859) und Grabow (1860); verbretterte Schrotholztürme in Schönow/Sieniawa (16. Jh. ?) und Kalzig/Kalsk (16. Jh.).

Auch massiv gebaute Kirchen wurden besucht: die mehrseitigen Zentralbauten in Herzogswalde/Zubrow (1700) und Palzig/Palck (1732-35); Problemfälle wie die ehemalige reformierte Schlosskirche in Züllichau/Sulechow (1752-1765, zugemauerte Fenster, ungenutzt, im Verfall); die Ruine der mittelalterlichen Kirche in Kutschlau/Chociule, die "neue" evangelische Kirche in Rentschen/Radoszyn (1802, ebenfalls im Verfall).

Aber auch bedeutende Zeugnisse der Backsteingotik standen auf dem Programm: die Kirche in Ostrow (frühes 14. Jh.) und als Höhepunkt die Stadtkirche Drossen/Osno Lubuskie (14./15. und 16./17. Jh.) mit wichtiger Innenausstattung aus der Renaissance. Ein leider nur kurzer Besuch am Sonntagmorgen galt der barocken Kirche des Klosters Paradies.

Die 32 Teilnehmer der Reisegesellschaft wurden gut betreut von den polnischen Begleitern und Dolmetschern Ananke Sajdak und Halina Raddatz sowie vom Busunternehmen Marian Saban. Unser Dank gilt besonders Ananke Sajdak, die selbstlos und ohne Erstattung ihrer nicht geringen Ausgaben die Besichtigungen, die Unterkunft und die Mahlzeiten vermittelte und ohne deren Hilfe diese Exkursion nicht möglich gewesen wäre.

Künftige Reiseziele könnten sein: Entlang der Warthe und Netze Richtung Bromberg/Bydgocz, Posen/Poznan und Umgebung, die Friedenskirchen in Schweidnitz/Swidnica und Jauer/Jawor und Schlesien oder die auf der UNESCO-Welterbeliste stehenden Holzkirchen südlich und südöstlich von Krakow.

Text und Foto: Angus Fowler

In Anlehnung an die Exkursion des FAK nach Polen wird am 2. September, 19.00 Uhr, zu einem

Vortrag "Alte Holzkirchen"

in die Heilandskapelle Frankfurt (Oder) Eichenweg 41, eingeladen. Es spricht Angus Fowler, Vorsitzender der Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Die Kapelle soll Begegnungsstätte für einen Arbeitskreis "Alte Holzkirchen" werden. Interessenten wenden sich an den FAK oder den Förderkreis "Heilandskapelle".

 
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Komödianten mit Hintersinn unterm Dach einer alten Dorfkirche

In Küstrinchen entwickelt sich wieder ein vielseitiges kulturelles Leben

Theater in der Kirche

Eine kleine Kirche, durch deren zerbrochene Fensterscheiben der Wind pfeift, von deren Mauern der Putz bröckelt, deren verlorene Innenausstattung gelegentlich durch ein paar Gartenbänke ersetzt wird - und dort treten Künstler der Wiener Staatsoper auf? Dort finden Theateraufführungen statt?

Die Dorfkirche von Küstrinchen bei Lychen, vor einigen Monaten noch dem Verfall preisgegeben, ist durch bürgerschaftliches Engagement zunächst einmal so gesichert worden, dass wieder erste Gottesdienste stattfinden konnten. Und mit ihrem Wiedererstehen als Ortsmittelpunkt kehrte zugleich neues Leben ins Dorf ein. Zwei Veranstaltungen in diesem Frühjahr erzählen davon.

Der Verein "Theater in der Kirche" hatte in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zu einem vergnüglichen Nachmittag mit Sean O´Caseys "Das Ende vom Anfang" nach Küstrinchen eingeladen. Und viele kamen - nicht nur die Ortsansässigen, die ob der harten Holzbänke Kissen und Decken mitbrachten, sondern auch Theaterbegeisterte aus der Umgebung, und selbst aus Berlin waren einige junge Leute angereist. Was sich dann auf der Bühne an Turbulenzen bot, machte nicht nur den Zuschauern Spaß; auch die Akteure selbst hatten sichtlich ihre Freude an der Sache.

Vor zwei Jahren hatte Heidi Walier, die in ihrem Berliner Atelier Startbrett Schauspieler ausbildet, mit ihren Eleven das Projekt Theater in der Kirche ins Leben gerufen, das sich immer mehr zu einer eigenständigen freien Theatergruppe in Brandenburg entwickelt. Hatte man mit zwei Aufführungen im ersten Jahr begonnen, so sind es im diesjährigen Programm schon 14. Nach den französischen Klassikern "Die Lerche" von Anouilh und "Der eingebildete Kranke" von Molière brachte man nun ein irisches Werk auf die Bühne.

Mit diesem Projekt bietet sich den jungen Schauspielern die Möglichkeit, sich mit besonderer Vorbereitung bereits während der Ausbildung einem größeren Publikum zu präsentieren. Dabei lernen sie wie weiland bei der Wanderbühne ihr "Handwerk" von der Pike auf, packen beim Kulissenschieben zu, sind ihre eigenen Garderobieren und Maskenbildner. Sparsamkeit steht obenan. Für die Bühnenbilder sucht sich Heidi Walier die Utensilien möglichst kostenlos zusammen. Das Bühnen-Podium, die Lichtanlage und Kostüme werden bei Theatern ausgeliehen.

"Theater in der Kirche" ist als gemeinnütziger Verein um Fördermittel bemüht, um die Aufführungen in brandenburgischen Dorfkirchen fortführen und ausweiten zu können. Das setzt allerdings Eigenmittel voraus, die durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und unentgeltliche Arbeit aufzubringen sind. Bei der diesjährigen Veranstaltungsreihe sind das weit mehr als 80 Prozent der entstehenden Kosten.

In Küstrinchen war kein Eintrittsgeld verlangt, aber um eine Spende beim Ausgang gebeten worden. 278 Euro kamen hier zusammen, die zu gleichen Teilen dem Verein "Theater in der Kirche" und dem weiteren Wiederaufbau der Dorfkirche zugute kommen.

Pfarrer Gerhard Stechbart und Udo Gomoll, Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Küstrinchen, dankten den Künstlern für ihren originellen Beitrag. In diesem Jahr wolle man den Turm sanieren und möglichst auch das Dachgesims ausmauern. Mit Blumen aus den eigenen Bauerngärten verabschiedeten die Einwohner die kleine Theatergruppe mit besten Wünschen für die weitere Arbeit.

Text und Foto: Eva Gonda

Opernsänger und Vogelstimmen

Ein hochrangiges Benefizkonzert hatte international bekannte Künstler der Wiener Staatsoper nach Küstrinchen geführt. Geert Smits (Bariton), Cornelia Salje (Mezzosopran) und Christopher Espenschied (Klavier) boten den zahlreichen, zum Teil von weither angereisten Zuhörern ein außergewöhnliches Erlebnis. In der mit Blumen festlich geschmückten Dorfkirche erklangen Lieder u. a. von Franz Schubert und Johannes Brahms auf Texte von Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine. Eine "Zugabe", die nicht bei jedem Konzert geboten wird, war der konkurrierende Gesang der Vögel, der durch das offene Gesims und die zerbrochenen Fenster drang.

Das Benefizkonzert war durch Vermittlung von Börries und Marie-Luise von Stockhausen aus Warthe zustande gekommen und durch den Förderverein Dorfkirche Küstrinchen organisiert worden. Der Erlös aus dem Eintrittsgeldern - einschließlich zahlreicher Spenden - in Höhe von 3.700 Euro kommt ausschließlich der weiteren Instandsetzung der Dorfkirche zugute.

 
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Kein Baudenkmal und doch ein denkwürdiger Bau

Die kleine Kirche von Tangendorf wurde zu DDR-Zeiten errichtet

Dorfkirche Tangendorf
 Dorfkirche Tangendorf - Altar
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ALTRARRAUM der Kirche. Den Behang mit der Darstellung der klugen und törichten Jungfrauen fertigte der aus Ostpreußen stammende Künstler Karl Kunz

Das bescheidene Kirchlein in der Prignitzgemeinde Tangendorf steht nicht unter Denkmalschutz. Dabei ist es ein außergewöhnliches Denkmal, das seinesgleichen weit und breit sucht: Die Kirche wurde 1953/54 gebaut. Das war zu der Zeit, als die Bauern in der DDR durch Zwangsabgaben an den Rand ihrer Existenz getrieben wurden, zu der Zeit, als die erste "sozialistische Stadt" der DDR, Eisenhüttenstadt, errichtet wurde und Walter Ulbricht selbstherrlich verkündete, dass hierzulande fortan keine Türme mehr in den Himmel wachsen würden außer den Schloten der Industrie. (s.a. Märkische Allgemeine vom 24. Februar 2004)

Die Einwohner der benachbarten Dörfer Tangendorf und Hohenvier hatten bis dahin nie ein eigenes Gotteshaus besessen; wer zur Kirche wollte, musste sich ins rund fünf Kilometer entfernte Seddin auf den Weg machen. Es grenzte schon an Vermessenheit, ausgerechnet in jener politisch wie wirtschaftlich schwierigen Zeit ein Gotteshaus errichten zu wollen.

Dass die staatliche Baugenehmigung erteilt wurde, gehört zu den Wundern, die rational nicht erklärbar sind. Jedenfalls als bald danach die Gemeinden Dargardt und Sagast die Genehmigung für einen Kirchenbau beantragten, wurde das strikt abgelehnt. Die ganz kurze Zeit, da der Staat unter dem Druck der Unruhen in der DDR eine etwas mildere Tonart angeschlagen hatte, war schon wieder vorbei.

Fast jeder Einwohner war dabei, als es an den Bau ging. Die damals 470 Gemeindeglieder von Tangendorf und Hohenvier hatten 6.000 Mark gesammelt, das Konsistorium gab einen namhaften Betrag, ein Ehepaar schenkte den Baugrund am Dorfanger. Manfred Wiese, vor 69 Jahren in Tangendorf geboren, seit Jahrzehnten Kirchenältester, machte als Jugendlicher mit, als Feldsteine für das Fundament herangekarrt, Kies geschaufelt und Bausteine abgeladen wurden. Bau– und Handwerksbetriebe aus der Umgebung leisteten die Facharbeiten, sorgten auch für die Innenausstattung.

Wenn auch offensichtlich ein Segen auf diesem Werk lag, so blieben Probleme doch nicht aus. Ein Sturm fegte die Steine vom gerade halbgedeckten Dach. "Aber das war vielleicht auch ein Segen", sagt Manfred Wiese heute augenzwinkernd, "denn die Steine waren von ganz schlechter Qualität und hätten uns jahrelang Ärger gemacht." Dann war kurz vor der Einweihung die eigens gegossene Glocke unauffindbar. Sie wurde schließlich im Güterschuppen der Bahn in Wittenberge ausgemacht und per umgebauten PKW, der unter der Last zusammenzubrechen drohte, herbeigeschafft. Beim Hochhieven erwies sich dann auch noch die Luke als zu eng und musste ausgesägt werden.

Ein tragisches Ereignis aber überschattete das Richtfest, als der Vorsitzende des Bauausschusses der Gemeinde mitten in seiner Rede einem Herzversagen erlag. Bei der festlichen Einweihung wenige Monate später wurden seine Verdienste um das Gotteshaus besonders gewürdigt.

Heute, nach fünfzig Jahren, haben nun die alten Dachsteine – sie waren nach dem Sturm damals doch noch durch bessere ersetzt worden – ausgedient und müssen erneuert werden. Den Bemühungen von Pfarrer Klaus-Dieter Hanack ist es zu danken, dass über Förderanträge ein Großteil der Finanzmittel zusammengetragen sind und eine bayerische Firma die Dachsteine spendiert. Auch der Förderverein Alte Kirchen hat mit einem bescheidenen Betrag dazu beigetragen. Der rührige Heimatverein, der sich der Förderung und Pflege des kulturellen Erbes auf dem Dorfe verschrieben hat, will bei diesem Projekt durch Sammlungen, aber auch tatkräftige Unterstützung mitwirken. Die Tangendorfer sind wieder dabei; Baufreiheit rund ums Kirchlein wurde schon geschaffen.

In Tangendorf ist damals zwar kein Turm in den Himmel gewachsen, aber immerhin ein weithin sichtbarer Dachreiter mit einer Glocke, deren Klang vom Gottvertrauen und der Beharrlichkeit der Dorfbewohner kündet. Beides wird ihnen nun auch helfen, wenn es jetzt um die Erhaltung der ungewöhnlichen kleinen Kirche geht.

Text und Fotos: Eva Gonda

 
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Zum Tod von Karl Raetsch

Holzschnitt "Potsdam, Alter Markt 1968"  
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Den Holzschnitt "Potsdam, Alter Markt 1968" stiftete Karl Raetsch dem Förderkreis Alte Kirchen in Anerkennung seines Wirkens.

Am 2. Mai verstarb nach schwerer Krankheit unser langjähriges Mitglied Karl Raetsch. Durch seine jahrzehntelange künstlerische Beschäftigung mit der Stadtlandschaft und seinen eigenen, unaufdringlichen Stil gehörte Karl Raetsch seit langem zu den bekanntesten Malern Potsdams.

In Erinnerung werden die zusammen mit seiner Frau Barbara gestalteten Ausstellungen in der Kapelle auf dem Potsdamer Hermannswerder bleiben, die das Künstlerehepaar zum Atelier mit Ausstellungsraum ausgebaut hatte.

Nach der Wende begann um eben diese Kapelle ein langjähriger Rechtsstreit. Raetschs Verbitterung drückte sich auch in seinen Bildern aus, die zunehmend politischer wurden und auf denen Richter, Staatsanwälte und Bürokraten als bedrohliche und zugleich lächerliche Karikaturen auftauchten. Sein hintergründiger Humor zeigte sich unter anderem darin, dass er diese Bilder ausgerechnet auf dem zur Deutschen Richterakademie umgebauten Schloss Wustrau das erste Mal der Öffentlichkeit präsentierte. Die für den 15. Mai vorbereitete Eröffnung seiner Ausstellung "Farbe und Licht" (Malerei aus 50 Jahren von Barbara und Karl Raetsch sowie Sandsteinarbeiten von Sohn Robert) auf Hermannswerder durfte er nicht mehr erleben.

Der Vorstand unseres Förderkreises Alte Kirchen Berlin Brandenburg wird Karl Raetsch ein würdiges Andenken bewahren.

 

Rechtsstreit ums Atelier mit neuer Dimension

Die Probleme mit dem Atelier auf dem Potsdamer Hermannswerder, die Karl Raetsch jahrzehntelang das Leben schwer machten, sind allerdings noch lange nicht ausgeräumt und erreichten jetzt eine neue Dimension.

Zu DDR-Zeiten hatte das Malerehepaar Barbara und Karl Raetsch von der Stadt Potsdam ein verwahrlostes Grundstück gepachtet, die darauf befindliche Kapelle restauriert und zum Atelier hergerichtet sowie das umgebende ehemalige Friedhofsgelände in Ordnung gebracht. Damals waren die Verpächter froh, das Problem vom Halse zu haben. Nicht so nach der Wende, als Grundstücke und Immobilien einen ganz neuen Stellenwert bekamen. Die Rechtmäßigkeit des Vertrags wurde angezweifelt, ein einjähriger Mietvertrag und anschließende Kündigung wurden angeboten. Damit begann ein seit vielen Jahren andauernder Rechtsstreit, in den auch der Förderkreis Alte Kirchen vermittelnd einzugreifen versuchte. Es folgten Prozesse mit Erfolgen und Niederlagen. Jetzt soll vom Bundesgerichtshof endgültig entschieden werden.

Inzwischen ist die gesamte Liegenschaft an die Hoffbauerstiftung rückübertragen worden und damit ein neuer Prozessgegner auf den Plan getreten, der auch Geld braucht und deshalb hart kämpfen wird. Als "gütliche" Einigung wird angeboten: Erbbauzins von 20.000 Euro jährlich, Pachtzins für 925 Quadratmeter Gartenland, Instandsetzung und Erhaltung der Begrenzungsmauer, anteilige Kosten für Straßenerhaltung, Elektrizität, Wasserversorgung und Abwasser sowie weitere diverse Anliegerkosten. Barbara Raetsch, die das jetzt allein durchzustehen hat, hofft nun auf eine günstige Wendung durch das "Sachenrechtsbereinigungsgesetz", das den Schutz vor Rückübertragungen garantiert, wenn die Existenzgrundlage des Betroffenen gefährdet ist.

 
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An der Viadrina zum Master

Breit gefächertes Studienangebot / Grenzüberschreitende Projekte

Mit der Einrichtung des postgradualen Masterstudienganges "European Cultural Heritage. Schutz europäischer Kulturgüter" hat die Europa-Universität Viadrina eine Marktlücke geschlossen. Den Erfolg bestätigen die stetig steigenden Studentenzahlen des seit dem Wintersemester 1999/2000 angebotenen Studienganges. Er stellt den vielfältigen interdisziplinären Anforderungen an Tätigkeiten im Kulturgüterschutz und in der Kulturgutverwaltung entsprechend ein Gesamtprofil der in der Kulturarbeit relevanten Kenntnisse, Befähigungen und Kompetenzen vor.

Das breit gefächerte Studienangebot wird von der koordinierenden Professur für Denkmalkunde am Collegium Polonicum und Kollegen aus den drei Fakultäten Kultur-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der Europa-Universität Viadrina getragen. Hinzu kommen im Rahmen von Lehraufträgen ausgewiesene Experten aus internationalen Partnerinstitutionen wie der UNESCO und ICOMOS, dem Europarat, internationalen Museen und Universitäten und andere mehr.

Da das Lehrangebot auf Absolventen von Hochschulen und Fachhochschulen verschiedener Fachrichtungen ausgerichtet ist, werden Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammengebracht. Daher ist die akademische Vorbildung der Teilnehmer ebenso vielfältig und unterschiedlich wie ihr berufliches Erfahrungsspektrum. Unter den Studierenden und Absolventen aus zahlreichen europäischen Nationen sind Berufsgruppen wie Juristen, Stadt- und Landschaftsplaner, Kunsthistoriker, Archäologen, Museologen, Geographen und Architekten. So können einerseits möglichst viele Facetten des Kulturgutschutzes beleuchtet werden, andererseits können die Teilnehmer ihre praktischen Erfahrungen, Kompetenzen und ihr Wissen in verschiedenen Studienprojekten einbringen und ausbauen.

Ein Beispiel hierfür ist das Studienprojekt "Kulturweg Freyenstein (Ostprignitz)", das gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt und Archäologischen Landesmuseum zum Projekt "Ar-chäologischer Park Freyenstein" entwickelt wird. Dahinter steht die Idee, die Geschichte der historischen Stadtwüstung Freyensteins und deren Umgebung zu erforschen und durch touristische Erlebnisrouten zu entwickeln. Seit Herbst 2003 sind Studierende des laufenden Abschlusssemesters mit der Erarbeitung, Dokumentation und touristischen Inwertsetzung von Kulturlandschafselementen im Umkreis Freyensteins beschäftigt.

Weitere Studierende arbeiteten und arbeiten auch an grenzüberschreitenden Projekten, wie der Buchpublikation "Słubice: Geschichte – Topographie – Entwicklung". Das Projekt wurde anlässlich des gemeinsamen Gründungsjubiläums von Frankfurt (Oder) und Słubice (Polen) ins Leben gerufen und zeigt eine besondere Stadtgeschichte, die das Identitätsbewusstsein in der Grenzregion fördern soll.

Inzwischen wurden die zwischen dem 1. und 2. Semester angebotenen Praktikumsplätze um einzigartige Einsatzorte erweitert. So werden neben den bewährten Praktikumsstellen u. a. im UNESCO-Welterbezentrum in Paris, der Universität Sevilla, Abteilung für mittelalterliche Archäologie, nun auch Plätze im ICOMOS, im Staatlichen Restaurierungszentrum Helsinki (Finnland) und im Staatlichen Institut für Denkmalpflege Prag (Tschechische Republik) angeboten.

Der Studiengang konnte sich durch gezielten inhaltlichen und didaktischen Neuansatz auf dem Ausbildungsmarkt etablieren. Dafür spricht nicht zuletzt die große Anzahl an Abschlüssen, die mit dem Titel eines Masters of Arts (M.A.) seit dem Bestehen vergeben wurde. Die Themen der Abschlussarbeiten sind vielfältig und zahlreich. Sie reichen von Arbeiten über die Funde der Keszthely-Kultur im Berliner Museum für Ur- und Frühgeschichte, den Kulturerbeschutz in Slowenien, die Erstellung eines Katastrophenschutz- und Bergungsplanes für Kunstwerke, Denkmalpflege und Dorferneuerung, ein Pflege- und Erhaltungskonzept für Denkmalorgeln bis zum Entwurf eines Innenraumkonzeptes für eine Dorfkirche.

Weitere interessante Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Ferner konnten sich einige Absolventen erfolgreich um ein Promotionsstipendium bewerben.

Ramona Simone Dornbusch, M.A.

Für Interessenten:

Studienbeginn ist jeweils das Wintersemester. Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein Quereinstieg zum Sommersemester möglich. Das Studium ist kostenpflichtig. Mit der Einschreibung erwerben die Studierenden gleichzeitig zwei CD-ROM mit den grundlegenden Studienmaterialien, die stetig überarbeitet werden.

Das Studienangebot ist mit Rücksicht auf berufstätige Studierende in zweiwöchigen Blockphasen organisiert und führt mit erfolgreichem Studienabschluss nach vier Semestern (drei Studien- und ein Prüfungssemester) zum Titel eines Masters of Arts für Kulturgüterschutz. Neben den Lehrangeboten aus einschlägigen Wissensgebieten sind mindestens zwei vierwöchige Praktika vorgesehen.

Anfragen sind zu richten an die Europa-Universität Viadrina, Lehrstuhl Denkmalkunde, Studiengang "European Cultural Heritage", Frau Prof. Dr. Hengelhaupt oder Zentrum für Internationales & Weiterbildung, Postfach 1786, D-15207 Frankfurt (Oder), Tel.: (0335) 553416 461, Fax: (0335) 5534 16 460, e-mail: weiterbildung@euv-frankfurt-o.de

Weiterführende Informationen, Angaben zu Gebühren, Zulassungsvoraussetzung etc. sind unter http://www.ziw.euv-frankfurt-o.de/SEK verfügbar.

 
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Um Neugier zu wecken und zu stillen

Auch 2005 wieder Ausbildung für ehrenamtliche Kirchenführer

Wenn Sie Ihre Heimatkirche öffnen und interessierten Menschen vorstellen wollen, laden Sie die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung und das Bildungswerk der EKBO wieder zu einer qualifizierenden Ausbildung ein.

Kursüberblick

20. Januar 2005:Infoabend
5.-6. Februar:Eröffnungswochenende
5. März:Kirchenraum erleben
22.-24. April:Rauminszenierung und Methodik
21. Mai:Theologie in Kunst und Architektur
4. Juni:Führung von Kindern und Jugendlichen
25. Juni:Regionalgruppen
20. August:Regionalgruppen
17. September:Übungen
29. Oktober:Übungen
19. November:Übungen
9.-10. Dezember:Abschlusskolloquium

Ort: Berlin, vor Ort in Ihrer Region und ein Wochenende in Brandenburg / Havel

Leitung: Gisela Donath, Dr. Irmtraud Thiese, Birgit Reibel, Christian Radecke, Dr. Wolfgang Wesenberg, Dr. Philipp Enger

Kosten: 250,00 EUR (Ehrenamtliche können einen Zuschuss bei ihrer Gemeinde oder ihrem Kirchenkreis beantragen)

Information und Anmeldung: Bildungswerk der EKBO, Gemeindebezogene Bildung und Beratung, Goethestr. 26-30, 10625 Berlin, Tel. (0 30) 31 91-250, Fax (0 30) 31 91-283, E-Mail. enger@bildungswerk-ekibb.de

 
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Die Uckermark im Westen

FAK-Ausstellung in alten Bundesländern mit interessiertem Publikum

Unsere Ausstellung "Gefährdete Schönheit - Dorfkirchen in der Uckermark", die im April 2003 in Prenzlau eröffnet worden war, wird inzwischen an einigen Orten im Westen Deutschlands gezeigt.

Im Mai war die Ausstellung in der Alten reformierten Kirche in der City von Wuppertal-Elberfeld zu sehen. Parallel dazu gab es drei Vortragsabende, die von Bernd Janowski (Einführung in die Ausstellung), Dr. Peter Schmidt ("Rheinisch - Fränkisch - Brandenburgisch. Früher Kirchenbau in der Mark Brandenburg") und Prof. Dr. Klaus Goebel ("Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" mit Lesungen und Liedern) gestaltet wurden.

Im Juni und Juli gastierte die Uckermark in der St.-Johannis-Kirche in Göttingen, ebenfalls von drei Veranstaltungen flankiert: Dr. Hans Krag (Einführung), Hans J. Schulz, Generalsuperintendent für Nordbrandenburg und Ruppin ("Bebauen und Bewahren - Kirche im ländlichen Raum. Erfahrungen und Perspektiven aus Nordbrandenburg") und noch einmal Dr. Hans Krag ("Die Uckermark - ein stilles Land und seine Schätze").

Die Veranstaltungen waren den Umständen entsprechend (Fußball-Europameisterschaft!) gut besucht und gaben vielfach Gelegenheit, die Situation im Lande und die Tätigkeit des Förderkreises Alte Kirchen darzustellen. Dazu gehörte auch die Schaffung eines positiven Umfeldes für das Land Brandenburg, damit nicht nur das Negative, d.h. die Probleme, im Gedächtnis bleiben.

Der FAK dankt auch auf diesem Wege noch einmal den sehr engagierten Pastoren in Wuppertal (Frau und Herrn Engels) und Göttingen (Herrn Grote) und ihren Kirchenvorständen und Mitarbeitern für ihre Gastfreundschaft und tätige Mithilfe. Wir hatten das Gefühl, bei Freunden willkommen zu sein, und wollen die Beziehungen fortsetzen.

Im August läuft die Ausstellung in der St.-Martini-Kirche Braunschweig.

Hans Krag

 
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Gefahren und Chancen sakraler Bauten

Öffentliches Forum von Europa Nostra über Gottesdienststätten

Um die Erhaltung und Nutzung von Gottesdienststätten ging es auf einem öffentlichen Forum anlässlich der diesjährigen Generalversammlung von Europa Nostra in München.

Professor Andrzej Tomaszewski, Warschau (früher Generalkonservator Polen), würdigte eingangs die Bedeutung sakraler Gebäude in heutigen Zeiten des religiösen Pluralismus, da es in Europas Großstädten neben den Kirchen auch Synagogen, Moscheen und buddhistische Tempel gebe. Er verwies auf die Gefahr der Zerstörungen nicht nur durch Kriegseinwirkungen, sondern auch durch die Vernichtung von Sakralbauten ehemaliger Einwohner wie heute etwa orthodoxer Kirchen im Kosovo. Weitere Gefahren seien durch Umnutzung und Umbauten gegeben wie bei der Leopoldsburger Kirche in Milow, die heute eine Sparkasse beherbergt. Positiv wertete er die zunehmende deutsch-polnische Zusammenarbeit um das gemeinsame kulturelle Erbe.

Angus Fowler (FAK Marburg und Berlin-Brandenburg, ECOVAST) beschäftigte sich vor allem mit der Frage, was Kirche, Staat und bürgerliche Gesellschaft in Partnerschaft für die Erhaltung der Kirchengebäude tun können angesichts der zunehmend katastrophaleren Finanzlage, gekennzeichnet u. a. durch die Streichung des Dach-und-Fach-Programms. Er würdigte die Leistung von Fördervereinen und Stiftungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern und plädierte für erweiterte Nutzung von Kirchen für kulturelle und touristische, kommunale und soziale Zwecke unter Beachtung der Richtlinien und Kriterien der Kirchen. Dringend notwendig seien eine nachhaltige Denkmalpflege durch regelmäßige Inspektion und sofortige Kleinreparaturen sowie die Erschließung weiterer Einnahmequellen und Kostenersparnis z. B. durch eine Senkung der Mehrwertsteuer für Restaurierungen denkmalgeschützter Gebäude. Angus Fowler forderte strengere Verfahren und größere Sorgfalt bei Aufgabe von Kirchen und verwies auf den immer noch gültigen Bericht für den Europarat 1989 (erhältlich in Englisch über den FAK Berlin-Brandenburg).

Lester Borley (früher Direktor National Trust Schottland, Generalsekretär Europa Nostra, Tourismus-Experte) ging auf die Probleme ein, die der Massentourismus insbesondere bei Kathedralen, Klöstern und anderen Großbauten hervorruft. Andererseits bedeute die Einführung von Eintrittsgebühren – wenn auch umstritten – eine neue dringend notwendige Einnahmequelle und gewährleiste kontrollierten und qualifizierten Kulturtourismus statt gefährlichem Massentourismus.

Das bestätigte auch der kurze Erfahrungsbericht eines Teilnehmers über die Folgen der Einführung von Eintrittsgebühren für die Kathedralkirche in Valetta auf Malta.

Die segensreiche Arbeit der "Monumentenwacht" seit 1970 in den Niederlanden stellte Emil van Brederode (Niederländische Stiftung Nationalkontaktstelle für Denkmäler) vor. Durch regelmäßige Inspektion, Wartung und Pflege seien hohe Renovierungskosten gespart worden.

Dieses Beispiel – und ähnliche gibt es in Belgien, England, Schottland und Dänemark – wurde in der lebhaften Diskussion mit den Zuhörern immer wieder aufgegriffen und als nachahmenswert herausgestellt. Dr. Zeynep Aygen (Istanbul, jetzt Dozent an der Universität Portsmouth in England) berichtete über die ausreichende Ausstattung zur Erhaltung und Unterhaltung von Moscheen seit ihrem Bau bis heute durch dafür zweckbestimmte Stiftungen.

Insbesondere um die erweiterte Nutzung von Kirchen gab es eine kontroverse Auseinandersetzung: Wie der strenggläubige belgische Katholik Cardon de Lichtbuer berichtete, lehne die Römisch-Katholische Kirche in Belgien eine allzu freie Nutzung von Kirchen ab und ziehe es unter diesen Umständen vor, insbesondere Gebäude des 19. Jahrhunderts abzubrechen. Er fand teilweise die Unterstützung deutscher Katholiken und orthodoxer Griechen. Andererseits aber gab es auch energische Proteste, indem man im öffentlichen Interesse für die Erhaltung der Gebäude als Denkmale plädierte.

Angus Fowler

 
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Kulturerbe-Preise der EU für 2003 vergeben

Preisträger aus 18 europäischen Ländern erhielten für vorbildliche Maßnahmen zur Bewahrung des europäischen Kulturerbes für das Jahr 2003 Preise der Europäischen Union und von Europa Nostra.

Die mit jeweils 10.000 EUR dotierten Hauptpreise gingen an:
Bellevue Theatre (Klampenborg, Dänemark)
Grainger Town Project (Newcastle upon Tyne, Großbritannien)
Das Federzimmer im Schloß Moritzburg (Sachsen/Deutschland)
Yria and Sangri Archaeological Sites (Naxos, Griechenland)
Pilot Project for the Restoration of Vernacular Dwellings (Rincón de Ademuz, Spanien)
Calin Hoinarescu, Architekt (Ploiesti, Rumänien)
Weitere drei deutsche Einrichtungen erhielten Medaillen und Diplome:
Freundeskreis Technisches Denkmal Brikettfabrik Louise e.V. (Domsdorf, Brandenburg)
Römerbergwerk Meurin (Kretz, Rheinland-Pfalz)
Förderverein Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide e.V. (Karow, Mecklenburg-Vorpommern)

Die einzige Auszeichnung für die Rettung einer gefährdeten aufgegebenen Kirche wurde an die schottische Stiftung "Scottish Redundant Churches Trust" vergeben, Eigentümer der kleinen Kirche St. Peter auf der Insel Orkney.

 
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DIE BÜCHERSEITE

"Denkmalgerechtigkeit" in der DDR

Sigrid Brandt: Geschichte der Denkmalpflege in der SBZ/DDR Dargestellt an Beispielen aus dem sächsischen Raum 1945-1961

Sowohl der ungeheure Bedarf an Rekonstruktionsmaßnahmen als auch der Anspruch, in einer sich abzeichnenden neuen Gesellschaftsordnung andere Akzente bei der Denkmalpflege zu setzen, stellten vertraute Standards in Frage. Die in der Nazi-Zeit praktizierte Denkmalpflege und deren Wortführer waren ohnehin diskreditiert.

An diesem Nullpunkt setzt die Arbeit von Sigrid Brandt an. Sie beschreibt die wechselvolle Geschichte des Instituts für Denkmalpflege und beleuchtet den Einfluss anderer Institutionen, z. B. den der 1951 gegründeten Bauakademie, und Entwicklungen in anderen östlichen Staaten, wie das polnische Modell des Wiederaufbaus zerstörter Stadtkerne (mit Untertunnelung des Warschauer Schlossplatzes schon 1949).

Die Darstellung der DDR-spezifischen Denkmalpflege am Beispiel Sachsens konzentriert sich auf die Rolle Hans Nadlers in Dresden und auf sein Konzept einer "Denkmalgerechtigkeit". Hier geht es um einzelne Bauten wie in Chemnitz, Bautzen und Görlitz und/oder den Umgang mit ganzen Komplexen und Vierteln wie in Dresden und Leipzig.

Den Schlussteil der Arbeit widmet die Autorin der sächsischen Denkmalpflege an Sakralbauten. Anders als bei den Profanbauten gab es hier einen Partner, der mitreden und mitentscheiden wollte: die Evangelische Kirche, die zu dieser Zeit noch gesamtdeutsch organisiert war. Am Beispiel der Johanniskirche in Freiberg lässt sich am besten aufzeigen, was Eberhard Hempel 1950 für das Landeskirchenamt Sachsen so formulierte: "Das 19. Jahrhundert hat unsere alten Kirchen in der Überheblichkeit des Besserwissens zumeist verdorben. (...) Meistens wird die Arbeit sich darauf richten, die ursprüngliche Gestalt nach Möglichkeit wiederherzustellen, die in alte Kirchenkörper eingefügten neueren Teile, meist überladene, unruhige, wenn nicht rohe Nachahmungen alter Stile, durch schlichte, zurückhaltende Formen zu ersetzen und eine harmonische Farbgebung . . . zu erreichen. Dabei sollten die alten Anlagen vor allem wegen ihres kultischen Wertes, nicht in erster Linie wegen ihrer Schönheit erhalten werden."

Weitere anschauliche Beispiele liefern die Klosterkirche Pirna, die Schlosskirche Chemnitz, der Petridom Bautzen, die St.-Kilians-Kirche Bad Lausick und die St.-Johannis-Kirche Plauen. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit der Oberkirche Cottbus.

Ein umfangreicher Dokumentarteil rundet den Band ab.

Lukas Verlag
368 S., 87 Abb.
ISBN 3-931836-83-5, 36.- EUR

 

Geschichte und Geschichten an der Oder

Monika Kilian/Ulrich Knefelkamp (Hg.): Frankfurt Oder Słubice: Sieben Spaziergänge durch die Stadtgeschichte.

Zum 750. Stadtjubiläum ist einsprachig Deutsch ein informatives Buch über die Doppelstadt an der Oder erschienen. Sieht man das engmaschige Straßenraster der mittelalterlichen Stadt übertragen auf den heutigen Stadtplan, so ahnt man den Grad der Kriegszerstörung. Das Zentrum Frankfurts – von Bomben verschont geblieben – brannte nach Ende des Krieges aus. Dem Vergangenen spürt das Buch, ein Projekt der Viadrina, mit Bildern, Dokumenten und Geschichten nach.

Man erfährt viel über die Sozialstruktur der Stadt, wofür schon die ausführliche Geschichtstabelle viele Anhaltspunkte liefert. Mit Gewinn liest man Einzelheiten über die Entwicklung des östlichen Stadtteils, der seit 1945 Słubice heißt. Über die dort neu errichtete katholische Kirche, inzwischen auch ein Stück Geschichte, erfährt man nichts. Die gut auffindbaren Passagen über alte und neuere Kirchenbauten in Frankfurt sind lesenswert. Ein ergänzendes Buch mit Stadtspaziergängen durch die Gegenwart wäre wünschenswert.

Scrîpvaz Verlag
126 S., 40 Fotos
ISBN 3-931278-06-9, 9.- EUR

 

Hans Bentzin: Damm und Deich - fruchtbar und reich.

Die Überschwemmungen der Oder brachten den Bewohnern des Oderbruchs einst reiche Ernte – an Fischen. Schon mit Kurfürst Joachim I. (1499-1535) begann die Eindei-chung der Oder zwischen Lebus und Küstrin, aber erst das entschlossene und alle Widerstände überwin-dende Handeln des Alten Fritz machte das Oder-bruch zu fruchtbarem Land und so zur Lebens-grundlage für Neusiedler aus ganz Europa. – Die hier gedruckten und illustrierten Radiobeiträge der Antenne Brandenburg bringen uns Geschichte und Geschichten dieses Landstrichs nahe.

Westkreuz-Verlag
125 S., 33 Abb.
ISBN 3-929592-29-0, 11.- EUR

 

Harro Hess: Des Teufels Steine. Findlinge in Brandenburg und ihre Geschichte

Vom Fluch, den die gefundenen Steine für die Bauern und ihr Ackergerät bedeuteten, und vom Segen dieser Gesteinsbrocken für den Bau von Stadtmauern, Türmen und Gotteshäusern handelt dieser kleine Band. Der Autor schlägt ein Kapitel Erdgeschichte auf, umreißt den Beruf des Steinschlägers, liefert ein Verzeichnis der wichtigsten Fundstellen in Brandenburg und widmet sich der Frage, ob es eine neue Eiszeit geben wird.

Westkreuz-Verlag
123 S., 53 Abb.
ISBN 3-929592-38-X, 11.- EUR

 

Alle hier genannten Bücher sind auch über die FAK-Geschäftsstelle erhältlich (Versandkosten 2 Euro):c/o Bernd Janowski, Kastanienallee 69, 10119 Berlin, Tel./Fax: (0 30) 4 49 30 51, BerJnwsk@aol.com oder BerJnwsk@aol.com

 
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