13.02.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

180.000 Schläge im Jahr – Glockengeläut in Grossderschau stört Anwohner

Etwa 180.000 Glockenschläge im Jahr ertönen in Großderschau. Das ist einigen Anwohnern zu viel – sie wollen es ruhiger. Inzwischen kursiert sogar die Idee, die Glocken mit einem Bürgerentscheid zum Schweigen zu bringen.

Täglich um 12 und 18 Uhr läuten jeweils fünf Minuten lang die Kirchenglocken in Großderschau. Ob das so bleiben soll oder ob das Gebimmel die Ruhe stört, ist seit Monaten Gesprächsthema in Großderschau. Die Meinungen dazu gehen auseinander. Auch die Gemeindevertreter beschäftigten sich auf ihrer Sitzung am Dienstagabend zum wiederholten Mal mit der Angelegenheit.

288 Schläge in fünf Minuten

Er fühle sich von dem ständigen Geläut gestört, sagte ein Anwohner und wollte von den Abgeordneten wissen, ob man das ändern könne. Der Mann nannte Zahlen, mit denen er seine Aussagen bekräftigen wollte. 288 Glockenschläge habe er in fünf Minuten gezählt, sagte er. 

Nur zum Gottesdienst

Mittags- und Abendgeläut zusammen ergeben in einem Jahr rund 180 000 Glockenschläge. Dem Mann, der in der Nähe der Kirche wohnt, ist das einfach zu viel. Gegen ein Läuten zu kirchlichen Veranstaltungen sei absolut nichts einzuwenden, waren sich die Abgeordneten.

Pfarrer Lars Haake: Ausdruck von Glaubensfreiheit. Quelle: Norbert Stein

Pfarrer Lars Haake hatte bereits vor einigen Wochen auf MAZ- Nachfrage darauf verwiesen, dass in Großderschau die Kirchenglocke schon immer um 12 und 18 Uhr geläutet wurde. „Bisher hat sich noch niemand gestört daran“, so der Pfarrer, jedenfalls sei ihm diesbezüglich nichts bekannt. 

Ausdruck der Glaubensfreiheit

Für den Pfarrer ist es auch Ausdruck der Glaubensfreiheit, wann und wie lange die Kirchenglocke läutet. Helga Klein sieht das auch so und sagt: „Wir haben zudem eine Läuteordnung.“ Helga Klein ist Abgeordnete und Mitglied im Gemeindekirchenrat.

Gemeinde ist außen vor

Bürgermeisterin Yvonne Ratzmer sieht die Verantwortung nicht bei der Gemeinde. „Die Kirche ist zuständig für das Läuten der Glocken.“ Mitreden möchte die Gemeindevertretung allerdings wohl schon, wie die Diskussion am Mittwoch zeigte.

Die Glocke im Turm der Großderschauer Kirche läutet  jeden Tag um 12 und 18 Uhr . Quelle: Norbert Stein

Vielleicht müsste man den Pfarrer zu einer Gemeindevertretersitzung einladen, um mit ihm die Angelegenheit für eine gemeinsame Lösung zu erörtern. Der Pfarrer scheint dazu bereit zu sein, wurde aber bisher noch zu keiner Beratung der Gemeinde in Sachen um Glockenläuten eingeladen.

Im Bürgerentscheid

Die Angelegenheit hat Brisanz. So machte eine Bewohnerin sogar den Vorschlag, die Frage zum Glockengeläut mit einem Bürgerentscheidklären zu lassen. Auf den Vorschlag ging dann allerdings kein Abgeordneter ein.

Die Angelegenheit beanspruchte am Mittwoch mehr Zeit als die Beschlussfassung zum Gemeindehaushalt 2020. Im Ergebnishaushalt für das laufende Jahr sind 590 700 Euro Aufwendungen eingeplant. Um ein Defizit ausgleichen zu können, stimmten die Abgeordneten dafür, 18300 Euro aus der Rücklage zu nehmen. 

Vie Geld für Brücke

Der Bau einer neuen Dosse-Brücke bei Rübehorst ist die wichtigste Investition der Gemeinde in den Jahren 2020/2021. In diesem Jahr stehen dafür im Finanzhaushalt rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. 2021 werden dann zur Fertigstellung der Brücke noch einmal etwas über 500 000 Euro fällig. 6000 Euro stehen im Finanzhaushalt 2020 für die Anschaffung einer neuen Feuerwehrsirene im Ortsteil Rübehorst bereit und 5000 Euro für Straßenreparaturen. 

Von Norbert Stein

Märkische Allgemeine Zeitung, 13.02.2020
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